ATX 3 235 0,6%  Dow 22 025 0,1%  Nasdaq 5 917 0,2%  Euro 1,1771 0,0% 
ATX P 1 631 0,8%  EStoxx50 3 485 0,7%  Nikkei 19 729 -0,1%  CHF 1,1365 0,0% 
DAX 12 264 0,7%  FTSE100 7 433 0,7%  Öl 50,4 -1,2%  Gold 1 283 0,0% 

05.08.2017 10:18:32

Kolumne
GELD-Magazin

Börse Wien: Sommerflaute für Schnäppchenjagd nützen


Trotz guter Wirtschaftsdaten kommen die Börsen derzeit nicht von der Stelle. In den USA drückte eine Korrektur bei Technologie-Titeln auf die Indizes, in Europa wartet man auf weitere Aussagen der EZB zum geplanten Tapering. Für etwas Schwung könnten jedoch im Laufe des Juli gute Halbjahresergebnisse sorgen.

Text: Mario Franzin, GELD-Magazin

Die Wirtschaft in Europa entwickelt sich gut - zumindest im Vergleich mit den vergangenen Jahren. So zeigt der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland im Juni - zur Einschätzung der momentanen Lage - mit 115,1 Punkten einen neuen Rekordwert. Österreichische Unternehmen konnten im Kielwasser der boomenden deutschen Wirtschaft im ersten Quartal die Exporte nominell saison- und arbeitstagebereinigt um 7,4 Prozent steigern. Laut der am 6. Juni veröffentlichten gesamtwirtschaftlichen Prognose der OeNB für Österreich war dies ein vorläufiger Rekordwert, der zwar das BIP 2017 von 1,4 auf 2,2 Prozent ansteigen lassen sollte, 2018 und 2019 aber wieder eine leichte Abkühlung auf 1,7 bzw. 1,6 Prozent erwartet wird. Parallel zur Wirtschaftserholung ist auch das Umfeld in Europa politisch stabiler geworden. Also alles in allem ein gutes Umfeld für Aktien, wobei die trotz allem schwache Infla­tion auf eine noch anhaltende Zurückhaltung bei Investitionen zurückzuführen ist.

Zwei kleine Querschüsse, die auf die Börsen bremsend wirkten, gab es im Juni: Zum einen wurden die Märkte durch eine mittelstarke Korrektur bei US-Technologiewerten belastet, die den Nasdaq 100 wieder auf das Niveau von Mitte Mai hinunterdrückten, und zweitens dachte EZB-Chef Mario Draghi laut über eine Reduktion der Anleihenkäufe durch die Notenbank nach (Tapering). Darauf folgende Unsicherheiten an den Anleihenmärkten führten auch zu kurzfristiger Nervosität an den Aktienmärkten. Diese tendenziellen Zinsängste sind besonders für stark fremdfinanzierte Unternehmen unangenehm, auf der anderen Seite wiederum eine Zinshoffnung für alle Finanzinstitute (Banken und Versicherungen), die ja hauptsächlich von Zins- und ­Kapitalerträgen leben.

Banken und Versicherungen weiter im Aufwind

Besonderen Aufwind erleben deshalb an den Börsen die Bankentitel. Zum einen wurde die Bankenkrise in Italien durch staatliche Zuschüsse gelöst, in den USA verliefen die Banken-Stresstests sehr positiv und nicht zuletzt steigen bereits seit Mitte 2016 die langfristigen Zinsen. So kletterten sie in ­Österreich im Zehn-Jahres-Bereich von 0,05 auf 0,5 Prozent. Zudem wurden von den Banken notleidende Kredite weitgehend abgebaut, womit die Rückstellungen dafür gewinnerhöhend verringert werden. Auch in Deutschland kletterte parallel zu den Zinsen z.B. der Aktienkurs der Commerzbank von sechs Euro auf derzeit 11,20 Euro. Am Beispiel der Raiffeisen Bank International (siehe auch Kasten rechte Seite) ist die Verbesserung der Ertragslage deutlich zu sehen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter zehn und ein Börsenkurs, der trotz des kräftigen Kursanstieges noch immer um 35 Prozent unter dem Buchwert liegt, sind keine Zutaten nachgebender Börsenkurse. Etwas teurer sind bereits die Aktien der Erste Group Bank, die auf ein heuer erwartetes KGV von 12,6 kommen - dafür liegt die Dividendenrendite mit erwarteten 3,16 Prozent bei ihr höher, bei der RBI voraussichtlich mit 2,23 Prozent tiefer.

Erwartungsgemäß gut entwickelten sich auch die Aktienkurse der beiden Versicherer Uniqa und Vienna Insurance Group (VIG). Beide legten in den letzten zwölf Monaten um rund 60 Prozent zu. Und das ist voraussichtlich noch nicht das Ende der Fahnenstange. Die VIG zeigte z.B. auch im ersten Quartal Stärke. Sie konnte die Prämien um 0,5 Prozent auf 2,72 Milliarden Euro steigern und den Vorsteuergewinn um 22,4 Prozent auf 110 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wird ein Nettogewinn von etwa 275 Millionen Euro erwartet, was einer Rendite auf das Aktienkapital von 8,5 Prozent entspricht. Die Dividende wird wieder bei rund 3,5 Prozent liegen (gemessen am derzeitigen Aktienkurs von 26 Euro).

Gute Wirtschaftslage unterstützt Industrieunternehmen

Es gibt in Österreich eine große Anzahl von international ausgerichteten Unternehmen, die zuletzt von der guten Weltkonjunktur profitieren. Angefangen bei Lenzing und Andritz über Rosenbauer, AMAG, FACC usw. Das sind genau jene Unternehmen, die in den vergangenen zwölf Monaten die größten Kurssteigerungen erlebt haben, die aber gleichzeitig von sukzessiven Anhebungen der Gewinnaussichten untermauert waren. Am Beispiel Lenzing: Mitte vergangenen Jahres lagen die Gewinnschätzungen für das Jahr 2017 bei rund 160 Millionen Euro. Mittlerweile werden für heuer knapp 270 Millionen Euro Nettogewinn erwartet. Dieser Anstieg der Gewinnerwartung um immerhin knapp 70 Prozent führte an der Börse in den vergangenen zwölf Monaten zu einem Kurs­anstieg von rund 85 Prozent. Damit stieg das für heuer zu erwartetende KGV nur marginal auf 15,3. Das ist noch immer nicht teuer.

Immobilien-Aktien bleiben noch eine Zeit lange en Vogue

Eine Unterbewertung um rund 30 Prozent wurde unlängst der BUWOG von Seiten der HSBC attestiert und 34 Euro als Kursziel. Der letzte Schlusskurs lag bei knapp über 25 Euro. Empfohlen werden von Analysten nach wie vor auch CA Immo und S Immo. Einen kurzfristig positiven Kurseffekt erwarten wir bei der Immofinanz, wenn der Verkauf des Russland-Portfolios fixiert sein wird. Vor allem dann, wenn der Verkaufspreis zumindest in der Höhe des Buchwertes liegen wird und damit keine weiteren Abwertungen notwendig werden. Bei der Immofinanz-Aktie liegen übrigens die ausgewiesenen Shortpositionen bei drei Prozent des Nominales (v.a. Och-Ziff Management). Das ist zwar nicht übermäßig viel, könnte aber durch eine möglicherweise notwendig werdende Rückdeckung zu einem raschen Kursanstieg führen

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