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Dow Jones

20.01.2017 05:48:42

Nach Rally

Nach der Trump-Party: Die Euphorie an der Börse schwindet


Designierter US-Präsident: Donald Trump

Seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten schlagen die Kapitalmärkte Kapriolen - allerdings anders als vielfach vorhergesagt.

Ausgerechnet der im Wahlkampf bei Anlegern als Börsenschreck verschriene Republikaner löste mit der Hoffnung auf Konjunkturspritzen und Steuersenkungen zunächst eine fulminante Rally am Aktienmarkt aus. Statt sich in sichere Häfen zu flüchten, setzten die Anleger auf Risiko. Im Gegenzug gerieten als sicher geltende Werte wie Staatsanleihen und Gold unter Druck. Doch jetzt dreht sich der Wind an den Finanzmärkten.

Die alles entscheidende Frage lautet nun: Schafft Trump es wirklich, den hohen Erwartungen gerecht zu werden? Eigentlich waren sich Experten vor der US-Wahl einig: Wenn Trump gewinnt, werden die Aktienkurse an den Börsen in den Keller rauschen. Doch es passierte das Gegenteil. Die Kurse schossen in die Höhe, es kam zu einer "Trump-Rally". Der US-Leitindex Dow Jones Industrial (Dow Jones 30 Industrial) schnellte innerhalb gut eines Monats um rund 2000 Punkte nach oben.

Der Grund: Trump hatte zwar im Wahlkampf angekündigt, die US-Wirtschaft abzuschotten. Doch in seiner Dankesrede nach der Wahl fand er zunächst versöhnliche Worte; zudem kündigte er an, die "Infrastruktur wieder aufzubauen". Die Anleger hofften auf ein milliardenschweres Konjunkturprogramm, eine Deregulierung des Finanzsektors und Steuersenkungen - sie feierten eine regelrechte Trump-Party.

Doch die ist inzwischen vorbei. Seit Mitte Dezember kratzt der Dow immer wieder an der bisher noch nie erreichten Marke von 20 000 Punkten, aber er kommt nicht mehr voran. Den Anlegern ist suspekt, dass sich Trump mit detaillierteren Aussagen zu den angekündigten Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen bedeckt hält. Die Investoren wollten sich wohl erst noch davon überzeugen lassen, dass Trump es tatsächlich ernst meint mit dem Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik, schrieb Analyst Patrick Harms von der HSH Nordbank.

Auch bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl verlor Trump kein Wort mehr darüber. Stattdessen zeigte er sich wieder ganz im Wahlkampfmodus, fuhr Journalisten harsch an, bezeichnete den Fernsehsender CNN als "Fake News", wetterte gegen die Macht der Pharmakonzerne und sorgte damit für einen Kursrutsch in der Branche. Es wurde allen klar: Die "Trump-Rally" basierte vor allem auf Glaube und Hoffnung.

Wie sehr sich die Stimmung der Anleger inzwischen gedreht hat, lässt sich auch an den Kursen von Staatsanleihen ablesen. Die Rendite zehnjähriger US-Papiere kletterte nach der Wahl bis Mitte Dezember zunächst um 0,8 Prozentpunkte bis auf 2,6 Prozent - den höchsten Stand seit 2014. Eine höhere Rendite bedeutet eine geringere Nachfrage. Wenn der Staat Schulden aufnehmen will, muss er den Anlegern höhere Zinsen bieten. Angesichts der Risiko-Jagd an den Börsen ließen die Anleger die als sicher geltenden Staatspapiere zunächst links liegen - und entdecken sie jetzt wieder. Seit Mitte Dezember fallen die Renditen wieder.

Das liegt auch daran, dass die Erwartungen schneller und deutlicher Leitzinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed zuletzt wieder gedämpft worden sind. Nach der Wahl hatten Anleger zunächst mit einer stark steigenden Inflation gerechnet und daher mit einer strafferen Geldpolitik. Doch die Notenbanker betonten zuletzt auch Risiken. "Vielleicht muss man sich Sorgen darüber machen, dass das vergiftete politische Umfeld weiter bestehen bleibt", sagte kürzlich Dennis Lockhart, einer der führenden US-Währungshüter.

Derartige Worte lassen auch die Anleger nicht kalt. Und die Flucht in sichere Häfen hat nicht nur Auswirkungen auf die Kurse von Aktien und Staatspapieren, sondern sie zeigt sich auch am Devisenmarkt. Die als besonders sicher geltenden Währungen Schweizer Franken und japanischer Yen gleichen seit Mitte Dezember einen großen Teil ihrer Verluste seit den US-Wahlen wieder aus. Der Druck auf als riskant geltende Währungen von Schwellenländern erhöhte sich dagegen.

Und auch Gold - für viele nach wie vor der Inbegriff einer sicheren Anlage - verteuert sich wieder. Der Preis für eine Feinunze (circa 31,1 Gramm) kletterte seit Dezember um fast 100 auf über 1200 Dollar, nachdem die Trump-Rallye ihn zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Februar 2016 gedrückt hatte. Angesichts zu hoher Erwartungen an die Fiskalpolitik Trumps und absehbarer außen- und handelspolitischer Störfeuer sieht Eugen Keller, Experte beim Bankhaus Metzler, daher dieses Jahr "für Gold einige 'glänzende' Momente" voraus.

FRANKFURT (dpa-AFX) -

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Bildquelle: Jae C. Hong/AP

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