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Kostensenkungsprogramm 13.08.2020 17:50:38

Corona-Krise schlägt voll durch: TUI meldet Milliardenverlust - TUI-Aktie tiefrot

Corona-Krise schlägt voll durch: TUI meldet Milliardenverlust - TUI-Aktie tiefrot

Weil das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal von April bis Juni fast alle Urlaubsangebote absagen musste, verlor es unterm Strich rund 1,4 Milliarden Euro. Dies teilte TUI am Donnerstag in Hannover mit. Ein Jahr zuvor hatten noch knapp 23 Millionen Euro Gewinn in der Zwischenbilanz gestanden. Der Umsatz sackte nun um 98,5 Prozent auf 72 Millionen Euro ab, so dass das Geld für die Deckung der Betriebskosten nicht ausreichte.

Vorstandschef Fritz Joussen hofft, den Geldabfluss im Konzern noch diesen Sommer stoppen zu können. Dazu braucht TUI möglichst viele Urlauber. Seit der Wiederaufnahme der Reisen zeige sich ein positiver Trend: Es seien 1,7 Millionen Neubuchungen eingegangen. Ab Mitte Juni starteten die Hannoveraner wieder den Betrieb in einigen Ferienregionen - im Juli seien dann innerhalb Europas mehr als 500 000 Kunden mit TUI verreist. Die Balearen seien ebenso ein beliebtes Ziel wie die griechischen Inseln. Für Urlaubsgebiete außerhalb der EU bestehen - abgesehen etwa von der türkischen Mittelmeerküste - allerdings nach wie vor Reisewarnungen.

Um die Krise zu überstehen, hat sich TUI Staatshilfen im Umfang von drei Milliarden Euro gesichert. Ein im April gewährter Kredit der Förderbank KfW über 1,8 Milliarden Euro soll um 1,05 Milliarden Euro aufgestockt werden. Überdies sollen 150 Millionen Euro über eine Wandelanleihe an TUI gehen, die der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes zeichnet. Solche Anleihen können vom Besitzer unter bestimmten Bedingungen in Aktien umgetauscht werden.

So könnte der Bund mit bis zu neun Prozent bei TUI als Miteigentümer einsteigen. Damit könnte sich der Staat - nach der Lufthansa - an noch einem großen Konzern beteiligen. Joussen sieht das aufgestockte Darlehen vor allem als Vorsorgemaßnahme für den Fall, dass die Nachfrage nicht spätestens ab Herbst anzieht. Bis Ende September müssen die formalen Konditionen für die Hilfe erfüllt sein.

Die Touristikbranche gehört zu den am schwersten von der Pandemie gebeutelten Wirtschaftszweigen. TUI hat Einsparungen angeschoben, die von Betriebsräten und Gewerkschaftern heftig kritisiert werden. So stößt die geplante drastische Verkleinerung der eigenen Flotte Tuifly auf heftigen Widerstand in der Belegschaft. Bisher sollen im Konzern 8000 Jobs abgebaut werden, vor allem im Ausland. Die allgemeinen Kosten sollen pro Jahr um über 300 Millionen Euro sinken.

Durch die bisherigen Schritte habe man die finanziellen Corona-Folgen eindämmen können, erklärte TUI. So habe der bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres zwar bei 2 Milliarden Euro gelegen - rechne man den Faktor Viruskrise heraus, betrage das Minus aber nur rund 100 Millionen Euro, was einer Verbesserung gegenüber dem Vorjahr entspreche. Im Winter ist das Geschäft der Reiseanbieter traditionell schwach, sie verdienen ihr Geld in regulären Jahren in erster Linie im Sommer. Netto lag der Fehlbetrag vom Oktober 2019 bis zum Juni 2020 bei TUI bei rund 2,3 Milliarden Euro - etwa das Siebenfache des Vorjahreswerts.

Auch wichtige Investitionen wurden zuletzt gekappt. Ausgenommen ist der Umbau in Richtung Digitalisierung. TUI will im Vertrieb stärker über Plattformen und einen einheitlichen Markenauftritt arbeiten. Die Kunden sollen außerdem eine zentrale Service-App nutzen können.

Joussen setzt auf eine baldige Stabilisierung der Corona-Lage. Die Zeichen stünden derzeit gut. Man gehe davon aus, bis zum Ende des laufenden Quartals die Kosten im laufenden Betrieb wieder decken zu können, und die Buchungen für den nächsten Sommer entwickelten sich bereits positiv. Eine genaue Prognose für das Gesamtjahr will der Vorstandschef noch nicht abgeben. Er glaubt jedoch, dass TUI gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Das Unternehmen werde "langfristig wirtschaftlich wieder so erfolgreich sein wie vor der Pandemie".

Kunden buchen sehr kurzfristig - Preise diesen Sommer unter Druck

TUI muss seine Urlaubsangebote in diesem Sommer wegen der Corona-Pandemie mit spürbaren Preisabschlägen verkaufen. Die Preise lägen geschätzt im Schnitt gut 10 Prozent niedriger als im Vorjahr, sagte TUI-Chef Fritz Joussen am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Viele Kunden buchten ihren Urlaub derzeit erst wenige Tage vor der Abreise. So bringe der Konzern die Auslastung seiner Hotels in vielen Fällen in der letzten Woche vor dem jeweiligen Reisetermin um 20 Prozent nach oben.

Nach dem monatelangen Reisestopp wegen der Pandemie läuft das TUI-Geschäft erst seit Mitte Juni wieder an. Der Konzern hat sein Angebot für den Sommer um 70 Prozent zusammengestrichen. Die tatsächlich angebotenen Reisen seien im Juli allerdings zu 89 Prozent gebucht worden, sagte Joussen. TUI brauche eine Quote von 80 bis 90 Prozent.

Einen großflächigen Reisestopp wie im abgelaufenen Quartal hält Joussen "nicht für sehr wahrscheinlich". Sollte es kurzfristig Beschränkungen für einzelne Reiseländer oder Regionen geben, erwartet er keine Stornierungswelle. "Leute, die einmal sagen, sie wollen in Urlaub fahren, wollen dann immer noch in Urlaub fahren." Dies habe sich gezeigt, als die britische Regierung zuletzt eine 14-tägige Quarantäne für Spanien-Urlauber einführte. Diejenigen Kunden, deren Reise noch bevorstand, hätten größtenteils umgebucht. "Es gab kaum Stornierungen", sagte Joussen.

TUI-Chef: So gut wie alle Rückerstattungen durch - viele Umbuchungen

Bei TUI haben die meisten Kunden, deren Reisen wegen der Corona-Risiken ausfielen, ihr Geld inzwischen erstattet bekommen. "Bis Ende Juli war weitgehend alles zurückgezahlt", sagte Konzernchef Fritz Joussen am Donnerstag. Es sei aber erfreulich, dass sich viele Urlauber auch für Umbuchung statt Stornierung entschieden hätten. Oft seien Gutscheine genutzt und Reisen verschoben worden. Darüber hinaus gelte: "Wir haben gute Neubuchungen."

Wegen der in etlichen Fällen schleppenden Rückerstattung von Anzahlungen oder Ticketpreisen hatte es Kritik an Reise- und Luftverkehrsunternehmen gegeben. Vor allem bei der Lufthansa warten zahlreiche Kunden noch immer auf ihr Geld.

Für TUI berichtete Joussen von rund 1,7 Millionen Neubuchungen seit der schrittweisen Wiederaufnahme des Geschäfts im Juni. "Das ist nicht wenig, das ist ganz schön viel", meinte er mit Blick auf die insgesamt angespannte Lage der Touristikbranche. Auch die Zahlen für den Sommer 2021 sähen mittlerweile "sehr vielversprechend" aus. Das Kreuzfahrtgeschäft stabilisiere sich ebenfalls wieder.

"Wir wissen nicht, ob es noch mal einen Lockdown geben kann", warnte der TUI-Chef. "Deshalb ist es wichtig, dass wir uns um Kreditlinien nicht noch einmal kümmern müssen." Am Mittwoch hatten TUI und das Wirtschaftsministerium eine Aufstockung des staatlichen Milliardendarlehens für die Hannoveraner bekanntgegeben. Ein Einstieg des Bundes wie bei der Lufthansa wäre im Herbst nun denkbar.

Der größte Reiseanbieter der Welt hofft, dass sich bis 2022 ein "normales Niveau" im Urlaubsgeschäft einstellt. Für Spanien etwa gibt es allerdings schon neue Reisewarnungen. TUI setzt darauf, dass spätestens im Jahresverlauf 2021 ein Corona-Impfstoff vorliegt. "Dann wird die Nachfrage zurückkehren", schätzt Joussen.

Die TUI-Aktie verkraftete die Zahlen nicht gut: Via XETRA verlor sie zum Börsenschluss 6,21 Prozent auf 3,82 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier fast zwei Drittel an Wert eingebüßt. Inzwischen ist TUI an der Börse nur noch rund 2,4 Milliarden Euro wert.

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HANNOVER (dpa-AFX)

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Bildquelle: TUI