Einstieg geplant 12.06.2019 17:53:41

Axel Springer-Aktie schießt hoch: KKR legt offizielles Übernahmeangebot vor - Prognose gekappt

Axel Springer-Aktie schießt hoch: KKR legt offizielles Übernahmeangebot vor - Prognose gekappt

Die Amerikaner legen ein Übernahmeangebot vor und wollen zusammen mit der Großaktionärin Friede Springer und dem Vorstandschef Mathias Döpfner die Gesellschaft kontrollieren, wie die Parteien am Mittwoch in Berlin und Luxemburg mitteilten. KKR bietet 63 Euro je Springer-Aktie in bar, am Vorabend schloss die Aktie bei einem Kurs von 56 Euro. Dass KKR über einen Einstieg bei dem Konzern verhandelt, war bereits bekannt. KKR strebt eine Mindestannnahmequote von 20 Prozent an.

Die Familie des "Bild"-Gründers Axel Springer hält eine Mehrheit an dem im MDAX börsennotierten Unternehmen, zu dem unter anderem auch die "Welt" gehört. Friede Springer kontrolliert den Medienkonzern, sie hält 37,5 Prozent über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik. Dazu kommt ein direkt gehaltener Anteil von 5,1 Prozent. Ihr Vertrauter Mathias Döpfner selbst hält 2,8 Prozent. Zusammen sind Friede Springer und Döpfner mit 45,4 Prozent beteiligt. Die Enkelkinder des Verlagsgründers Axel Springer, Axel Sven und Ariane Melanie, halten zusammen 9,8 Prozent.

Springer-Chef Mathias Döpfner betonte die Entwicklungsperspektiven. "Durch die strategische Partnerschaft mit KKR könnten wir erhebliche Wachstumschancen ergreifen, da wir uns zusätzliche finanzielle Ressourcen erschließen und uns zugleich von der reinen Fokussierung auf kurzfristige Finanzziele lösen", sagte er laut Mitteilung. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte beim Bekanntwerden der Gespräche mit KKR unter Berufung auf Kreise berichtet, Ziel des Vorhabens insgesamt sei es auch, den Konzern von der Börse zu nehmen.

Döpfner hatte das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer stärker auf die Veränderungen durch die Digitalisierung eingestellt. Axel Springer wolle "ein weltweit führender Anbieter von digitalem Journalismus und digitalen Rubrikenangeboten werden", hieß es. Neben den Onlineangeboten von "Welt plus" und "Bild plus" verfügt das Unternehmen über eine Reihe an digitalen Anzeigenplattformen, wie etwa das Jobportal Stepstone oder die Immobilienplattformen immowelt.de, immonet.de und immoweb.de.

Der unter dem Spartennamen Classifieds Media zusammengefasste Unternehmensbereich soll weiter ausgebaut werden. Zuletzt wurde etwa über ein Interesse Springers am Kleinanzeigengeschäft von eBay spekuliert. Solche teuren Investitionen könnten mit dem Einstieg von KKR erleichtert werden, worauf Analysten bereits hingewiesen hatten.

Das Medienhaus sieht sich daneben aber weiterhin dem unabhängigen Journalismus verpflichtet. "Unsere journalistischen Prinzipien und unsere Unternehmenskultur bleiben Grundlage, auf die wir bauen und in die wir vertrauen", sagte die Witwe des Verlagsgründers, Friede Springer. Die Parteien seien sich darüber einig, dass Springer "über sämtliche Kanäle hinweg, national wie international, eine führende Stimme für unabhängigen Journalismus sein wird."

Axel Springer-Aktien schnellen nach Übernahmegebot hoch

Das Übernahmeangebot treibt den Kurs der Axel Springer-Aktie am Mittwoch stark nach oben. Die Papiere des Medienhauses machten im Tagesverlauf einen kräftigen Satz von bis zu 13,5 Prozent auf ein seit dem vergangenen August nicht mehr gesehenes Kursniveau. Bis zum Börsenschluss blieb ein Plus von 11,52 Prozent bei 62,45 Euro an der Kurstafel stehen.

Die gebotene Prämie auf den Schlusskurs vom Dienstag beläuft sich auf 12,5 Prozent. Mit einem hohen Aufschlag sei zu rechnen gewesen, sagte ein Händler, denn KKR wolle den Streubesitz am Markt komplett aufkaufen. Aus Sicht der Analystin Véronique Cabioc'h vom Analysehaus Alphavalue ist die Offerte "fair".

Die Papiere des Medienhauses machten daraufhin einen kräftigen Satz von bis zu 13,5 Prozent auf dieses seit dem vergangenen August nicht mehr gesehene Kursniveau. Vor gut zwei Wochen waren die Papiere bereits kräftig nach oben gesprungen und gewannen seither insgesamt gut 40 Prozent. KKR beendete damit die seit Frühjahr 2018 andauernde Saure-Gurken-Zeit für die Anleger, die in den Depots seit dem Rekordhoch von 74,40 Euro eine tiefe Kerbe hinterlassen hatte.

Nach Einschätzung des britischen Analysehauses Liberum dürfte die Offerte des Finanzinvestors KKR für die am Markt handelbaren Aktien von Axel Springer von den Minderheitsaktionären "mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden" und die Übernahmespekulationen in der Branche neu anheizen. Wie Analyst Ian Whittaker in einer am Mittwoch vorliegenden Studie schrieb, stellt die zugleich ausgesprochene Gewinnwarnung für dieses Jahr und noch gravierender für das kommende Jahr aber den Charakter als "sicheren Hafen" im Mediensektor in Frage, den Investoren den Betreibern von Online-Portalen beimäßen.

Axel Springer senkt Umsatz- und Ergebnisprognose

Axel Springer hat wegen einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung und der Einführung einer Digitalsteuer in Frankreich seine Prognosen gesenkt. Beim Jahresumsatz geht der Konzern nun von einem Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich aus, nachdem zuvor ein Erlös auf Vorjahresniveau in Aussicht gestellt wurde, wie Axel Springer am Mittwoch in Berlin mitteilte. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte nun ebenfalls im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken, statt auf Vorjahresniveau zu bleiben. Zudem werde die Wachstumsstrategie 2020 zu einem deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses gegenüber dem laufenden Jahr führen, erst in den Jahren danach erwartet das Management Besserung.

An den in seiner Strategie vorgesehenen Investitionen halte der Konzern trotz schwächerer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen fest, hieß es zur Begründung. Außerdem schlage die zwischenzeitlich in Frankreich verabschiedete Digitalsteuer zu Buche. Der Markteintritt von Google in die Jobvermittlung mit Google for Jobs habe bisher keine Auswirkungen auf Stepstone gezeigt, sagte Döpfner. Man betrachte das aber "sehr kritisch" und beobachte, ob Google damit seine marktbeherrschende Stellung missbrauche. An dem aktuellen Dämpfer bei Stepstone sei aber die Unsicherheit durch den Brexit und die schwächelnde Konjunktur Schuld.In dem in den vergangenen Jahren stark ausgebauten Digitalgeschäft kommen die Belastungen zum Tragen. Dort dürfte der Umsatz im günstigen Fall nur noch im niedrigen statt im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen, das operative Ergebnis im mittleren einstelligen Prozentbereich sinken statt stabil zu bleiben.

/men/stk

BERLIN/LUXEMBURG (dpa-AFX)

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Bildquelle: Axel Springer SE