26.06.2014 16:07:00

Ewald Nowotny - "Krisenerprobter" Notenbanker wird 70

Besondere Eigenschaft: "krisenerprobt". So könnte die kürzeste Beschreibung für den ehemaligen Universitätsprofessor, Politiker und nunmehrigen Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny lauten, der am kommenden Samstag seinen 70. Geburtstag feiert. Erstmals im Zentrum einer veritablen Krise sah sich Nowotny im Jahr 2006, als er Generaldirektor der ehemaligen Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. wurde.

Als Generaldirektor der skandalgebeutelten Gewerkschaftsbank wurde Nowotny auch erstmals in der breiten Öffentlichkeit bekannt. "Das waren zwei sehr schwierige Jahre, vielleicht sogar die schwierigsten meine Karriere. Der öffentliche Druck war enorm hoch", sagte Nowotny kürzlich im Rückblick in einem Zeitungsinterview.

Doch auch nach seinem Wechsel an die Spitze der Nationalbank zum Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise im September 2008 wurde es für Nowotny nicht ruhiger. "Dass man als Notenbanker so in der Öffentlichkeit steht, ist für mich ein Krisensymptom", so der Notenbanker, der sich gemeinsam mit seinen Amtskollegen in der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Jahren auch mit Eurokrise, Bankenkrise, Staatsschuldenkrise, Wirtschaftskrise usw. herumschlagen muss.

Als Mitglied des EZB-Rates, dem bei der Bewältigung der vielen Krisen eine führende Rolle zukommt, ist Nowotny voll des Lobes für die Arbeit in der EZB: "In den Entscheidungsgremien der EZB habe ich ein Ausmaß von Rationalität erlebt, das ich aus anderen Bereichen, in denen ich tätig war, nicht so kannte." Als Ökonom sei er "völliger Realist", und als rationaler Mensch fühle er sich in der Notenbank sehr wohl.

Zuletzt musste Nowotny den von der Regierung per Sondergesetz geplanten Schuldenschnitt verteidigen, von dem einige Gläubiger der notverstaatlichten Hypo Alpe Adria Bank trotz Landesgarantie betroffen sind. Das sei ein Sonderfall und "nicht typisch", so der Spitzenbanker. Zugleich betonte die Nationalbank in einer Stellungnahme gegenüber der Regierung, dass sie prinzipiell dagegen sei, dass per Gesetz nachträglich in erworbene Rechte Dritter eingegriffen werde.

Nowotny wurde 2008 nicht zuletzt wegen der mit Bravour gemeisterten Rettung der BAWAG als erster Sozialdemokrat an die Spitze der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) berufen. 2013 wurde sein Vertrag um weitere sechs Jahre verlängert. Gerüchte, wonach er per Jahresende in Pension gehen würde, dementierte er mit den Worten: "Ich sehe meine Aufgabe als eine sehr schöne Aufgabe an und sehe daher keine Veranlassung, früher zu gehen."

Nowotny kann bereits auf ein eindrucksvolles akademisches, politisches und wirtschaftliches Leben zurückblicken. Er sei "alles andere als ein Bewohner des Elfenbeinturms", hatte sein Lehrer, Nationalökonom Kurt Rothschild, anlässlich des 60. Geburtstags von Nowotny erklärt. "Solidarische Leistungsgesellschaft" ist auch einer der wichtigsten Begriffe in Nowotnys umfangreichem Werk.

Geboren wurde Nowotny am 28. Juni 1944 in Wien. Nach dem Jusstudium an der Universität Wien wurde er 1968 Hochschulassistent am Institut für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft der Universität Linz, wo er 1973 habilitierte. Es folgten Forschungsaufenthalte und Professuren an der Harvard-Universität und der TU Darmstadt. Von 1981 bis 2008 war Nowotny ordentlicher Universitätsprofessor an der Wiener Wirtschaftsuniversität, von 2003 bis 2005 dort auch Vizerektor für Finanzen, und seit April 2013 Mitglied des Universitätsrates der WU.

Seine wirtschaftlichen Tätigkeiten begann Nowotny bei der Postsparkasse (P.S.K.), die später mit der BAWAG fusioniert wurde. Dort war er von 1971 bis 1979 Mitglied - und später Präsident - des Verwaltungsrates. Von September 1999 bis August 2003 war er Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), von 2006 bis Ende 2007 Generaldirektor der BAWAG P.S.K. und seit September 2008 Gouverneur der Nationalbank.

Politisch war Nowotny im Verband Sozialistischer Studenten, später im Bund Sozialistischer Akademiker (als Obmann der Fachgruppe Hochschullehrer in Oberösterreich) tätig, 1976 wurde er in den Bezirksparteivorstand der SPÖ Linz berufen. 21 Jahre lang - von April 1978 bis 1999 - gehörte Nowotny dem Nationalrat an, wo er auch Vorsitzender des parlamentarischen Finanzausschusses war. Auch in der SPÖ-Bundesbildungsorganisation war er aktiv.

Nowotny lässt sich nicht gerne öffentlich feiern, und so haben sich zahlreiche Arbeitskollegen, Freunde und Weggefährten zusammengefunden, um ihn und sein politisches und ökonomisches Denken und Wirken mit einer Festschrift zu würdigen. Unter den Autoren und Gratulanten finden sich neben Bundespräsident Heinz Fischer auch EZB-Präsident Mario Draghi und Bundeskanzler Werner Faymann, Finanzminister Michael Spindelegger und die Präsidenten und Gouverneure mehrerer europäischer Zentralbanken. Die Festschrift wurde allerdings nicht rechtzeitig fertig und wird erst im Herbst erscheinen. Eine kleine Broschüre zur Ankündigung der Festschrift wurde Nowotny bereits diese Woche im kleinen Kreis überreicht.

Gegenüber der APA würdigte Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) den Gouverneur: "Ewald Nowotny hat in der Finanzkrise seine Professionalität und Besonnenheit als Nationalbank-Gouverneur unter Beweis gestellt. Als Mitglied der Hypo-Taskforce war er entscheidend an der Lösung der Hypo Alpe Adria-Problematik beteiligt. Auch auf europäischer Ebene leistete Nowotny als EZB-Direktoriumsmitglied wertvolle Arbeit bei der Bewältigung der Eurokrise. Daher danke ich Ewald Nowotny für seinen unermüdlichen Einsatz für die Stabilität des Finanzsystems und wünsche ihm privat alles Gute zum 70. Geburtstag."

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl bezeichnet Nowotny als "eine europäische Persönlichkeit, die Theorie und Praxis wie wohl kaum ein Anderer verbindet".

(Schluss) ggr/ivn

WEB http://www.oenb.at/

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