10.11.2014 11:28:00

Agrarier hoffen auf Bestbieterprinzip statt Billigstbieterprinzip

Nach Bauwirtschaft und öffentlichen Unternehmen wie ÖBB und Asfinag verlangt nun auch die Landwirtschaft, dass "Bestbieter" Aufträge erhalten und nicht "Billigstbieter". Man sollte Kriterien wie kurze Transportwege oder nachhaltige Produktion wesentlich stärker berücksichtigen, wenn die öffentliche Hand Lebensmittel einkauft, etwa für Kantinen, forderte LWK-Präsident Hermann Schultes am Montag.

In der gemeinsamen Pressekonferenz mit Bauernbund-Obmann Jakob Auer wird auch die Stoßrichtung klar: Mehr österreichische Produkte sollen eingekauft werden. Zehn Prozent mehr Inlandsnachfrage würde 10.000 neue Jobs bringen, rechnete Auer vor. Immerhin werden täglich etwa 2,2 bis 2,5 Mio. Portionen Essen in Kantinen ausgegeben, von Behörden über Spitäler und Altersheime bis hin zu Werksküchen großer Firmen. Für Gemeinschaftsverpflegung werden jährlich 1,2 bis 1,5 Mrd. Euro ausgegeben, ein Drittel des gesamten Einkaufsvolumens der Gastronomie für Lebensmittel (knapp 5 Mrd. Euro). 20.000 Arbeitsplätze hängen an den Gemeinschaftsverpflegern.

Schultes und Auer setzen auf die neue Vergaberichtlinie der EU, die für Qualitätskriterien mehr Spielraum lässt. Allerdings können Ausschreibungen auch jetzt schon so gestaltet werden, dass teurere Qualitätsangebote zum Zuge kommen. Im Innenministerium etwa kocht die SV-Gruppe auf, obwohl sie auf teurere und bessere Produkte setzt. Aber bei der Ausschreibung seien die geforderten Warengruppen so genau spezifiziert worden, dass es sich dann doch "ganz knapp ausgegangen" sei, erläuterte Andreas Kabela, Geschäftsführer der SV-Österreich, die sich auf Catering mit nachhaltigen Lebensmitteln spezialisiert hat.

Die Mehrkosten bei einem Einkauf regionaler und nachhaltig erzeugter Produkte belaufen sich auf 10 bis 15 Prozent, rechnete Kabela vor. Der Wareneinsatz sei um etwa zehn Prozent teurer, beim Personal schlage sich die Qualität mit bis zu 15 Prozent Mehrkosten nieder. Für den einzelnen Kunden sei dies kaum spürbar. Denn in der Regel werde Werksessen ohnehin zur Hälfte gestützt, dann koste die Verpflegung nur um 20 bis 25 Cent pro Tag mehr. SV Österreich hat 2013 6,3 Mio. Hauptmahlzeiten verkauft und dabei mit knapp 600 Mitarbeitern 35,8 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Das Unternehmen gehört zur Schweizer SV Group, die insgesamt in der Schweiz, Deutschland und Österreich 530 Mio. Euro Umsatz gemacht hat.

(Schluss) tsk/kan

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