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27.09.2017 13:23:00

Öffentliches Angebot

BAWAG geht noch heuer an die Börse und verspricht Zukäufe


Die ehemalige Gewerkschaftsbank BAWAG geht nochheuer in Wien an die Börse. Derzeitige Eigentümer geben dafür Aktienab, eine Kapitalaufstockung ist nicht geplant.

Die Bank hat am Mittwoch keinen Hinweis auf das geplante Volumen gegeben, Medienberichte der letzten Wochen lassen erwarten, dass 20 bis 30 Prozent der Anteile auf den Markt kommen.

Die Bank könnte nach Markteinschätzungen mit 5 Mrd. Euro bewertet werden, beim Einstieg 2007 hatte Cerberus etwa 3,3 Mrd. Euro ausgegeben, dazwischen hat es aber auch Kapitalerhöhungen gegeben. Den Investoren verspricht die BAWAG ein Wachstumsszenario und regelmäßige Ausschüttungen von der Hälfte des Nettogewinns. Aus dem "Überschusskapital", das über die Mindestanforderung von 12 Prozent Kernkapital hinausgeht, werde bis 2020 mehr als eine Mrd. Euro zur Verfügung stehen, die für organisches Wachstum und Zukäufe genutzt werden sollen. Soweit das Geld für diese Ziele nicht benötigt wird, soll es an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Schon in den vergangenen drei Jahren seien fünf Zukäufe abgeschlossen worden, erinnerte die BAWAG am Mittwoch. Zuletzt hat die BAWAG die deutsche Südwestbank übernommen.

BAWAG-Chef Anas Abuzaakouk wollte sich am Mittwoch nicht dazu äußern, welche weiteren Zukäufe in Planung sind. Er sprach nur von einer "robusten Pipeline" an Projekten in Deutschland und Österreich. Wachstum ist jedenfalls vor allem in Österreich sowie in Deutschland und der Schweiz (DACH) geplant. Unter anderem will die BAWAG mit ihrer Direktbanktochter easybank expandieren, wobei in Deutschland nach Brancheninformationen als Markennamen "Qlick" angedacht ist. Das Angebot soll auf mobile Nutzung zugeschnitten sein.

Die BAWAG sei eine der größten und kapitalstärksten Banken Österreichs, "als solche ist unser Platz an der Wiener Börse", so Abuzaakouk. Die Einnahmen der Bank seien zwischen 2012 und 2016 um 19 Prozent gewachsen, während die Kosten um ein Drittel zurückgegangen seien. Zugleich seien 470.000 neue Kunden dazugewonnen worden. Der Anteil der Kosten an den Einnahmen (Cost-IncomeRatio) liege bei 41,7 Prozent. Nur 1,9 Prozent der Kredite fallen aus. Das Eigenkapital (CET1 fully loaded) betrage 15,5 Prozent. Nach Maßstäben der Profitabilität und der Effizienz gehöre die BAWAG zu den besten fünf Prozent in Europa.

Der Börsengang soll keine Auswirkung für den Kooperationsvertrag zwischen BAWAG und Post haben, sagte Abazaakouk am Mittwoch. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, dass die BAWAG mit dem Deal nicht mehr zufrieden sei. "Alle Gespräche mit der Post sind vertraulich" so Abazakouk. Man werde weiter Veränderungen von Kundenwünschen berücksichtigen und sich auf Beratung konzentrieren. Formal hat die BAWAG bis Jahresende die Chance, den Vertrag mit der Post zu kündigen. Falls es zu einer Kündigung kommt, würde sie Ende 2020 wirksam werden.

An die Börse gebracht wird die BAWAG Group, Holdinggesellschaft der BAWAG P.S.K. Sie gehört zu hundert Prozent der Promontoria Sacher Holding B.V. An dieser sind Cerberus mit 54 Prozent und Golden Tree mit 40 Prozent beteiligt. Die restlichen 6 Prozent gehören österreichischen und nicht-österreichischen Minderheitsaktionären. Zu den österreichischen Minderheitsaktionären gehört die österreichische Post. Über die nächsten Schritte wollte sich Abuzaakouk ausdrücklich nicht äußern. Üblicherweise dauert es rund vier Wochen von der ersten Ankündigung des Börsengangs bis zum tatsächlichen Börsenhandel.

Der Börsengang der BAWAG ist der erste, seit 2014 die FACC an die Börse ging und die Buwog von der Immofinanz abgespalten wurde. Von der Größe her gab es zuletzt 2007 mit der Strabag ein vergleichbar großes Unternehmen, das den Schritt auf das Börsenparkett wagte.

Abgesehen von den sich verändernden Eigentümern führten die Geschäfte der BAWAG zu zahlreichen Prozessen und Verurteilungen und einem eigenen Untersuchungsausschuss. Hauptauslöser dafür waren intransparente und sehr verlustreiche Geschäfte der Bank in der Karibik.

1922: Gründung der "Arbeiterbank" durch den damaligen Staatskanzler Karl Renner. Sie verwaltet die Gelder der Gewerkschaften und Konsumgenossenschaften.

1934: Im Ständestaat wird die Arbeiterbank zwangsliquidiert.

1947: Nach dem Zweiten Weltkrieg Neugründung durch den Gewerkschaftsbund ÖGB

1963: Namensänderung in "Bank für Arbeit und Wirtschaft" (BAWAG)

1994: Die Bank muss umstrittene Karibikgeschäfte auf Behörden-Druck stoppen

1995: Der neue Generaldirektor Helmut Elsner nimmt die riskanten "Karibikgeschäfte" wieder auf. Die Bank ist auch Hauptfinancier des bankrotten Konsum.

1996: Die Bayerische Landesbank (BayernLB) steigt ein, kauft das "Konsum"-Paket an der BAWAG.

1998: Joint Venture mit dem US-Broker Refco. Ein Jahr später BAWAG-Einstieg mit 10 Prozent bei Refco.

2000: Die BAWAG kauft die P.S.K. für 1,28 Mrd. Euro. Wolfgang Flöttl, Sohn des früheren BAWAG-Chefs, verspekuliert viele hundert Mio. Euro. Die Bank kann nur dank ÖGB-Garantie bilanzieren.

2004: Der ÖGB kauft den BAWAG-Anteil von der BayernLB zurück, wird Alleineigentümer. BAWAG und ÖGB-Stiftungen steigen bei Refco vollständig aus.

2005: Die Krise bricht auf. Im Oktober Fusion von BAWAG und P.S.K. Am 10.10. überweist die BAWAG einen Blitz-Kredit an Refco/Phillip Bennett. Bennett wird entlassen, sogar vorübergehend verhaftet. 13.10. Refco stoppt Geschäfte wegen Liquiditätsmangels. 16.10. Die BAWAG bangt um 425 Mio. Euro Kredit an Refco/Bennett. 18.10. Die New Yorker Börse streicht Refco vom Kurszettel. Die Refco-Gruppe ist insolvent.

2006: 1. Jänner: Ewald Nowotny wird BAWAG-Chef. März: Offshore-Firmen und Karibik-Spekulationen werden bekannt, die Bank gesteht hohe Verluste aus dem Jahr 2000 ein. Vier BAWAG-Vorstände und ÖGB-Chef Verzetnitsch müssen zurücktreten. Der ÖGB beschließt den Verkauf. April: Refco-Gläubiger stellen Milliardenforderungen an die BAWAG, BAWAG-Konten in den USA werden eingefroren, es kommt zu massiven Geldabflüssen aus der Bank. Mai: Bund, Banken und Versicherungen fangen BAWAG mit Bundesgarantie und Zusage für Kapitalspritze auf. Juni: Ein milliardenschwerer Vergleich mit Refco-Opfern bringt der Bank Rechtssicherheit 14. Dezember: US-Fonds Cerberus erhält den Zuschlag für den Kauf der BAWAG Verhandlungen gehen aber bis zum 30.12. weiter.

2007 15. Mai: Closing, die BAWAG gehört zu etwa 90 Prozent dem US-Fonds Cerberus. Der Kaufpreis liegt bei 2,6 Mrd. Euro, dazu bekommt die Bank 600 Mio. Euro Kapitalspritze.

2009: Im Zuge der Finanzkrise bekommt die BAWAG wie viele andere Banken auch eine Staatshilfe: 550 Mio. Euro Partizipationskapital (mit 9,3 Prozent Zins) und eine 400 Mio. Euro schwere Garantie. Zusätzlich hat Eigentümer Cerberus 205 Mio. Euro Kapital eingeschossen und die Bank selber 80 Mio. Euro aufgenommen.

2012: In Zuge einer Kapitalerhöhung steigt der Fonds Golden Tree mit rund 40 Prozent bei der BAWAG ein

2014 März: BAWAG zahlt nach einer weiteren Kapitalerhöhung das letzte Staatskapital zurück

2017 27. September: BAWAG gibt bekannt, noch im Laufe des Jahres den Börsengang in Wien anzustreben.

IVA-Rasinger: BAWAG wäre große Bereicherung für die Wiener Börse

Der heute angekündigte Börsengang der BAWAG noch in diesem Jahr "wäre auf jeden Fall eine große Bereicherung für die Wiener Börse, die in den letzten Jahren eher mit Abgängen aufgefallen ist und keine Zugänge zu verzeichnen gehabt hat", meint der Präsident des Interessenverbandes für Anleger, Wilhelm Rasinger. Die Bank sei im vergangenen Jahrzehnt radikal und sehr erfolgreich umstrukturiert worden.

"Wien ist ausgehungert. Alle freuen sich, denn es tut sich wieder mal was", sagte der IVA-Präsident am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. "Aber die BAWAG P.S.K. ist nicht mehr die BAWAG P.S.K. wie die meisten von Ihnen es kennengelernt haben." Die Bank habe jetzt über zehn Jahre lang andere Eigentümer gehabt, und die Anleger müssten sich jetzt sehr genau anschauen wie es weitergeht im Rechtsstreit mit der Stadt Linz oder im Verhältnis zur Post und wie die möglichen Ertragsaussichten in der Zukunft sind.

"Derzeit weist die BAWAG P.S.K. hervorragende Ergebnisse aus, hat sehr viel Umstrukturierungsarbeit geleistet - aber wer weiß, ob das in den nächsten Jahren in diesem Ausmaß erzielt werden kann." Dass die Fonds, die ihre BAWAG-Anteile sehr lange gehalten haben, diese nach zehn Jahren verkaufen wollen, sei nicht überraschend. "Eines muss uns aber klar sein: dass diese Aktionäre sicher keine Geschenke verteilen werden."

Entscheidend beim Börsengang sei jetzt, wie der Ausgabekurs festgesetzt wird. Der kolportierte Wert von 1,5 mal Buchwert wäre "sehr ambitiös", so der Kleinanlegerschützer. Die BAWAG sei kapitalmäßig gut ausgestattet, das sei "keine Frage". Aber "ich bin mir nicht ganz klar über das Geschäftsmodell". So sei das Retailgeschäft stark umstrukturiert worden und die BAWAG ziehe sich bei der Post teilweise auch zurück - der Vertrag sei bis Ende 2017 zu kündigen und habe noch eine Nachlaufzeit bis 2020. "Da erwarte ich mir eine klar Aussage, wie sie zu dem Retailgeschäft steht." Es müsse vor allem die Frage beantwortet werden, ob die derzeit sehr attraktiven Erträge auch künftig erzielt werden können.

(APA) tsk/gru

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Bildquelle: BAWAG P.S.K.

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