Keine Dividende geplant 09.03.2022 17:58:00

Addiko Bank-Aktie legt letztlich zu: 2021 mehr Gewinn - Sberbank-Kunden im Visier

Addiko Bank-Aktie legt letztlich zu: 2021 mehr Gewinn - Sberbank-Kunden im Visier

Unterm Strich standen 13,6 Mio. Euro, nach 1,4 Mio. Euro im Vorjahr, teilte die Addiko Bank am Mittwoch mit. Die Kreditrisikokosten gingen von 48,4 Mio. Euro auf 13,2 Mio. Euro zurück. Wegen eines neuen Gesetzes in Slowenien zu Frankenkrediten werde die Bank heuer allerdings keine Dividende ausschütten.

"Unser Geschäft mit Konsumenten und SMEs (KMU) entwickelte sich gut und konnte von unserem Transformationsprogramm und einer Steigerung bei der Neukreditvergabe an Konsumenten sowie Kleinst- und Kleinunternehmen profitieren.", so Bankchef Herbert Juranek laut Aussendung. Das Wachstum in den Kernbereichen Konsumenten und KMU belief sich auf 4 Prozent, ohne die mittelgroßen Unternehmen im KMU-Segment lag es bei 9,5 Prozent.

Gesamt gingen die Bruttokundenforderungen (performing loans) allerdings von 3,6 Mrd. Euro auf 3,28 Mrd. Euro zurück. Grund sei der Abbau in den Nicht-Fokusbereichen und die Reduktion der ertragsschwachen mittelgroßen KMU-Volumina gewesen. Die Quote der notleidenden Assets (non-performing exposure/NPE) ging von 3,5 Prozent auf 2,9 Prozent zurück. Aufgrund der Reduktion der risikogewichteten Aktiva stieg zudem die harte Kernkapitalquote (CET1) von 20,3 Prozent auf 22,2 Prozent an.

Operativ fiel das Nettozinsergebnis um 2,9 Prozent auf 169,5 Mio. Euro, das Provisionsergebnis stieg dagegen um 11,7 Prozent auf 66,8 Mio. Euro. Wegen Einmalkosten und der Bildung von Bonusrückstellungen wuchsen die Betriebsaufwendungen um 0,8 Prozent auf 171,1 Mio. Euro. Die Kostenquote (Cost-Income-Ratio) blieb unverändert bei 72,4 Prozent.

Im heurigen Jahr könnte ein neues Gesetz in Slowenien zum Umgang mit Frankenkrediten die Bankergebnisse belasten. Das Gesetz verpflichtet Kreditgeber zur rückwirkenden Einführung einer Wechselkursobergrenze für alle solchen Vereinbarungen für Franken-Kredite, die zwischen Juni 2004 und Ende 2010 abgeschlossen wurden. Die Addiko Bank hat bereits Beschwerde beim Verfassungsgericht gegen das Gesetz eingereicht.

Im worst-case kommen dadurch auf die Bank Kosten von 100 bis 110 Mio. Euro zu. Vor diesem Hintergrund wird für heuer keine Dividende ausgeschüttet. Auch für 2022 ist eine Ausschüttung nicht fix, sondern werde "von der weiteren Entwicklung abhängig" sein, so die Bank. Im Vorjahr schüttete die Bank noch in zwei Tranchen insgesamt 2,39 Euro je Aktie aus.

Das direkte Exposure der Bank für die Ukraine, Russland und Weißrussland belaufe sich auf unter 10.000 Euro. Indirekt belaufe sich das Exposure auf bis zu 13 Mio. Euro, mögliche Auswirkungen auf die Bank werden derzeit geprüft.

Für 2022 peilt die Bank ein Volumen bei den Bruttokundenforderungen von 3,3 Mrd. Euro und ein Wachstum in den Fokusbereichen von über 10 Prozent an. Zudem sollen die Betriebsaufwendungen auf unter 165 Mio. Euro sinken. Die Addiko Bank ist 2015 aus den Hypo-Alpe-Adria-Südosteuropabanken hervorgegangen und notiert seit 2019 an der Wiener Börse.

Addiko Bank will in ihren Kernmärkten Sberbank-Kunden gewinnen

Die Addiko Bank will von dem Rückzug der Sberbank in Europa profitieren und neue Kunden gewinnen. Bank-CEO Herbert Juranek hofft vor diesem Hintergrund für heuer auf ein Kundenwachstum um bis zu 40.000 in den Kernmärkten der Bank. Ärger hat das Institut dagegen in Slowenien, wo kürzlich ein neues Gesetz zum Umgang mit Franken-Krediten erlassen wurde. Die Dividende für 2021 musste deswegen gestrichen werden.

Die Addiko Bank mit Sitz in Wien ist 2015 aus den Hypo-Alpe-Adria-Südosteuropabanken hervorgegangen und notiert seit 2019 an der Wiener Börse. Das Institut ist über ihre Töchter-Banken in Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro tätig.

Die Übernahme der Sberbank-Töchter in Slowenien und Kroatien durch jeweils staatsnahe Institute sei ungewöhnlich schnell passiert, sagte Juranek am Mittwoch im Gespräch mit der APA. In Bosnien sei man zwar gefragt worden, ob bei der Addiko Bank Interesse an einer Übernahme bestehe, gleichzeitig sei aber bereits ein Deal mit der dortigen Nova Banka ausgehandelt worden, so Juranek. Die Frage sei daher wohl eher symbolischer Natur gewesen. Nachtragend will Juranek deswegen aber nicht sein: "Wir können die Kunden sowieso einfacher auf organischer Ebene gewinnen", sagte der Bankchef.

Die Bank befindet sich derzeit in einem Transformationsprozess, in dem sie sich stärker auf Privatkunden und Kleinbetriebe spezialisieren will. Im Zuge dessen hat sie sich mit neuen Produkten positioniert und sieht sich als attraktive Alternative für die ehemaligen Sberbank-Kunden. Im heurigen Jahr peilt Juranek einen Kundenzulauf von insgesamt rund 40.000 Personen an.

In Österreich muss die Addiko indessen für die gesicherten Einlagen der Sberbank Europe für Österreich und Deutschland anteilsmäßig geradestehen. Die Einlagensicherung (ESA) wird im Zuge dessen von den Banken höhere Beiträge verlangen müssen. Die Addiko Bank zahlt aktuell 410.000 Euro in die ESA ein. Juranek rechnet damit, dass der Betrag in den nächsten drei Jahren auf bis zu 600.000 Euro pro Jahr ansteigen könnte - das sei aber die worst-case-Annahme, so der Bankchef. Er rechnet damit, dass es aus den Assets der Sberbank wieder Rückflüsse an die Einlagensicherung geben werde.

Einen worst-case hat die Bank auch für Slowenien berechnet, wo vor Kurzem ein neues Gesetz zu alten Frankenkrediten beschlossen wurde. Das Gesetz verpflichtet Kreditgeber zur rückwirkenden Einführung einer Wechselkursobergrenze von 10 Prozent für alle solchen Vereinbarungen für Franken-Kredite, die zwischen Juni 2004 und Ende 2010 abgeschlossen wurden. Im schlimmsten Fall kommen dadurch auf die Bank Kosten von 100 bis 110 Mio. Euro zu. Sollten diese schlagend werden, würde das zu einem Nettoverlust im Geschäftsjahr 2022 führen, hieß es bereits im Februar von der Bank.

Das Gesetz sei operativ nicht umsetzbar und verstoße gegen die slowenische Verfassung sowie gegen EU-Recht - darüber seien sich die Anwälte der Bank einig und auch von der slowenischen Notenbank habe es Signale gegeben, dass das Gesetz nicht exekutierbar sei, sagte Juranek. Die Bank habe deswegen - wie auch mehrere slowenische Banken - Beschwerde beim Verfassungsgericht eingereicht.

"Wir rechnen damit dass es eine einstweilige Verfügung gibt", sagte der Bankchef. Er geht davon aus, dass diese "relativ bald" kommt. Danach müsse es eine Klärung geben, wie lange das dauern könnte sei aber unklar. Auch beim Schiedsgericht der Weltbankgruppe hat die Addiko Bank Klage gegen Slowenien wegen Verletzung des bilateralen Investitionsschutzabkommens eingereicht.

Bereits jetzt wurde wegen des Gesetzes jedenfalls die Dividende für das Geschäftsjahr 2021 gestrichen. Auch für 2022 ist eine Ausschüttung nicht fix, sondern werde "von der weiteren Entwicklung abhängig" sein, so die Bank. Im Vorjahr schüttete die Bank noch in zwei Tranchen insgesamt 2,39 Euro je Aktie aus. Von der Kapitalisierung her sei eine Ausschüttung aber kein Problem. Die harte Kernkapitalquote (CET1) stieg 2021 von 20,3 Prozent auf 22,2 Prozent an.

Vom Ukraine-Krieg sei die Bank "im ersten Schritt kaum betroffen", sagte Juranek. Das direkte Exposure der Bank für die Ukraine, Russland und Weißrussland belaufe sich auf unter 10.000 Euro, da alle Kreditlinien zu direkt betroffenen Banken frühzeitig gekappt worden seien. Indirekt - also unter Einbezug von Kundenbeziehungen in die betroffenen Länder - komme man auf ein Exposure von bis zu 13 Mio. Euro, mögliche Auswirkungen auf die Bank würden derzeit überprüft. Wie sich die Lage langfristig entwickle, sei aber noch nicht abschätzbar.

Das Thema Pandemie rückt im Zuge der aktuellen Probleme zunehmend an den Rand. Die Bevölkerung habe sich auf Corona mittlerweile eingestellt, so Juranek. Das Exposure bei den Moratorien sei stark zurückgegangen und bereite ihm kein Kopfzerbrechen mehr. "Wenn sich die Coronalage weiterentwickelt wie im Vorjahr, dann ist der Einfluss auf das Geschäftsmodell sehr begrenzt", sagte der Bankchef.

Generell blickt Juranek positiv ins neue Jahr. Das neue Geschäftsmodell sei richtig und eröffne dem Institut weitere Wachstumschancen. Mittelfristig sei auch denkbar, dass neue Märkte erschlossen werden, so Juranek. Wohin genau die Addiko expandieren könnte, sei aber noch offen.

Bei den Bruttokundenforderungen peilt das Institut heuer ein Volumen von 3,3 Mrd. Euro und ein Wachstum in den Fokusbereichen von über 10 Prozent an. Im Vorjahr gingen die Bruttokundenforderungen (performing loans) allerdings von 3,6 Mrd. Euro auf 3,28 Mrd. Euro zurück. Grund war der Abbau in den Nicht-Fokusbereichen und die Reduktion der ertragsschwachen mittelgroßen KMU-Volumina.

In den Kernbereichen der Bank - Konsumenten und KMU - sei das Neugeschäft aber gut gelaufen. Das Wachstum in den Segmenten belief sich auf 4 Prozent, ohne die mittelgroßen Unternehmen im KMU-Segment lag es bei 9,5 Prozent. Im Zuge dessen stieg der Gewinn der Bank auf 13,6 Mio. Euro an, nach 1,4 Mio. Euro im Vorjahr.

Die Addiko Bank-Aktie stieg in Wien deutlich um 3,72 Prozent auf einen Schlussstand von 11,15 Euro.

bel/sp

APA

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