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21.04.2017 12:54:00

Stichwort - Chinas neue Seidenstraße


Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hat zur chinesischen Investitionsoffensive eine Studie verfasst. Die Motive Chinas für eine Wiederbelebung der historischen Seidenstraßen seien vielseitig und sowohl von handels- als auch geopolitischer Bedeutung, heißt es in der Analyse von Julia Grübler und Robert Stehrer.

Im Jahr 2013 präsentierte der chinesische Präsident Xi Jinping zum ersten Mal seine Vision einer tiefergehenden Kooperation zwischen den Ländern entlang der bereits in der Antike existierenden Handelswege, bekannt als "Seidenstraße". De facto handelt es sich hierbei um mehrere Seidenstraßen, die China sowohl über Land als auch per Seeweg über Zentralasien mit Indien und Europa verbanden.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren diese Wege von einem regen kommerziellen und kulturellen Austausch geprägt. Erst mit der über Jahrzehnte andauernden russischen kolonialen Expansion nach Zentralasien - vorwiegend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - schwand ihre Bedeutung als West-Ost-Verbindung. Die Vision des chinesischen Präsidenten ist die Wiederbelebung dieser Handelsnetzwerke im Zuge der "One Belt, One Road"-Initiative, die später in "Belt and Road Initiative" (BRI) umbenannt wurde.

Dieses Projekt ist offen gestaltet und erlaubt allen Ländern entlang der Seidenstraße der Initiative zu folgen. Das Programm wird von Handelsabkommen mit den betroffenen Partnerstaaten sowie einer diplomatischen Offensive begleitet.

Zu den ersten konkreten Schritten für die Umsetzung der BRI gehörte die Gründung der "Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank" (AIIB), die seit 16. Jänner 2016 tätig ist und auf Infrastrukturinvestitionen im asiatischpazifischen Raum abzielt. Österreich zählt zu den 57 unterzeichnenden Parteien. Diese setzen sich aus 37 regionalen und 20 nicht-regionalen Staaten zusammen, darunter 14 EU-Mitgliedstaaten. Zusammen mit neun weiteren AIIB-Mitgliedern bildet Österreich im Direktorium eine Stimmrechtsgruppe. Mit einem Zeichnungskapital von 500,8 Millionen US-Dollar stellt Österreich 0,56 Prozent des Kapitals zur Verfügung und hält ein Stimmgewicht von 0,79 Prozent (AIIB, 2016). Von den 500 Mio. Dollar muss Österreich 100 Mio. Dollar einbezahlen. Das Programm wird von Handelsabkommen mit den betroffenen Partnerstaaten sowie einer diplomatischen Offensive begleitet.

Durch die chinesische Übernahme des größten griechischen Hafen in Piräus im Juli 2016 liegt aktuell der geografische Fokus chinesischer Infrastrukturinvestitionen in Südosteuropa und insbesondere am Westbalkan. Verträge oder Absichtserklärungen bekannte Projekte belaufen sich für diese Region auf über 10 Milliarden Euro.

Kurzfristig könnten sich für Österreich Potenziale durch die für Infrastrukturprojekte gefragte heimische Expertise z.B. im Tunnelbau oder in der Forschung, sowie über bestehende Handelsverflechtungen mit Zentral- und Osteuropa ergeben, heißt es in der WIIW-Studie. Aktuelle, durch China finanzierte Projekte im Westbalkan könnten demnach das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,03 Prozent erhöhen. Mittelfristig könnte auch die Erhöhung des Einkommens in den Westbalkanstaaten die Nachfrage nach österreichischen Produkten steigern. Zudem verkürzen die anvisierten Infrastrukturprojekte Transportzeiten entlang der Seidenstraßen. Österreich könnte diese Entwicklungen nutzen, um Exporte nach Asien zu erhöhen.

(Schluss) gru/cri

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