Auftrieb 25.08.2022 17:16:00

Aroundtown-Aktie tiefer: Wohnimmobilien-Tochter Grand City Properties treibt an

Aroundtown-Aktie tiefer: Wohnimmobilien-Tochter Grand City Properties treibt an

Aroundtown hat im ersten Halbjahr vor allem von seiner Wohnimmobilien-Tochter Grand City Properties Auftrieb erhalten. Mieteinnahmen und Ergebnisse stiegen im Vergleich zum Vorjahr. Die Jahresziele für das laufende Jahr bestätigte Aroundtown am Donnerstag. Nach deutlichen Kursgewinnen im frühen Handel drehte die Aktie zeitweise ins Minus. Zuletzt legte das Papier wieder leicht zu.

In den ersten sechs Monaten stieg der operative Gewinn - gemessen an der in der Branche wichtigen Kenngröße Funds from Operations (FFO 1) - im Jahresvergleich um acht Prozent auf 185,6 Millionen Euro, wie das im MDAX notierte Unternehmen in Luxemburg mitteilte. Dabei belasteten Stundungen etwa für Hotelmieten in Folge der Corona-Pandemie das Ergebnis mit rund 45 Millionen Euro. Hotels machen bei Aroundtown knapp ein Fünftel des Gesamtportfolios aus.

"Wir sind auf sehr gutem Weg, die Jahresziele zu erreichen", sagte Vorstand Oschrie Massatschi der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen weiterhin einen operativen Gewinn von 350 bis 375 Millionen Euro an. 2021 war der FFO1 im Jahresvergleich um ein Prozent auf gut 353 Millionen Euro gesunken.

Die Nettomieteinnahmen kletterten im ersten Halbjahr um gut ein Drittel auf 612,5 Millionen Euro, was vor allem an der Übernahme von Grand City Properties lag. Dessen Beitrag wird erst sei Juli 2021 voll in der Konzernbilanz berücksichtigt. Die Mieten legten im sechsmonatigen Berichtszeitraum im Schnitt auf gleicher Fläche um 2,3 Prozent zu, ohne die Hotels stiegen sie um 2,9 Prozent.

Nach Einschätzung von Analyst Kai Klose von der Privatbank Berenberg lag die Halbjahresbilanz leicht über den Schätzungen von Experten. Zudem wertete er die starke Liquidität positiv. Für Analyst Charles Boissier von der Schweizer Großbank UBS trafen die Kennziffern der Immobiliengesellschaft die Erwartungen. Das Hotel-Geschäft sei aber nach wie vor schwach.

Aroundtown habe dank der Aufhebung der Corona-Beschränkungen im Gastgewerbe im zweiten Quartal von den gesamten Mieten 70 Prozent erhalten, im Juli sei die Quote auf 80 Prozent gestiegen, teilte das Unternehmen weiter mit. Allerdings leide die Rentabilität in der Hotelbranche unter den stark steigenden Kosten, etwa für das Personal. Dies wirke sich auch auf die Mieten aus, warnte Aroundtown. Für die zweite Jahreshälfte rechnet das Unternehmen deshalb mit einer Einzugsquote bei den Mieten von 70 bis 80 Prozent in seinem Hotelportfolio.

Derweil trennt sich das Unternehmen von weiteren Immobilien. Aroundtown habe im bisherigen Jahresverlauf den Verkauf von weiteren Gebäuden im Wert von 785 Millionen Euro unterzeichnet, teilte der Konzern mit. Damit summierten sich die geplanten Verkäufe auf insgesamt knapp 1,3 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2022 seien davon bereits Immobilien im Wert von 625 Millionen Euro veräußert worden. 2021 hatte der Gewerbeimmobilien-Spezialist Gebäude im Wert von 2,3 Milliarden Euro verkauft.

Darüber hinaus plant Aroundtown den Verkauf weiterer Immobilien. "Wir gehen immer wieder durch unser Portfolio", erläuterte Massatschi. Im Moment biete das Unternehmen Immobilien im Wert von rund einer halben Milliarde Euro zur Veräußerung an. Der Umfang könne sich aber in ein paar Monaten noch einmal erhöhen. Dabei handele es sich etwa um Immobilien, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. "Wir wollen um den Buchwert verkaufen", machte er aber klar. Wenn das Unternehmen für seine Immobilien nicht den richtigen Preis bekomme, dann werde es diese auch nicht verkaufen. Denn Aroundtown habe ausreichend Liquidität.

"Mit dem Geld wird Aroundtown Schulden tilgen und weitere Aktien von Grand City Properties erwerben, aber auch neue Hotels und Büros kaufen", sagte der Manager. Letzteres mache das Unternehmen nur, wenn die Lage und der Preisnachlass attraktiv seien. "Deshalb haben wir in den letzten Monaten auch nicht gekauft, weil wir noch auf den optimalen Zeitpunkt warten", fügte er hinzu. In den kommenden Monaten werde das Unternehmen aber attraktivere Einstiegsmöglichkeiten sehen, ist er sich sicher. Denn immer mehr kleinere Immobilieneigentümer gerieten unter Liquiditätsdruck.

Der Immobilienkonzern habe in diesem Jahr bereits 800 Millionen Euro an Schulden getilgt und 200 Millionen Euro in Aktienrückkäufe gesteckt, sagte Massatschi. Vor ein paar Monaten hatte das Unternehmen sein Aktienrückkaufprogramm aufgestockt, bis zum Jahresende will es weitere eigene Aktien in einem Volumen bis zu einer halben Milliarde zurückerwerben.

Aufgrund der deutlich gestiegenen Material- und Arbeitskosten achtet der Konzern auf seine Ausgaben. "Wir sind in den letzten Monaten sehr diszipliniert, welche Renovierungen oder Baumaßnahmen wir durchführen", sagte Massatschi. Baurechte würde das Unternehmen eher an einen Entwickler verkaufen, als selbst zu bauen. Denn die Margen für Bauherren fielen aufgrund der gestiegenen Kosten immer geringer aus. Von dem geringeren Neubau sowohl im Wohn- als auch Gewerbemarkt profitierten die Bestandsimmobilien, die den Leerstand reduzieren könnten.

Unter dem Strich legte der Überschuss um 30 Prozent auf 471 Millionen Euro zu. Dazu trugen neben der Einbeziehung von Grand City Properties höhere Neubewertungen der Immobilien sowie niedrigere Kosten im Zusammenhang mit ausbleibenden Mieten bei.

Aroundtown wurde 2004 vom israelischen Geschäftsmann Yakir Gabay gegründet und 2015 von ihm an die Börse gebracht. Er hält über die Holding Avisco noch 15 Prozent der Anteile. Mit dem TLG-Kauf wurden die Luxemburger zum größten Anbieter von Büroimmobilien in Europa. Zudem ist das Unternehmen mit rund 58 Prozent am Wohnimmobilienkonzern Grand City Properties beteiligt.

Aroundtown nach Zahlen mit durchwachsener Kursentwicklung

Unerwartet gute Geschäftszahlen haben den in diesem Jahr leidgeprüften Anlegern von Aroundtown nur zeitweise etwas Trost gespendet. Die Papiere des Gewerbeimmobilien-Spezialisten waren im frühen Handel am Donnerstag um gut drei Prozent gestiegen, der Rückenwind ging aber verloren. Später bewegten sie sich mit 2,99 Euro sogar 0,63 Prozent unter ihrem Vortagsniveau.

Aroundtown bekam im ersten Halbjahr vor allem dank seiner Wohnimmobilien-Tochter Grand City Properties Auftrieb. Allerdings leidet die Rentabilität in der Hotelbranche dem Unternehmen zufolge unter den stark steigenden Kosten, etwa für das Personal. Dies wirke sich auch auf die Mieten aus.

Zunächst fielen die Reaktionen auf das Zahlenwerk positiv aus. Der operative Gewinn - gemessen an der in der Branche wichtigen Kenngröße Funds from Operations - fiel Händlern zufolge besser aus als erwartet. Ein Börsianer verwies zudem auf die überraschend hohen Bewertungsgewinne. Auch Analyst Kai Klose von der Privatbank Berenberg äußerte sich zuversichtlich zu den Kennziffern, er wertete aber auch die starke Liquidität positiv.

Das Aufbäumen der Aktie am Donnerstag währte aber nicht lang: Nach dem zeitweisen Fall unter die 3-Euro-Marke im Juli, den sie in den vergangenen Tagen wiederholten, ging das Ringen um diese Marke weiter. Wenig erfreulich bleibt damit die Kursentwicklung seit Jahresanfang. Hier steht ein Minus von 43 Prozent zu Buche, während der MDAX knapp 26 Prozent an Wert verlor.

Das aktuelle Umfeld steigender Zinsen ist nicht günstig für Immobilienwerte. So können sich Finanzierungsbedingen verschlechtern, zudem droht bei sinkender Nachfrage nach Wohnraum auch ein Rückgang der Immobilienpreise. Schließlich nimmt mit dem Ende der Nullzinsphase auch die Attraktivität der Immobilien-Unternehmen als Dividendenzahler ab.

Die US-Notenbank Fed reagiert seit einigen Monaten mit starken Leitzinserhöhungen auf die hohe Inflation. Die Europäische Zentralbank hat die Zinswende im Juli eingeleitet.

LUXEMBURG / FRANKFURT (dpa-AFX)

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