2020 Rückgänge erwartet 30.04.2020 17:57:00

Corona-Krise: Erste Group im Q1 mit weniger Gewinn - Aktie gibt deutlich ab

Corona-Krise: Erste Group im Q1 mit weniger Gewinn - Aktie gibt deutlich ab

So rechnet die Bank aufgrund der Folgen der Krise für das Gesamtjahr mit deutlich höheren Risikokosten und weniger Gewinn. Im ersten Quartal blieb unterm Strich bereits um rund ein Drittel weniger übrig.

Im Ausblick heißt es, man erwarte eine "wesentliche, derzeit jedoch noch nicht abschätzbare, Verschlechterung der Profitabilität." Die Betriebserträge 2020 dürften sich verringern, die Risikokosten deutlich ansteigen. "Insgesamt wird für 2020 ein deutlicher Rückgang des Nettogewinns erwartet," so die Bank.

Der Periodengewinn (nach Minderheiten) ging im ersten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode um 37,6 Prozent auf 235,3 Mio. Euro zurück. Das Betriebsergebnis vor Wertminderungen fiel um 15,9 Prozent auf 551,7 Mio. Euro. Höhere Zins- und Provisionsüberschüsse konnten das schwächere Handelsergebnis nicht kompensieren, hieß es im Zwischenbericht für das erste Quartal.

Im ersten Quartal verbuchte die Bank bereits höhere Risikokosten als noch ein Jahr davor. Diese würden jedoch das sich verschlechternde Makroumfeld noch nicht abbilden, so Erste Group-CEO Bernhard Spalt im Rahmen einer Analystenkonferenz am Donnerstag. Für die kommenden Quartale rechnet die Bank daher mit deutlich steigenden Risikokosten. Das makroökonomische Umfeld sollte sich im kommenden Jahr wieder verbessern. Wie sich die Risikokosten 2021 weiter entwickeln werden, könne man zum aktuellen Zeitpunkt aber noch nicht genau vorhersagen.

Das Ergebnis aus Wertminderungen von Finanzinstrumenten drehte von plus 35,8 Mio. im ersten Quartal 2019 auf minus 61,7 Mio Euro im ersten Jahresviertel. Im Vergleich zum vierten Quartal 2019 (rund minus 82 Mio. Euro) seien die Kosten jedoch gesunken. Vor allem in Österreich und Tschechien mussten mehr Wertberichtigungen für Kredite und Darlehen dotiert werden als im Vorjahr, während in Rumänien Eingänge aus abgeschriebenen Forderungen positiv wirkten, hieß es im Quartalsbericht.

Die erwartete schwächere Profitabilität im heurigen Jahr werde außerdem die Kostenquote belasten. Im ersten Quartal verschlechterte sie sich von 63,0 auf 66,8 Prozent. Die Kernkapitalquote (CET1) sank leicht von 13,2 auf 13,1 Prozent (Ende 2019: 13,7 Prozent), das langfristige Ziel von 13,5 Prozent bleibe aber unverändert.

Das Kundenkreditvolumen stieg auf 160,3 Mrd. Euro an. Im ersten Quartal 2019 lag es bei rund 152 Mrd. Euro. Der Anteil der faulen Kredite (non-performing loans/NPL) fiel von 3,0 Prozent auf 2,4 Prozent. Zum Jahresende 2019 stand die NPL-Quote bei 2,5 Prozent,

Trotz der Herausforderungen im heurigen Jahr sieht sich die Erste Group als wichtiger Player in der derzeitigen Krisensituation. Die Bank spiele eine große Rolle darin, die staatlichen Hilfsmaßnahmen in die Realwirtschaft zu übertragen, so Spalt. Diese Positionierung in der Gesellschaft werde der Bank auch langfristig helfen.

Für 2019 will die Bank ungeachtet der Empfehlungen der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie der europäischen Bankaufsicht weiterhin eine Dividende ausschütten. "Der Vorstand der Erste Group hat die feste Absicht, für 2019 eine Dividende auszuschütten, deren Höhe insbesondere von den herrschenden wirtschaftlichen Realitäten abhängig sein wird", heißt es im Ausblick der Bank. Ursprünglich war eine Ausschüttung von 1,50 Euro je Aktie vorgesehen. Im März kündigte die Bank im Zuge der Coronakrise an, die Dividende neu evaluieren zu wollen. Die Hauptversammlung wurde verschoben.

Bosek: Dauer der Krise bestimmt Höhe der Risikokosten

Die Coronakrise wird auch bei der Erste Group klare Spuren in der Bilanz für 2020 hinterlassen. Der weltweit erwartete Konjunktureinbruch, aber auch die prekäre Situation zahlreicher Unternehmen, werden der Bank laut eigenen Schätzungen stark steigende Risikokosten sowie einen deutlich niedrigeren Gewinn bescheren.

Eine genaue Vorhersage, wie stark die Risikokosten heuer steigen werden, sei derzeit jedoch noch kaum möglich, sagte CEO Bernhard Spalt am Donnerstag im Rahmen einer Analystenkonferenz zu den Zahlen für das erste Quartal 2020. "Die Höhe der Kreditrisikokosten ist eine Funktion der Dauer der Krise", so der Chef der Erste Bank Österreich, Peter Bosek, am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Es hänge stark davon ab, wie sich die Wirtschaft entwickle und wie schnell sich diese erhole.

Im Geschäftsbericht der Bank ist von Risikokosten in Höhe von "50 bis 80 Basispunkten des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands" die Rede. Mit Ende des ersten Quartals lagen die Risikokosten bei etwa minus 61,7 Mio. Euro bzw. rund 15 Basispunkten. Die aktuelle Schätzung für das Gesamtjahr ginge also etwa von einer Verdreifachung der Risikokosten bis zum Jahresende aus, so Bosek.

Die Zahl der Kreditanfragen habe sich in der aktuellen Krise merklich erhöht. Nicht immer können aber alle Anfragen akzeptiert werden. Man habe bei den Anträgen der Förderkredite derzeit eine Ablehnungsquote von rund 13 bis 14 Prozent, so Bosek. Meist sei das jeweilige Unternehmen dann aber schon vor der Coronakrise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gesteckt.

Die bisherigen Hilfsmaßnahmen der Regierung sowie die jüngst von Finanzministerium und EU beschlossenen Lockerungen für Banken, um die Kreditvergabe zu beschleunigen, heißt der Bankenchef generell gut. Bis sich die Stimmung bei den Unternehmen wieder bessere, werde es aber noch einige Wochen dauern. Man sei derzeit noch mitten in der Abarbeitung der Krise, so der Bankchef.

Bosek will den Blick nun vor allem in die Zukunft richten. "Wir müssen alle wieder nach vorne schauen," so Bosek. Es brauche neben Soforthilfemaßnahmen auch wieder positive Impulse für die Zeit nach der Coronakrise.

Mit dem Ausbruch der Krise und dem damit verbundenen Shutdown der Wirtschaft sei die Investitionslust der Unternehmen komplett zum Erliegen gekommen. Die Aufnahme von Krediten um Umsatzverluste zu finanzieren, führe schließlich dazu, dass die Unternehmer in den kommenden Jahren noch weniger Spielraum für neue Investitionen hätten, so der Bankchef.

Vor allem bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die in Österreich einen wichtigen Arbeitgeber darstellen, müsse man die Investitionen rasch wieder ankurbeln. Bosek will sich besonders dafür einsetzen, dass KMU leichter an Eigenkapital kommen. So könnten institutionelle Investoren (z. B. Banken), Staat und private Investoren den KMU zeitlich befristet über einen Fonds Gelder zur Verfügung stellen - im Gegenzug für eine Beteiligung. Das wäre für die KMU vorübergehend eine sinnvolle Lösung, um weiter investieren und wachsen zu können ohne langfristig unternehmensfremde Investoren in der Firma haben zu müssen, so Bosek.

Bosek plädierte außerdem wieder für eine Stärkung der EU. Die jüngsten Grenzschließungen und Vergleiche der Todeszahlen der einzelnen Länder seien nicht gut für den Zusammenhalt gewesen. Oft sei derzeit auch bei Regierungen in Europa die Rede davon, kritische Infrastrukturen wieder zurück nach Europa zu holen. Das könne man aber nicht auf ein einziges Land konzentrieren, hier brauche es Zusammenarbeit zwischen den Ländern. "Es ist dringend an der Zeit, dass die EU ein Signal der Stärke abgibt", so Bosek.

In Wien fiel die Aktie schlussendlich um 3,39 Prozent auf 19,83 Euro.

APA

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