27.02.2015 16:21:00

Erste-Chef verspricht Ende der Hiobsbotschaften

Mit ihrer Milliardenabschreibung 2014 will die Erste Group die größte Risikolast abgeschüttelt und die Serie negativer Überraschungen beendet haben. Im vierten Quartal hat ein Mini-Gewinn von 42 Mio. Euro den Jahresverlust schließlich bei 1,44 Mrd. Euro festgemacht. Das war am unteren Ende der vom Vorstand seit Juli genannten Bandbreite von 1,4 bis 1,6 Mrd. Euro. Ein Verlustrekord war es allemal.

2015 erwartet der Bankchef Gewinn. Das 2014 stabil gehaltene Betriebsergebnis (3 Mrd. Euro) dürfte heuer zwar geringer ausfallen, viel weniger Geld will man aber für faule Kredite zur Seite legen müssen. Auch 2016 und 2017 sollen keine negative Überraschungen folgen, so der Vorstand. Zu konkreteren Aussagen zum Gewinn, zum Kreditrisiko oder zu einer Dividende für 2015 lässt sich die Bankspitze nicht bewegen. "Unser Regulator hat uns ausdrücklich ersucht, keine Kommentare zu zukünftigen Ausschüttungsquoten zu machen", sagte Bankchef Andreas Treichl. Für 2014 gehen die Aktionäre leer aus.

In zwei Jahren sollen die jahrelangen Verlustbringer, die Tochterbanken in Rumänien (BCR) und in Ungarn (Erste Bank Hungary) die roten Zahlen hinter sich haben. Treichl sieht in der Rumänien-Bank (Verlust 2014: 614 Millionen Euro) "ganz klar heuer" einen Gewinn. In Ungarn (Verlust 2014: 330,6 Mio. Euro) soll das 2016 so sein. Hier drücken Nachwehen der Fremdwährungskredit-Konvertierung noch auf die Bilanz. Ebenso die hohe ungarische Bankensteuer. Sie wird erst ab 2016 sinken. Das ist Teil eines Deals mit der ungarischen Regierung, der auch einen Einstieg des ungarischen Staats bei der Erste Bank Hungary mit bis zu 15 Prozent umfasst. Details dazu gibt es Ende Juni.

Für eine Erhöhung des Kernkapitals der börsennotierten Erste Group sieht Treichl keinen Anlass. Anders als die Konkurrenz (Raiffeisen Bank International) hat er keinen Rückzug aus einem Markt im Osten vor. "Wir werden uns sehr bemühen, in den nächsten Jahren in einem nicht sehr wachsenden Markt unseren Konkurrenten Marktanteile wegzunehmen." Mit Zukäufen und Übernahmen wird das die nächsten zwei Jahre aber nicht passieren. Damit ist auch ein Übernahmeangebot für die heuer zum Verkauf stehende polnische RBI-Tochter Polbank kein Thema.

Die Erste gab heute zu, dass es in den letzten vier bis fünf Jahren immer wieder negative Überraschungen gab. Treichl findet daher, "dass wir jetzt einmal zwei Jahre Stabilität in der derzeitigen Konstruktion zeigen sollten". Auch in Polen werde es immer wieder Banken zu kaufen geben.

Größter Ertragsbringer war 2014 abermals die Bank in Tschechien, mit einem Nettogewinn von 506 Mio. Euro. In der Slowakei blieb der Gewinn mit 178,7 Millionen fast stabil. In Kroatien gab es mit 32,6 Mio. Euro dreimal so viel Profit wie im Jahr davor.

Einen kleinen Verlust lieferte die Tochter in Serbien (5,4 Mio. Euro). Rückläufig war das Ergebnis im Segment Sparkassen. Im Großkundenportfolio und mit gewerblichen Immobilien legte die Bank einiges Geld ab.

Die Erste hat 2014 faule Kredite losgeschlagen. Mehr als die Hälfte der Verkäufe (insgesamt 1,1 Mrd. Euro) fiel ins vierte Quartal. Die Kreditrisikokosten wuchsen um ein Fünftel auf 2,16 Mrd. Euro an. Primär in Rumänien wurde der Abbau des Bestands an Non Performing Loans (NPL) vorangetrieben. Somit ging im Konzern die NPL-Quote - also die faulen Kredite am Gesamtbestand - von 9,6 auf 8,5 Prozent zurück. In Ungarn liegt der Anteil über einem Viertel, in Rumänien mittlerweile unter dieser Schwelle.

Erstmals seit 2011 gab es ein Kreditwachstum in Milliardenhöhe. Die Niedrigzinsen machen den Banken zu schaffen. "Die einzige echte Möglichkeit den Zinsertrag zu steigern, ist durch ein überproportionales Wachstum bei den Krediten. Das müssen aber gute Bonitäten sein, so dass zusätzliche Zinserträge nicht wieder durch zusätzliche Risikokosten aufgefressen werden", so Treichl. Zur "absurd" anmutenden Entwicklung um Negativzinsen sagte er, die Erste Gruppe werde alles in ihrer Kraft stehende tun, Kunden etwas zahlen zu können, wenn sie Geld einlegten. "Dafür werden wir kämpfen". Auf der anderen Seite sieht der Banker es auch als unwahrscheinlich, dass die Bank bei einem Kredit dem Kunden etwas drauf zahlt. Aber in diesen Zeiten sei überhaupt nichts ausgeschlossen, was ein paar Jahre davor noch als undenkbar galt.

Zu einem kolportierten Deal, die Banken könnten sich über eine Abschlagszahlung in Zukunft von der Bankensteuer befreien, gab sich Treichl verschlossen. Es gebe "Gespräche". Dass bei der Steuerreform jetzt eine Reduktion der Bankensteuer rauskommt, glaubt er jedenfalls nicht. Sollte dem ersten Hypo-Anleihenhaircut ein größerer (Heta-)Schuldenschnitt folgen, hätte dies für die Erste nach Angaben des Vorstands einen "überschaubaren" Effekt.

(Schluss) rf/itz

ISIN AT0000652011 WEB http://www.erstegroup.com

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