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Zuversichtlich für 2020 28.02.2020 17:43:00

Erste-Aktie dreht ins Plus: Erste Group 2019 mit mehr Betriebsgewinn, netto weniger

Erste-Aktie dreht ins Plus: Erste Group 2019 mit mehr Betriebsgewinn, netto weniger

Im Schlussquartal war es aber doch deutlich mehr als vor einem Jahr. Es gab jedoch auch wieder hohe Eingänge aus bereits abgeschriebenen Forderungen, das heißt frühere Wertberichtigungen konnten aufgelöst werden.

Der Anteil notleidender Kredite am Gesamtkreditvolumen (Non Performing Loans Quote/NPL) ist unter 3 Prozent gedrückt worden. "Mit 2,5 Prozent gab es zum Jahresende 2019 die niedrigste NPL-Quote seit dem Börsengang 1997", schreibt die Bank am Freitag zum vorläufigen Jahresergebnis 2019. In Österreich sind es nur 1,4 Prozent, in Kroatien liegt man auch schon tiefer als früher bei 7 Prozent.

Im Konzern ist das Kreditvolumen 2019 um 7,3 Prozent angewachsen, die Einlagen legten um 6,9 Prozent zu. Das Kreditwachstum soll heuer weiter einstellig voranschreiten.

Weil die Betriebserträge stärker gestiegen sind als die Aufwendungen, verdiente die Bank operativ mehr. Das soll auch 2020 so weitergehen.

Die Steigerung des Betriebsgewinns um 8,7 Prozent auf nahezu 3 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2019 zeige, dass die Erste Group kerngesund sei, sagte der seit Jahresbeginn amtierende Bankchef Bernhard Spalt. "Das ist im europäischen Bankensektor momentan eher selten." Spalt hat heuer das Erbe des Langzeitchefs Andreas Treichl angetreten.

Die Dividende steigt für 2019 von 1,40 auf 1,50 Euro je Aktie. Das war zuvor angekündigt worden. Im Ausblick für 2020 wird eine "schrittweise Erhöhung der Dividende pro Aktie" prognostiziert.

Belastende Einmaleffekte hatten 2019 den Nettogewinn nach vorläufigen Angaben um 18 Prozent gedrückt. Mit einer Abwertung um 165 Mio. Euro ist der "Goodwill" in der Slowakei komplett abgeschrieben worden. Nach einem für die Banken negativen Bausparurteil in Rumänien wurde dort eine Rückstellung von 152 Mio. Euro für erwartete Verluste gebildet. Das hatte schon im Halbjahr die Bilanz belastet.

Als Unsicherheitsfaktoren für den Ausblick gelten neben der Zinslandschaft und geopolitischen Entwicklungen auch wirtschaftspolitische Risiken durch das Coronavirus.

Erste bleibt an Polen-Zukaufsplan dran - Auch Tschechen-Banken Thema

Die börsennotierte Erste Group hatte monatelang als aussichtsreicher Kandidat für die polnische Commerzbank-Tochter mBank gegolten, dann aber von einem Übernahmeangebot abgesehen. Der neue Erste-Konzernchef Bernhard Spalt nannte Polen am Freitag dennoch weiterhin als interessanten Zielmarkt für sein Institut.

"Polen bleibt interessant", wäre als Nicht-Euro-Gebiet auch im wohl noch lang dauernden niedrigen Euro-Zinsumfeld ein Thema und ist bisher der einzige große Markt, der im Osteuropabankennetz der Gruppe wirklich fehlt. Ansonsten wolle man in den bestehenden Märkten wachsen, organisch wie über allfällige Akquisitionen. In große neue Märkte will man mit Zukäufen von Beteiligungen oder Banksparten sonst nicht vorstoßen, sehr wohl ist dies aber mit der Onlineplattform George möglich. Eine angedachte Expansion mit George nach Deutschland ist aber vorerst vertagt.

Einer der Märkte, auf dem kleinere Banken auf den Markt kommen könnten, ist gerade auch Tschechien. Sobald hier etwas auf dem Tisch liegt, will die Erste - die in Tschechien mit der Tochterbank Ceska Sporitelna großflächig vertreten ist - schauen, ob etwas sowohl vom Preis als auch von der Strategie her passt.

Coronavirus - Erste-Bankengruppe: Umarmen verboten

Zum Schutz vor dem Coronavirus hat die Erste Group für ihre Konzernbelegschaft bereits verfügt, Dienstreisen auf das äußerst notwendige Maß zu reduzieren, Meetings durch Skype-Konferenzen zu ersetzen. Im täglichen Umgang der Mitarbeiter untereinander und bei der Begrüßung von Gästen gibt es in dem international aufgestellten Konzern auch noch andere Ratschläge: "No hugs, no shakehands."

Freundschaftlich-kollegiale Umarmungen und herzliches Händeschütteln sind also bis auf weiteres einzuschränken. Von letzterem wurde am Freitag bei der Jahrespressekonferenz unter erstmaligem Vorsitz von Konzernchef Bernhard Spalt "trotz Verbots" abgesehen.

In der Wiener Erste-Zentrale sind vor den Aufzügen Spender mit Desinfektionsmitteln angebracht, in den Filialen wurden bzw. werden sie gerade installiert.

Oberste Priorität sei es, die Gesundheit von Mitarbeitern und Kunden zu schützen, sagte Spalt bei der Pressekonferenz. Es gehe auch um die Betriebssicherheit, wenn das eine oder andere Objekt behördlich geschlossen würde. Man sei in engem Austausch mit den Behörden. Die Beschäftigten sind angehalten, Laptops mit nach Hause zu nehmen, um im Fall des Falles - wo möglich - auf Home Office auszuweichen. Insgesamt gilt aber auch der Appell: Keine Angst, keine Panik, und Händewaschen so oft es geht.

Zu Folgen der Virus-Ausbreitung für die globale Konjunktur bzw. auf die Lage von heimischen Unternehmen wollte sich Spalt heute nicht äußern. Dafür sei es viel zu früh. Große Unternehmen mit drohenden Unterbrechungen ihrer Lieferketten mit Asien würden früher Konsequenzen zu spüren bekommen als kleine heimische Mittelbetriebe.

Erste hat genug Geld für kleinere Zukäufe und hält an Sparbuch fest

Mit 13,7 Prozent Kapitalquote sieht sich die Erste Group komfortabel ausgestattet. Dies erlaube es, bei kleineren Banken oder Banksparten in der Region aus dem Rahmen zuzugreifen. Größere Akquisitionen, wie es die polnische mBank gewesen wäre, würden Kapitalmarkttransaktionen bedingen, sagt Erste-Chef Bernhard Spalt. Auf Halde halte man keine Gelder vor. Am Papiersparbuch hält die Bank fest.

Osteuropa wachse trotz leichter Abschwächungen weiter viel stärker als der Westen. Im Osten ist daher weiter Expansion geplant. In geografisch große neue Märkte will Spalt aber nicht gehen. Abgesehen allenfalls von Polen, das ungeachtet des überraschend nicht weiter verfolgten Kaufs der dortigen Commerzbank-Tochter mBank für die Gruppe weiterhin ein interessanter Markt wäre. Polen ist auch der einzige Markt, der im Erste-Ostnetzwerk noch fehlt. Marktgründe seien es nicht gewesen, warum man kein Angebot für die mBank gelegt habe. Über die "spezifischen" Gründe machte Spalt keine näheren Angaben.

Ansonsten wolle man in den bestehenden Märkten wachsen, in denen die Erste Group schon aktiv ist - organisch wie über allfällige Akquisitionen. Die physische Präsenz soll damit im wesentlichen auf die Kernregion fokussiert bleiben. Gänzlich ausgenommen von einer räumlichen Expansions-Beschränkung ist die Onlineplattform George. Die soll nach der bald vollzogenen Etablierung in allen CEE-Märkten der Ersten auch im Westen einmal ausgerollt werden. Eine schon angedachte Expansion mit George nach Deutschland ist aber vorerst vertagt, zumindest für die nächsten eineinhalb Jahre.

In Tschechien ist die Erste Group mit der Ceska Sporitelna Bank (CS) großflächig vertreten. Sollten dort, wie momentan erwartet wird, kleine Banken auf den Markt kommen, wolle man sich dies anschauen, ob es von der Strategie und vom Preis her passt.

Spalt ist seit Anfang Jänner Vorstandschef der Erste Group. Er ist Langzeitchef Andreas Treichl nachgefolgt. Neben Wachstum und Digitalisierung sind für Spalt weiter Effizienzsteigerungen ein Kernthema. Die Kosten sollen herunterkommen, ein Mitarbeiterabbauprogramm läuft aber nicht, wurde erklärt. Die Gruppe will Redundanzen beseitigen und Prozesse "optimieren".

2019 habe es nicht nur quer über alle Länder hervorragende Zuwächse gegeben, sondern auch über alle Segmente, erläuterte Finanzvorstand Stefan Dörfler. Nach der Erhöhung der Dividende für 2019 von 1,40 auf 1,50 Euro je Aktie werden auch für heuer Dividendensteigerungen erwartet. Negative Einmaleffekte wie dreistellige Millionen-Sonderabschreibungen und Rückstellungen im Jahr 2019 sollen heuer ausbleiben. Daher soll der Nettogewinn 2020 höher zu liegen kommen.

Sollten die Kapitalquoten nachhaltig, also mehrere Quartale hindurch, deutlich über 14 Prozent zu liegen kommen, werden aus Überschusskapital höhere Ausschüttungen diskutiert werden, allenfalls auch über einen Aktienrückkauf.

In Österreich haben einige Banken zuletzt für Aufregung gesorgt, weil sie die traditionellen Papiersparbücher mit ihren kostenfreien Bareinzahlungen und -Auszahlungen am Schalter nicht mehr wollen. Von einzelnen Banken war im Herbst bekannt geworden, dass sie Kunden mit dem Wunsch nach Eröffnung eines Papiersparbuchs schon wegschicken. Die Hypo Niederösterreich hat überhaupt schon beschlossen, keine neuen Sparbücher mehr ausgeben zu wollen. Favorisiert wird von den Banken generell die digitale Sparkarte.

In der Ersten ist die Aufgabe des klassischen Sparbuchs dabei "überhaupt kein Thema", sagte Österreich-Bank-Chef Peter Bosek heute. "Wir haben das Sparbuch erfunden." Die Banken hätten hier auch eine Verwahr-Verantwortung. Die Weitergabe der Negativzinsen auf Spareinlagen im Privatkundenbereich bleibe ausgeschlossen. Versuche, die damit verbundenen Kosten über neue Gebühren hereinzukriegen, würde er wohl "keine acht Stunden überleben", meint der Banker auf Journalistenfragen unter Hinweis auf die Interessen von Konsumentenschützern. Forcieren will die Bank das Wertpapierveranlagungsgeschäft, was im aktuellen Börsenumfeld auch eine Herausforderung ist.

In Wien hatten die Papiere der Erste Group am Freitag in dem vom Coronavirus-Sorgen geprägten äußerst schwachen Marktumfeld zunächst deutlich nachgegeben, zum Handelsende stiegen sie jedoch um 0,1 Prozent und waren damit 31,03 Euro wert.

rf/pro/cs

APA

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Bildquelle: Christian Wind,Erste Group/fischka.com,Pavel Kapysh / Shutterstock.com