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Tiefe Spuren 11.06.2021 17:59:00

ATX-Vorstandschefs verdienten im Pandemiejahr 2020 deutlich weniger

ATX-Vorstandschefs verdienten im Pandemiejahr 2020 deutlich weniger

Die Direktvergütungen der Vorstandschefs, also die Summe aus Grundvergütungen und variablen Vergütungen, ging 2020 um 16,2 Prozent auf durchschnittlich 1,742 Mio. Euro zurück. Das hat der europäische Unternehmensberater hkp für sein jährliches Vergütungsranking berechnet.

Für die 14 Vorstandsvorsitzenden, die bereits 2019 ganzjährig im Amt waren, sank die durchschnittliche Vergütung um 10,9 Prozent. "Der Rückgang der Vergütungen ist zum einen darauf zurückzuführen, dass man eine andere Grundgesamtheit hat - wir sind von 19 Vorsitzenden, die 2019 ganzjährig im Amt waren, auf 15 runter", erklärte Michael Kramarsch, Partner der Unternehmensberatung hkp-Group, im Gespräch mit der APA. Man sehe aber auch, "dass variable Vergütungen, nomen est omen, in schlechten Jahren auch nach unten ausschlagen, was ja Sinn und Zweck der ganzen Übung ist."

Erstmals habe man die Chance, die einjährige variable und die mehrjährige variable Vergütung separat darzustellen, weil es die Unternehmen nun konsequent ausweisen würden, sagte Kramarsch.

Angeführt wird die Liste der Spitzenverdiener unter den ATX-Vorstandschefs diesmal von Mayr-Melnhof Karton, wo Wilhelm Hörmanseder (11,789 Mio. Euro) die Unternehmensleitung im Frühjahr an Peter Oswald (4,975 Mio. Euro) übergab. Auf Platz drei rangiert voestalpine-Chef Wolfgang Eder (4,480 Mio. Euro). "Das sind schon Werte, die in Österreich auffallen", sagte Kramarsch. Darin seien aber besondere Vergütungen im Rahmen des Neuantritts oder des Ausscheidens enthalten. "Dieser Zeitpunkt ist einer, wo man langjährig tätigen Vorstandschefs, die viel fürs Unternehmen getan haben, noch mal abschließend etwas Gutes zukommen lassen kann und will, und manchmal vielleicht auch gerechtfertigt." Gut sei, dass sich jetzt der Aufsichtsrat dafür gegenüber den Aktionären und der Öffentlichkeit rechtfertigen müsse.

Allerdings müssten solche Abfindungen vorher vereinbart werden und nicht quasi als Geschenk ohne Gegenleistungen gezahlt werden. "Es war in Österreich nicht ungewöhnlich, dass der Aufsichtsrat mal locker-flockig Abfindungen und Prämien verteilt. Das ist genau das, was die Aktionäre und Investoren nicht wollen. Diese rechtsgrundlosen, nicht leistungsbezogenen Tantiemen bzw. Prämien sind unter extremer Kritik von den Investoren, da werden sich die österreichischen Aufsichtsräte auch umgewöhnen müssen." Die Auszahlung nicht vereinbarter Prämien sei zwar in Österreich noch nicht ausjudiziert worden, "aber ich bin der Meinung, dass man sich da der Untreue gefährlich nähert."

Der Gagenkaiser vergangener Jahre, OMV-Chef Rainer Seele, hat 2020 deutlich weniger verdient und kommt mit 3,949 Mio. Euro diesmal auf Rang vier. Seine Grundvergütung sank im Vergleich zum Vorjahr aufgrund des Auslaufens seiner Funktionszulage. Seele hatte sich seit Mitte 2019 nach dem Rückzug von Vorstand Manfred Leitner auch um den Bereich Downstream Marketing & Trading gekümmert, was extra honoriert wurde. Seine bereinigte Direktvergütung ohne Funktionszulage ging um 28,9 Prozent zurück.

Jahrelang hatte hkp die geringe Transparenz bei den individuellen Vergütungsausweisen der Unternehmen kritisiert: "Österreichische Vergütungsberichte waren in der Vergangenheit eher ein Instrument der Transparenzvermeidung", sagte Kramarsch. Das habe sich durch einen neuen rechtlichen Rahmen geändert, es gebe jetzt mehr Tabellen, Grafiken und Erläuterungen zu den Bemessungsgrundlagen oder kurz- und langfristigen variablen Vergütungen. "Da haben die Unternehmen des ATX einen Riesenschritt in eine normale Transparenz gemacht. Sie sind nicht in einem Jahr zu Transparenz-Strebern geworden, aber sortieren sich international im Mittelfeld ein."

Erste Pay-for-Performance-Betrachtungen seien nun möglich, und es habe sich gezeigt, dass die Vergütung fast durchgehend mit der Unternehmensperformance "atme".

(Schluss) ivn/an

APA

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