Jetzt neu! Crypto CFDs von Plus500 auf Axie Infinity, Chainlink, Uniswap & Filecoin. Jetzt in der Demo kostenlos ausprobieren!*-w-
Hauptversammlung 19.05.2022 17:19:41

Deutsche Bank-Aktie sinkt: Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Achleitner nimmt nach zehn Jahren Amt seinen Hut

Deutsche Bank-Aktie sinkt: Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Achleitner nimmt nach zehn Jahren Amt seinen Hut

"Auch ich habe die Startvoraussetzungen 2012 anders eingeschätzt, als sie sich heute in der Rückschau darstellen", räumte der scheidende Aufsichtsratschef der Deutschen Bank bei seiner letzten Hauptversammlung am Donnerstag ein. "Der Weg in die neue Realität war nicht immer ein geradliniger. (...) Und es wurden Fehler gemacht, und ja, auch ich habe Fehler gemacht." Nachfolger wird Alexander (Alex) Wynaendts (61), den die Aktionäre bei der Online-Hauptversammlung mit großer Mehrheit in das Kontrollgremium wählten.

Als der einstige Investmentbanker Achleitner Ende Mai 2012 einen der wichtigsten Posten der deutschen Wirtschaft übernahm, versprach der scheidende Konzernchef Josef Ackermann ein "besenreines" Haus. Dass die Bank relativ gut durch die Finanzkrise 2007/2008 gekommen sei, sei den damals Verantwortlichen zu Kopf gestiegen, meint Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): "Die Folge dieser Mischung aus Hybris und Arroganz mussten dann im Wesentlichen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie wir Eigentümerinnen und Eigentümer ausbaden."

Nach und nach wurde der Berg teurer Altlasten größer, die Deutschlands größtes Geldhaus jede Menge Geld kosteten und das Image der Deutschenn Bank kräftig ramponierten. Doch zur Wahrheit gehört auch: Während die US-Konkurrenz direkt nach der Finanzkrise Bilanzen entrümpelte, suchte der Frankfurter DAX-Konzern über Jahre nach einem klaren Kurs. "Der Sanierungsbedarf bei der Deutschen Bank war besonders groß und die Sanierung wurde zu spät angepackt", kritisiert Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment, zu Achleitners Abschied nach zehn Jahren im Amt.

Statt in der Champions League zu spielen, verschliss das einst stolze Institut im Stile abstiegsbedrohter Fußball-Clubs einen Trainer nach dem anderen. Der im April 2018 zum Vorstandsvorsitzenden beförderte Christian Sewing ist der vierte Konzernchef in der Ära von Bayern-München-Fan Achleitner, wobei er das anfangs amtierende Duo Anshu Jain/Jürgen Fitschen nicht selbst installiert hatte.

Je länger sich die Deutsche Bank durchwurschtelte - mal sollte die Postbank verkauft werden, dann wurde sie doch ins Privatkundensegment eingegliedert - umso lauter wurde die Kritik auch an Achleitner. 2019 forderten Aktionäre die "Abwahl des Systems Achleitner".

Hat der in der Vergangenheit als Deal-Maker gefeierte Strippenzieher Achleitner zu lange an den falschen Managern festgehalten? Dass ausgerechnet der Investmentbanker Jain als Co-Chef (Juni 2012 - Juni 2015) mit den Auswüchsen des Kapitalmarktgeschäfts aufräumen und einen "Kulturwandel" vorantreiben würde, hielten Kritiker schon bei Jains Berufung für fragwürdig. Danach holte Achleitner John Cryan als Sanierer (Juli 2015 - April 2018), ließ den Briten aber trotz dessen schonungsloser Analyse der Misere des Geldhauses wieder fallen.

"Spiegel Online" zitiert Analyst Dieter Hein von Fairresearch mit einem harschen Urteil: "Es waren zehn verlorene Jahre. Die Aktionäre können froh sein, dass Achleitner bald weg ist." Der so Gescholtene verteidigt in seiner Abschiedsrede bei der Online-Hauptversammlung: 2012 sei nicht absehbar gewesen, dass letztlich "eine grundlegende Sanierung" notwendig sei, "die de facto eine Dekade brauchen würde".

Mit Sewing scheint die Trendwende geglückt. Die Geschäfte der Bank liefen zuletzt wieder besser, der Aktienkurs hat das Rekordtief von knapp 4,45 Euro ein gutes Stück hinter sich gelassen. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern den höchsten Jahresgewinn seit 2011, das laufende Jahr begann mit einem Milliardengewinn im ersten Quartal.

Nach zwei Nullrunden sollen die Aktionäre für das Geschäftsjahr 2021 wieder 20 Cent Dividende je Anteilsschein erhalten. Bis 2025 will der Vorstand rund acht Milliarden Euro an die Anteilseigner ausschütten - ein überfälliger Schritt aus Sicht vieler Aktionäre, schließlich zahlte die Bank auch in mageren Jahren hohe Boni an Investmentbanker.

Nach Ansicht von Andreas Thomae von Deka Investment hat Achleitner nach Strategiewechseln, Personalrochaden und verlustreichen Jahren letztlich die richtigen Weichen gestellt: "Der Umbau mit Fokus auf die Stärken ist gelungen, das richtige Managementteam sitzt am Ruder und die Bank ist insgesamt wieder gut angesehen bei ihren Kunden." Nun gelte es, die Profitabilität auf hohem Niveau zu festigen.

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns", sagt Konzernchef Christian Sewing. In der Tat: Bis Ende des Jahres 2022 will der Vorstand die Rendite auf das materielle Eigenkapital auf acht Prozent nach oben treiben, bis 2025 sollen es gar mehr als zehn Prozent nach Steuern sein. Im Gesamtjahr 2021 waren es gerade einmal 3,8 Prozent.

Doch: "Stolz" ist wieder eine häufig gebrauchte Vokabel in Reden der Deutsche-Bank-Führung. Er verlasse das Institut "in der tiefen Überzeugung, dass wir alle gemeinsam in den vergangenen Jahren die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt haben - strategisch ebenso wie personell", resümiert Achleitner. Sewing sekundiert: "Sie hinterlassen uns und ihrem Nachfolger ein gut bestelltes Haus."

Anschließend spielt die Bank ein minutenlanges Video ab, in dem aktuelle und ehemalige Mitstreiter Achleitner für "unermüdlichen Einsatz" zum Wohl der Deutschen Bank loben. Der Österreicher, kurzzeitig sichtlich gerührt, hatte seinen im Herbst ausgeguckten Nachfolger für die Aufsichtsratsspitze, den Niederländer Wynaendts, bereits zuvor anmoderiert. Am Tag nach dem Sieg von Eintracht Frankfurt in der Europa League wählt Fußball-Fan Achleitner einen sportlichen Vergleich: "Die Europaliga kann man aus Frankfurt heraus also offensichtlich schon gewinnen, selbst mit einem Österreicher als Coach. Für die Champions League braucht es sicher dann noch einen holländischen Trainer." Mit der am Donnerstag vollzogenen Wahl von Wynaendts beginnt bei der Deutschen Bank eine neue Zeitrechnung.

Neuer Chefkontrolleur der Deutschen Bank: «Mathe-Boy» Wynaendts

Alexander wer? Mit der Nominierung von Alexander (Alex) Wynaendts als künftigem Aufsichtsratschef überraschte die Deutsche Bank im November. Der Niederländer Wynaendts (61) also soll nun Deutschlands größtem Geldhaus Orientierung geben. Paul Achleitner (65) räumte nach zehn Jahren mit Ablauf der Hauptversammlung am Donnerstag einen der wichtigsten Posten der deutschen Wirtschaft. Die Aktionäre wählten Wynaendts mit großer Mehrheit in den Aufsichtsrat, unmittelbar nach der Online-Hauptversammlung wollte ihn das Kontrollgremium zu seinem neuen Vorsitzenden bestimmen.

Die Deutsche Bank hatte die Auswahl damit begründet, dass Wynaendts "über umfassende Expertise und jahrzehntelange Erfahrung im Finanzsektor weltweit" verfüge. Wynaendts begann seine Laufbahn bei ABN Amro, wo er 1984 bis 1997 im Geschäft mit vermögenden Privatkunden sowie im Investmentbanking in Amsterdam und London tätig war. Anschließend wechselte er zum niederländischen Versicherungskonzern AEGON. Dort stieg Wynaendts zum Vorstandsvorsitzenden auf (2008 bis 2020).

Während seiner Amtszeit baute Wynaendts den Versicherungskonzern um und trieb das Digitalgeschäft voran. "Ich habe mich schon immer sehr für Technik interessiert", sagte der Niederländer in einer Videobotschaft an die Aktionärinnen und Aktionäre am Donnerstag und verwies auf sein Elektrotechnik-Studium in Paris.

Erfahrungen in den Kontrollgremien internationaler Konzerne sammelt beziehungsweise sammelte der Niederländer unter anderem beim Fahrdienst Uber, der Fluggesellschaft Air France-KLM sowie der US-Großbank Citigroup.

Den Posten bei der Citigroup habe er für seine neue Aufgabe bei der Deutschen Bank gerne aufgegeben, versicherte Wynaendts den Anteilseignern des Frankfurter DAX-Konzerns. Er zeigte sich überzeugt: "Die Deutsche Bank hat turbulente Zeiten hinter sich, aber sie hat in den vergangenen Jahren die Wende geschafft."

Uneingeschränkt positiv wurde die Nominierung des Niederländers nicht aufgenommen. Schon im November monierte die Fondsgesellschaft Union Investment, aus Wynaendts' bisherigen beruflichen Stationen sei "nicht erkennbar, dass er mit der deutschen Corporate Governance vertraut ist". Kurz vor der Hauptversammlung kündigte Fondsmanagerin Alexandra Annecke dann im "Handelsblatt" an, Union Investment werde sich bei dem Aktionärstreffen gegen die Wahl von Wynaendts als Nachfolger von Aufsichtsratschef Achleitner aussprechen: "Der Grund dafür ist Ämterhäufung, er hat aus unserer Sicht zu viele Mandate."

Der verheiratete Vater zweier Kinder ist viel herumgekommen: Moskau, Beirut, Brüssel sind nur einige der Stationen, an denen sich der Sohn eines Diplomaten mit Eltern und Geschwistern in jungen Jahren einleben musste.

Gerne zitiert wird eine frühere Aussage von Wynaendts aus einem Interview 2010. Gefragt, warum er nicht Diplomat geworden sei wie sein Vater, antwortete Wynaendts: "Ich bin ein echter Beta." Diplomatie sei "etwas für Alphas".

Sieht sich der designierte Aufsichtsratschef des größten deutschen Geldhauses also als Mann aus der zweiten Reihe? Im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit" klärte Wynaendts kürzlich auf, was es mit den Begrifflichkeiten auf sich hat: In den Niederlanden nennt man demnach Menschen "Alphas", die sprachlich begabt sind. Wer eher mathematische Fähigkeiten hat, werde als "Beta" bezeichnet. Ihr Vater sei ein "Mathe-Boy", sagte Wynaendts' Tochter der "Zeit" zufolge kürzlich einer niederländischen Zeitung - also vielleicht doch ganz gute Voraussetzungen für den Job bei der Deutschen Bank. Die Deutsche Bank-Aktie fällt via XETRA zeitweise 0,19 Prozent auf 9,45 Euro.

FRANKFURT (dpa-AFX)

Weitere Links:

JETZT DEVISEN MIT BIS ZU HEBEL 30 HANDELN
Handeln Sie Devisen mit hohem Hebel und kleinen Spreads. Mit nur 100,00 € können Sie von der Wirkung von 3.000 Euro Kapital profitieren.
77% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

Bildquelle: Mario Tama/Getty Images,Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com,Deutsche Bank AG,Slava2009 / Shutterstock.com