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14.09.2017 10:19:05

Kolumne
Detlef Rettinger (Devisen-Trader)

Die schleichende Verunsicherung drückt den US-Dollar


Eine der wichtigsten Meldungen der letzten Tage: Stanley Fischer hat am 6. September überraschend seinen Rücktritt erklärt.

Seine Amtszeit als Vize-Chef der US-Notenbank Fed wäre noch bis Mitte 2018 gelaufen, die Mitgliedschaft im Zentralbankrat hätte Anfang 2020 geendet. Wer in den letzten Jahrzehnten Volkswirtschaft studiert hat und ihn nicht kennt, der hat etwas falsch gemacht. Auch mein Verständnis von Ökonomie wurde durch sein Standardwerk zur Makroökonomie, das er zusammen mit dem Deutschen Rüdiger Dornbusch verfasste, geprägt.

Eine Stimme der Vernunft geht

Aber Lehrbücher waren für ihn nur der Anfang. Im Laufe seiner langen Karriere war er unter anderem Chefvolkswirt der Weltbank, hat als Chef des International Währungsfonds WF wesentlich dazu beigetragen, die Asienkrise von 1998 zu überwinden und war Notenbankchef in Israel. Fischer war alles andere als ein Theoretiker und auch seine Lehrbücher waren geprägt von Ausgewogenheit und frei von Ideologie, ganz anders als bei den nicht selten zu Recht kritisierten Neo-Liberalen. Kurz: Mit Fischer verlässt eine Stimme der Vernunft die US-Notenbank. Das hat durchaus etwas Symbolisches in einer Zeit, in der Wissenschaft, Erfahrung und Fakten immer weniger zählen.

Deregulierung "extrem gefährlich und extrem kurzsichtig"

Fischer hat persönliche Gründe für den Rücktritt angeführt, und das scheint angesichts seiner 73 Jahre auch nicht ganz unglaubwürdig. Brisant wird es aber dadurch, dass er sich offen gegen die Pläne der Trump-Regierung stellt, die Bankenregulierung der letzten Jahre wieder zurückzufahren: Er finde das "wirklich extrem gefährlich und extrem kurzsichtig." Deutlicher kann man nicht werden. Die negativen Folgen einer neuen Deregulierung der Finanzmärkte und der Banken werden sich aber erst langfristig zeigen, kurzfristig erhöht der Rücktritt vor allem die Verunsicherung in Bezug auf den weiteren Kurs der US-Notenbank. Denn vor Fischers Rücktritt waren bereits drei von sieben Vorstandsposten unbesetzt. Und Janet Yellens Amtszeit als Chefin endet im Februar 2018.

Die Neubesetzung ist für Trump nicht einfach, denn er will keine Hardliner, die mit Zinserhöhungen seine Wachstumspolitik torpedieren. Die zunehmende Unsicherheit über den zukünftigen Kurs der Geldpolitik ist sicher auch ein Grund für die aktuelle Schwäche des US-Dollars. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich daran kurzfristig etwas ändert.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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