Paket zusammengestellt 12.08.2019 22:37:00

ams schlägt OSRAM neues Übernahmeangebot vor - OSRAM-Aktie schießt zweistellig hoch, ams-Papiere im Sinkflug

ams schlägt OSRAM neues Übernahmeangebot vor - OSRAM-Aktie schießt zweistellig hoch, ams-Papiere im Sinkflug

Der Lichttechnikkonzern OSRAM stellt aber Bedingungen dafür, dass es zu einem Zusammenschluss mit dem Sensorhersteller ams kommt.

Neben dem Angebotspreis und dem Finanzierungskonzept von ams benötige OSRAM auch ein stabiles Umfeld für die weitere Transformation zu einem halbleiterbasierten Hightech-Photonik-Unternehmen, teilte OSRAM mit. Zudem seien Schutzzusagen insbesondere für die Mitarbeiter des Unternehmens relevant. Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen sei Voraussetzung für die Aufhebung des bislang bestehenden Stillhalteabkommens zwischen OSRAM und ams.

ams hatte am Sonntagabend angekündigt, 38,50 Euro je OSRAM -Aktie zu bieten und damit 10 Prozent mehr als das Konsortium der beiden Finanzinvestoren Bain und Carlyle. Der österreichische Sensorchip-Hersteller ist darauf angewiesen, dass die OSRAM-Führung das Stillhalteabkommen aufkündigt, das er im Gegenzug für eine Prüfung der Bücher eingegangen ist. Tut der Vorstand das nicht, kann ams in den nächsten zwölf Monaten kein Übernahmeangebot vorlegen.

ams setzt aber wohl darauf, dass der Druck von Investorenseite zu groß werden könnte, wenn der Vorstand sich einem besseren Angebot verweigern würde. Gleichwohl ist offen, ob ams damit wirklich zum Zuge käme: Einige Finanzinvestoren sind nämlich im Vergleich zum Angebotspreis mit deutlich höheren Einstandspreisen bei OSRAM engagiert - für sie dürfte auch die ams-Offerte nicht attraktiv sein.

Der Vermögensverwalter Allianz Global Investors, mit etwa 10 Prozent größter Einzelaktionär bei OSRAM, hatte vergangene Woche schon deutlich gemacht, dass Bain und Carlyle seine Anteile zu dem Preis nicht bekommen würden. Per Freitagabend lag die Annahmequote für die 35-Euro-Offerte bei 2,46 Prozent, wie einer aktuellen Wasserstandsmeldung der Bieter zu entnehmen ist. Damit die Übernahme zustande käme, müsste die Quote bis zum 5. September noch auf 70 Prozent steigen.

ams hat zur Finanzierung der OSRAM-Übernahme eine Dokumentation über eine Brückenfinanzierung über 4,2 Milliarden Euro durch HSBC und UBS vorgelegt. Ein Teil dieser Brückenfinanzierung soll später über eine Kapitalerhöhung bei ams refinanziert werden. Dafür liegt eine 1,5 Milliarden Euro schwere Zusage der beiden Investmentbanken vor. OSRAM erscheint dieses Finanzierungskonzept verbindlich und tragfähig, wie das Unternehmen nun mitteilte.

So reagieren die Aktien

Nach dem Kursrutsch zum Ende der Vorwoche sind die Aktien von OSRAM am Montag nach einer Übernahmeofferte durch ams wieder zum der Begierde geworden. Der Kurs sprang im Xetra-Geschäft um 10,43 Prozent auf 34,95 Euro an.

Bis zum ams-Gebot von 38,50 Euro haben die Papiere von OSRAM selbst nach dem starken Kursanstieg noch immer Aufwärtspotenzial. Analyst Christian Sandherr von der Bank Hauck & Aufhäuser vermutet, dass die Übernahme noch nicht in trockenen Tüchern ist. Denn große OSRAM-Aktionäre wie Allianz Global Investors und der Vermögensverwalter DWS seien seinerzeit wohl zu deutlich höheren Kursen bei OSRAM eingestiegen. Sie könnten folglich einen höheren Übernahmepreis fordern.

Strategisch aber wäre die Übernahme von OSRAM durch die Österreicher sinnvoll, fügte der Experte hinzu. Damit entstünde ein weltweiter Marktführer für Sensortechnik und Photonik, also die Übertragung, Speicherung und Verarbeitung von Information durch optische Verfahren. Die Synergien bei den Kosten und beim künftig zu erzielenden Umsatz seien beträchtlich, sagte Sandherr.

Das konnte indes die Aktionäre von ams nicht überzeugen: Die ams-Papiere verloren in der Schweiz 11,82 Prozent auf 43,27 Schweizer Franken. Denn im Falle einer Übernahme von OSRAM müssten die ams-Aktionäre eine Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro verdauen.

Doch auch die Aktionäre von OSRAM sind leidgeprüft: Vom Rekordhoch der Aktien Anfang 2018 bei knapp 80 Euro hatte sich der Börsenwert bis zum Tief im Juni unter 25 Euro mehr als gedrittelt. Im Sommer vergangenen Jahres hatten die Münchener mit zwei Gewinnwarnungen binnen weniger Wochen die Börsianer bitter verprellt. Die können nun wieder Hoffnung schöpfen.

Die Commerzbank hat OSRAM angesichts einer Gegenofferte durch den österreichischen Halbleiterkonzern ams von "Reduce" auf "Hold" hochgestuft und das Kursziel von 32 auf 37 Euro angehoben. Der Deal sei zwar noch nicht in trockenen Tüchern und er habe seine Zweifel am strategischen Sinn, das Verhältnis von Chancen und Risiken bei der OSRAM-Aktie mache nun aber einen ausgeglicheneren Eindruck, schrieb Analyst Sebastian Growe in einer am Montag vorliegenden Studie. Möglicherweise könnte ams das Gebot noch einmal erhöhen und die Akzeptanzschwelle von den bisher angekündigten 70 Prozent senken.

ams will OSRAM-Produktion von Asien nach Deutschland holen

Der Sensorhersteller ams will im Zuge der Übernahme von OSRAM Teile der LED-Produktion von Asien nach Deutschland holen. Gestärkt werden solle der Standort Regensburg, sagte ams-CEO Alexander Everke während einer Telefonkonferenz. An dem Standort soll die LED-Front-End-Produktion konsolidiert werden, während in Asien an zwei Standorten die LED-Back-End-Fertigung gebündelt werden soll.

ams hatte am Sonntag ein Übernahmeangebot für die OSRAM Licht AG vorgelegt, mit dem der MDAX-Konzern mit 4,3 Milliarden Euro bewertet wird.

ams-Chef Everke zeigte sich zuversichtlich, dass das Stillhalteabkommen aufgehoben wird. Bis zum 15. August wollen die Österreicher dann ihre Offerte offiziell vorlegen. Die Angebotsfrist soll dann am 5. September beginnen.

Zur Teilfinanzierung der Transaktion über eine Kapitalerhöhung sagte Everke, im vierten Quartal soll es ein Aktionärstreffen geben, bei der darüber abgestimmt werden soll. 1,5 Milliarden Euro des Kaufpreises will ams über die Ausgabe neuer Aktien finanzieren. Die OSRAM-Übernahme soll dann im ersten Halbjahr abgeschlossen werden, erwarte der Manager.

Außerdem haben die beiden Banken HSBC und UBS hätten eine Brückenfinanzierung in Höhe von 4,2 Milliarden Euro zugesagt.

FRANKFURT (Dow Jones) / FRANKFURT/PREMSTÄTTEN/MÜNCHEN (dpa-AFX Broker)

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