Rechtsunsicherheit 19.10.2021 17:49:00

bet-at-home stellt Online-Casinoangebot in Österreich ein - Aktie schließt mit zweistelligem Kurssturz

bet-at-home stellt Online-Casinoangebot in Österreich ein - Aktie schließt mit zweistelligem Kurssturz

Als Grund nannte der mit einer maltesischen Lizenz operierende deutsche Konzern in einer Pflichtmitteilung am Montagabend die Rechtsunsicherheit in Österreich. Das Unternehmen räumte zudem ein, dass das heurige Jahresergebnis wegen Rückstellungen für Klagen österreichischer Spieler negativ ausfallen wird.

Nach einem aktuellen Beschluss des OGH sei unklar, ob bet-at-home seine Auffassung, wonach es ein rechtmäßiger Online-Casino-Anbieter in Österreich sei, "in absehbarer Zeit vor österreichischen Gerichten durchsetzen kann", argumentiert das Unternehmen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten in einer gemeinsamen Sitzung am Montag beschlossen, das Angebot des Online-Casinos in Österreich "vorübergehend zeitnah einzustellen".

Zwar gehe der Konzern weiterhin von der europarechtlichen Rechtmäßigkeit seines Handelns und der zivilrechtlichen Unzulässigkeit von Klagen aus, doch würde eine Fortsetzung des Angebots "vor abschließender rechtlicher Klärung über einen derzeit nicht mehr absehbaren Zeitraum hinweg zu einem stetig steigenden Risikopotential führen, das insgesamt unvertretbar scheint".

Hintergrund der Entscheidung dürften hohe finanzielle Belastungen durch Spielerklagen gegen das in einer rechtlichen Grauzone operierende Unternehmen sein. So sei die Bildung weiterer Rückstellungen für die bisher in Österreich anhängigen Kundenklagen auf Erstattung von Spielerverlusten beschlossen worden. Wie hoch diese sind, wurde nicht mitgeteilt.

Im Ergebnis des Geschäftsjahres 2021 werden Aufwendungen von 24,6 Millionen Euro im Zusammenhang mit österreichischen Kundenklagen berücksichtigt, hieß es in der Pflichtmitteilung. Bei einem Brutto-Wett- und Gamingertrag zwischen 93 und 98 Millionen Euro erwarte man für heuer ein negatives Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) zwischen 14 und 10 Millionen Euro. Ohne die Rückstellungen für die österreichischen Spielerklagen wäre somit ein positives Ergebnis zu erwarten gewesen.

Die privaten Glücksspiel- und Wettanbieter agieren in Österreich in einer rechtlichen Grauzone. Obwohl das Glücksspiel im Internet in Österreich nur auf der Seite win2day (gehört zu den Lotterien) erlaubt ist, gibt es zahlreiche andere Anbieter wie eben bet-at-home. Sie alle berufen sich auf die Dienstleistungsfreiheit der EU. Mit einer Lizenz aus einem EU-Staat - zumeist Malta - dürfe man in der ganzen Union anbieten, lautet ihre Argumentation, die freilich innerstaatlich bisher noch nicht durchgesetzt werden konnte.

Probleme in Österreich setzen bet-at-home-Aktie zu

Wegen drohender operativer Verluste nahmen Anleger beim börsennotierte Wett- und Glücksspielanbieter bet-at-home Reißaus. Die Aktien des Glücksspiel-Anbieters fielen am Dienstag zu Handelsbeginn um 14 Prozent und waren mit 19,64 Euro so billig wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Zum Handelsende weitete das Papier seine Verluste auf 16,48 Prozent aus. Damit schlossen die Scheine bei 18,96 Euro. Das Unternehmen stellt sein Angebot in Österreich vorläufig ein und bildet wegen Kundenklagen auf Rückzahlung von Spielverlusten weitere Rückstellungen.

Als Grund nannte der mit einer maltesischen Lizenz operierende deutsche Konzern in einer Pflichtmitteilung am Montagabend die Rechtsunsicherheit in Österreich. Das Unternehmen räumte zudem ein, dass das heurige Jahresergebnis wegen Rückstellungen für Klagen österreichischer Spieler negativ ausfallen wird.

Nach einem aktuellen Beschluss des Obersten Gerichtshofs (OGH) in Wien sei unklar, ob bet-at-home seine Auffassung, wonach es ein rechtmäßiger Online-Casino-Anbieter in Österreich sei, "in absehbarer Zeit vor österreichischen Gerichten durchsetzen kann", argumentiert das Unternehmen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten in einer gemeinsamen Sitzung am Montag beschlossen, das Angebot des Online-Casinos in Österreich "vorübergehend zeitnah einzustellen".

(APA)

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Bildquelle: City-Press via Getty Images

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