27.10.2014 06:36:32

Bundesbank-Vorstand Dombret sieht noch Risiken für deutsche Banken

   Von Brian Blackstone

   Deutsche Banken stehen trotz ihres relativ guten Abschneidens beim "Stresstest" der Europäischen Zentralbank vor einigen Hürden. Risiken ergeben sich nach Ansicht des Bundesbank-Vorstandsmitglieds Andreas Dombret vor allem aus den ultraniedrigen Zinsen in Europa.

   Das Niedrigzinsumfeld mache den deutschen Banken stark zu schaffen, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen Banken stärker von Zinseinkünften abhängen und weniger von Gebühreneinnahmen, sagte Dombret am Sonntag in einem Interview mit dem Wall Street Journal.

   Laut der Kapitalprüfung der EZB, auch bekannt als Banken-Stresstest, haben die 25 größten deutschen Banken genügend Kapitalpuffer gebildet, um eine mögliche Krise abzufedern. Das zeigten die am Sonntag veröffentlichten Ergebnisse der EZB und der Aufsichtsbehörde European Banking Authority.

   Dombret hatte zuvor in einer Pressekonferenz am Sonntag vor bestehenden Überkapazitäten im deutschen Markt gewarnt. Er sagte, die Profitabilität der deutschen Bankenbranche hinke der von anderen Ländern hinterher. Dombret mahnte deshalb, die deutsche Bankenbranche müsse sich über Fusionen stärker konsolidieren - ein Schritt, der die Gewinne steigern könnte.

   Nur eine einzige deutsche Bank, die Münchener Hypothekenbank, fiel bei der Kapitalprüfung der EZB durch. Diese bezog sich auf Angaben der Banken zum Jahresschluss 2013. Die Münchner Hypothekenbank hat allerdings die deklarierte Kapitallücke bereits mithilfe einer Kapitalerhöhung mehr als geschlossen.

   Laut Dombret haben die deutschen Banken, die nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers auf riesigen Mengen fauler Kredite saßen, früh damit begonnen, ihre Geschäftsmodelle zu verbessern. Weil sich zeitgleich die deutsche Wirtschaft rapide von der globalen Finanzkrise erholte, hatten die Banken den nötigen Spielraum für solche Veränderungen.

   Insgesamt fielen 25 der 130 größten europäischen Banken beim Stresstest von EZB und EBA durch. 12 von ihnen haben ihre Kapitalbasis in diesem Jahr jedoch schon nachgebessert.

   Dombret sagte, das Ergebnis dürfte das Anlegervertrauen in die europäischen Banken stärken. Er hofft, der Stresstest habe gezeigt, dass das europäische Bankensystem "nicht kurz vor einer Systemkrise" stehe, sondern sich "stabilisiert" habe. Dennoch müssten die europäischen und speziell auch die deutschen Banken noch immer mehr tun, um sich für die Zukunft zu rüsten, sagte er.

   Europa hat nach dem Kollaps von Lehman Brothers eine andere Strategie für seine Bankenbranche eingeschlagen als es die USA damals taten. Die US-Behörden stellten zunächst einen großen staatlich finanzierten Kapitalpuffer zur Verfügung und unternahmen dann Banken-Stresstests. Die Europäischen Aufseher hingegen unternahmen die jüngsten Stresstests, ohne dass es vorher eine große staatlich finanzierte Sicherheit gab. Vielmehr verließen sich die Aufseher in Europa darauf, dass die Banken selbst ihre Kapitallücken über Kapitalerhöhungen schlossen oder Verluste an ihre Aktionäre überwälzten.

   "Die Bail-outs sind out und die Bail-ins sind in", sagte Dombret und fügte hinzu, dass sich die Zeiten geändert hätten. Ein Bail-out - also eine staatlich finanzierte Bankenrettung - mag im Jahr 2008 noch die richtige Strategie gewesen sein, um systemische Risiken zu verringern. Doch heutzutage sei das Umfeld ein völlig anderes, sagte Dombret. Heute sei ein "Bail-in-System" gefragt, bei dem die öffentlichen Kapitalspritzen an letzter Stelle kämen.

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