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Weniger Gewinn als erwartet 24.02.2021 16:11:00

Corestate-Aktie sackt ab: Corestate hofft nach enttäuschendem 2020 auf das neue Jahr

Corestate-Aktie sackt ab: Corestate hofft nach enttäuschendem 2020 auf das neue Jahr

2020 hinterließ die Corona-Krise deutliche Spuren in der Bilanz des Unternehmens: Umsatz und operatives Ergebnis gingen massiv zurück. Unter dem Strich stand sogar ein Verlust. Im laufenden Jahr will das Unternehmen bei den Kennziffern wieder deutlich besser werden.

Anleger wollten sich dem Optimismus des Unternehmens mit Blick auf das laufende Jahr offenbar nicht anschließen. Ein Börsianer sprach von "fürchterlichen Zahlen" des Immobilien-Investmentmanagers. Die Zahlen seien schwach ausgefallen, hieß es auch bei Berenberg.

"Das Tal ist durchschritten", sagte Unternehmenschef René Parmantier bei Vorlage von vorläufigen Zahlen am Dienstagabend. Das Unternehmen rechnet angesichts des sich aufhellenden gesamtwirtschaftlichen Umfelds und einem weiter steigenden Investitionsbedarf auf der Kundenseite mit einem im Jahresverlauf anziehenden Transaktionsgeschäft sowie einer dynamischen Nachfrage auf dem Private Debt-Markt.

Im laufenden Jahr soll der Konzernumsatz auf 235 bis 260 Millionen Euro steigen, wie Corestate am Dienstagabend in Luxemburg mitteilte. 2020 gingen die Erlöse im Jahresvergleich nach ersten Berechnungen um 37 Prozent auf 191 Millionen Euro zurück, blieben aber damit in der zuvor ausgegebenen Prognosespanne.

Deutlich besser werden will das Unternehmen auch wieder bei den Ergebnissen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll sich auf 90 bis 115 Millionen Euro und das bereinigte Nettoergebnis auf 50 bis 75 Millionen Euro verbessern. 2020 fielen beide Ergebnisse deutlich schlechter aus als erwartet. Das Ebitda brach nach 175 Millionen Euro im Vorjahr auf 17 Millionen ein. Hier hatte der Immobilien-Investmentmanager mit 55 bis 80 Millionen Euro gerechnet. Beim bereinigten Konzernergebnis wurde sogar statt des erwarteten Gewinns ein Verlust von 48 Millionen Euro verzeichnet.

Für die enttäuschende Gewinnentwicklung im abgelaufenen Jahr machte Corestate "überwiegend nicht liquiditätswirksame, hohe negative Bewertungseffekte und Einmalaufwendungen sowie eine Goodwill-Abschreibung" verantwortlich. Corestate will seine detaillierten Jahreszahlen am 24. März veröffentlichen.

Der seit Dezember amtierende neue Unternehmenschef Parmantier baut derzeit den Konzern um. "Ich habe die Zeit seit meinem Amtsantritt genutzt und die Weiterentwicklung der Strategie mit Hochdruck vorangetrieben", sagte er. In der Vergangenheit sei das Unternehmen zu stark von anorganischem Wachstum abhängig gewesen. "Wir müssen hier aktiver werden, denn gerade Zeiten des Umbruchs und der Krise, wie wir sie momentan erleben, sind Zeiten, in denen Marktanteile neu verteilt werden", so Parmantier. Hier wolle und werde Corestate zu den Gewinnern gehören. Deshalb werde das Unternehmen unter anderem das Markenuniversum unter dem Dach von Corestate in den kommenden Monaten vereinfachen.

Corestate mit Sitz in Luxemburg ist ein Investmentmanager und Co-Investor mit einem verwalteten Vermögen von zirka 28 Milliarden Euro. Das Unternehmen ist international als Geschäftspartner für institutionelle Investoren sowie vermögende Privatanleger tätig. Zudem verfügt der Konzern über 42 weitere Büros unter anderen in Frankfurt, London, Madrid, Singapur und Zürich und beschäftigt über 800 Mitarbeiter.

So reagiert die Corestate-Aktie

Verfehlte Ziele und ein deutlicher Rückgang der Barmittel im vierten Quartal haben am Mittwoch die Anteilsscheine von Corestate Capital auf Talfahrt geschickt. Um zeitweise etwas mehr als 16 Prozent ging es abwärts in Richtung ihres Rekordtiefs bei 11,70 Euro vom Oktober 2020. Der kurzfristige Trend der Aktie des Immobilien-Investmentmanagers weist charttechnisch betrachtet nun nach unten, auch wenn sich die Papiere im Vormittagshandel leicht erholten.

Zuletzt liegen sie noch mit 7,27 Prozent im Minus bei 13,64 Euro. Die gleitende 21-Tage-Linie für den kurzfristigen Trend, die aktuell bei 14,55 Euro liegt, ist damit vorerst gerissen.

Ein Börsianer sprach von "fürchterlichen Zahlen" und verwies darauf, dass Corestate mit seinen Aussagen schon des Öfteren deutlich enttäuscht habe. Nun habe Corestate 2020 sogar die eigenen Erwartungen verfehlt und zugleich statt eines Gewinns einen Verlust eingefahren, obwohl die Jahresziele für 2020 zur Vorlage der Neunmonatszahlen bestätigt worden waren.

Analyst Kai Klose von der Privatbank Berenberg äußerte sich ebenfalls negativ und sprach von schwachen Ergebniskennziffern. Sorgen bereiteten vor allem die steigende Verschuldung, gemessen an den Nettoschulden im Verhältnis zum operativen Ergebnis (Ebitda), sowie die stark rückläufige Barmittelentwicklung im Schlussquartal.

Zudem kämen nun weitere Herausforderungen auf Corestate zu, schrieb Klose. Denn auch wenn die Pandemie ein unvorhersehbares Ereignis gewesen sei, müsse nun die höchste Priorität des Managements sein, dass schwache Finanzprofil zu reparieren. "Das aber dürfte nicht einfach werden", da nach dem überraschenden Chefwechsel Ende des vergangenen Jahres und dem zuvor erfolgten großen Umbruch im Aufsichtsrat weiterhin Skepsis über die Unternehmensführung herrsche.

/he/bek

LUXEMBURG (dpa-AFX)

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Bildquelle: CORESTATE Capital