JPMorgan-Chef rechnet mit US-Zinsen in Höhe von 4 Prozent - so profitieren Anleger

Die Prognose des JPMorgan Chase-CEOs dürfte selbst für institutionelle Investoren ein wahrer Schock gewesen sein. Nach der Meinung von Dimon könnte das gesunde Wachstum der US-Wirtschaft und die schnelle Entwicklung der Inflation die US-Notenbank dazu verleiten, noch mehr Zinsanhebungen durchzuführen, als gegenwärtig im Markt eingepreist sind.

4 Prozent sind noch im Rahmen

In einem Interview mit Stephen Engel von Bloomberg Television in Peking erklärte Dimon, dass die US-Notenbank durchaus noch mehr Zinsschritte vollziehen könnte. "Es könnte die 10-Jährigen nach oben treiben", so der JPMorgan-CEO weiter. In Bezug auf das zukünftige Zinsniveau sage Dimon: "Sie können leicht mit 4 Prozent Anleihen umgehen und ich denke, dass die Leute darauf vorbereitet sein sollten." Solange die Zinsen steigen, weil die US-Wirtschaft gesund wächst, würde ein solcher Schritt zu einer "Normalisierung" führen, so der Manager.

Abkehr vom QE ist Neuland für die Notenbanker

Etwas besorgt blickt Dimon jedoch auf den Ausstieg aus dem QE-Programm (Quantitative Lockerung) der Zentralbank. Durch die Kürzungen bei Anleihekäufen "könnte es mehr Volatilität und höhere Zinsen auf eine Art und Weise geben, die wir nicht vollständig verstehen", so der CEO. Solche demütigen Anmerkungen bringen auch Investoren in Alarmbereitschaft. Jedoch ist klar, dass die Zentralbanken mit einem Ende des QE-Programms Neuland betreten müssen. "Wir hatten noch nie QE und wir hatten auch noch nie eine Umkehr davon", sagte Dimon im Interview. Auch in Europa wird man sich früher oder später fragen müssen, wie ein kapitalmarktverträglicher Exit aus dem Programm der Quantitativen Lockerung aussehen soll.

Schuldenkönig Trump

Auch wenn die Fed ihre aufgeblasene Bilanz langsam verkleinern will, ändert dies nichts an dem enormen Verschuldungsgrad der Vereinigten Staaten. Dimon meint, dass die US-Regierung unter Donald Trump ihre Kreditaufnahme massiv erhöht und bis Ende des Jahres "400 Milliarden Dollar pro Quartal finanzieren müssen - das ist eine gewaltige Veränderung gegenüber der Vergangenheit." Schon im Jahr 2016 kündigte Donald Trump an, der "König der Schulden" zu sein. "Niemand kennt Schulden besser als ich. Ich habe mit Schulden ein Vermögen gemacht", so der heutige US-Präsident.

Powell spricht von "Normalisierung"

Notenbankchef Jerome Powell will nun jedoch noch keine Panik auslösen und sagte in diesen Zusammenhang, dass die Federal Reserve lediglich "die Normalisierung der Geldpolitik" vorantreibe. Auf welches Niveau diese "Normalisierung" die 10-jährigen US-Treasuries langfristig treiben wird, ist gegenwärtig jedoch noch unklar. Die meisten Experten erwarten jedenfalls, dass die Fed ihren nächsten Zinsschritt während ihrer Sitzung Mitte Juni bekanntgeben wird. Dann sollen die Leitzinsen voraussichtlich auf 1,75 bis 2 Prozent steigen.

PIMCO CIO sieht keinen Grund zur Sorge

Im Gegensatz zu Jamie Dimon spekulieren viele seiner Kollegen auf einen etwas moderateren Zinsanstieg. Milliardär und Bond-Investor Bill Gross sagte in einem Interview vom 3. Mai, dass er die Rendite für 10-jährige US-Staatspapiere für den Rest des Jahres zwischen 2,8 und 3,15 Prozent sieht. Auch Dan Ivascyn, der Chief Investment Officer von PIMCO, geht davon aus, dass es noch "verfrüht sei, einen Bärenmarkt zu deklarieren." Renditen oberhalb der drei Prozent sieht Ivascyn somit als ordentliche Kaufgelegenheit.

Der Bondmarkt wird langsam wieder attraktiv

Private Investoren, die sich Sorgen um die eventuell schnell steigenden US-Zinsen machen, könnten dem Rat des PIMCO-CIOs folgen und nach lohnenswerten US-Tresuries Ausschau halten. Für ein solches Investment eignen sich natürlich auch ETFs, da diese über verschiedene Laufzeiten diversifiziert sind und nicht erst ab einer Stückelung von 1.000 erwerbbar sind. Hierbei tragen Investoren jedoch ein Zinsänderungsrisiko, welches im gegenwärtigen Umfeld keinesfalls vernachlässigt werden darf. Denn steigen die Marktzinsen in den USA in einem noch höheren Ausmaß als gegenwärtig eingepreist, fallen natürlich auch die Kurse der schon emittierten Bonds. Für schon investierte Anleger kann des Weiteren auch ein steigender Euro zum Problem werden. Bei einer aktuellen Dividendenrendite von 1,84 Prozent im S&P 500 sind die Triple-A-Papiere aus den Vereinigten Staaten inzwischen eine lohnende Alternative.

Pierre Bonnet / finanzen.net

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