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24.03.2021 12:07:00

FACC setzt Hoffnungen auf Impfungen und Klimawandel

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Der in der Coronakrise unter Druck geratene Luftfahrzulieferer FACC setzt darauf, dass die Covid-Impfungen zu einem Flugboom führen. Langfristig erhoffen sich die Oberösterreicher vom Kampf gegen den Klimawandel zusätzliches Geschäft im Leichtbau von Verkehrsflugzeugen. Von einer Abkehr vom Fliegen geht Vorstandschef Robert Machtlinger nicht aus, er erwartet, dass bis 2040 43.000 neue Flugzeuge gebaut werden, wie er am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz sagte.

In China und Russland hat sich der Luftfahrtsektor laut FACC schneller vom Einbruch erholt. Auch in den USA und Großbritannien kehren mit dem Impffortschritt auch die Reisebuchungen zurück. Viele Airlines haben wegen der Krise die Abnahme neuer Flugzeuge nach hinten verschoben, storniert worden seien mit 900 Jets aber vergleichsweise wenig. Überstanden ist die Krise für die Branche aber noch länger nicht. 9.000 Flugzeuge weltweit seien derzeit gar nicht im Einsatz. Machtlinger geht davon aus, dass mindestens 1.800 ältere Flugzeuge nicht mehr auf den Himmel zurückkehren und vorzeitig ausgemustert werden. "Die Klimadiskussion wird die Nachfrage nach neuen, effizienten Flugzeugen beflügeln", so Machtlinger.

Von einem CO2-freien Flugverkehr ist die Luftfahrtindustrie noch weit entfernt, daher setzen die Flugzeugbauer Boeing und Airbus sowie deren Zulieferer vor allem auf Jets, die weniger Kerosin verbrauchen und damit auch weniger klimaschädliches Kohlendioxid ausstoßen. Die Entwicklung sparsamerer Flugzeuge hilft gleichzeitig den Fluggesellschaften Treibstoffkosten zu sparen und Flugtickets günstiger anbieten zu können.

Die Corona-Pandemie hat FACC 2020 in ordentliche Turbulenzen gebracht. Das Unternehmen, das Flugzeugteile an Airbus und Boeing liefert, schrieb einen operativen Verlust (Ebit) von 74,4 Mio. Euro, wie es am Mittwoch in der Früh mitteilte. Im Rumpfgeschäftsjahr 2019 gab es noch einen Betriebsgewinn von 22,1 Mio. Euro. Unterm Strich stand ein Nettoverlust von 77 Mio. Euro, nach einem Gewinn von 11,1 Mio. Euro 2019. Wegen der Krise sind nicht nur die Airlines ins Trudeln gekommen, auch der Markt für Flugzeuge ist eingebrochen.

"Wir rechnen damit, dass sich beginnend mit der zweiten Jahreshälfte der Markt langsam erholen wird. Die Nachfrage nach Mobilität wird sich entsprechend entwickeln. Maßgeblich hierfür wird aber die schnelle und weitreichende Impfung gegen Covid-19 sein", so Vorstandschef Machtlinger. Dennoch geht FACC von einer Zeitspanne von vier bis fünf Jahren aus, bis sich die Flugzeugbranche vollständig von der Krise erholt haben wird. Vor allem bei den größeren Flugzeugen für die Langstrecke werde das Marktniveau noch länger auf niedrigem Niveau bleiben.

Der Umsatz von FACC schrumpfte um 126,2 Mio. Euro auf 526,9 Mio. Euro, weil seit Ausbruch der Pandemie deutlich weniger Flugzeuge gebaut werden. Da FACC das Geschäftsjahr umstellte, betrug das Rumpfgeschäftsjahr 2019 nur zehn Monate. Rechnet man das Jahr 2019 auf volle zwölf Monate hoch, war der Umsatzeinbruch mit rund 270 Mio. Euro mehr als doppelt hoch. So betrachtet verlor FACC durch die Coronakrise ein Drittel seines Umsatz. Im Gesamtjahr 2019 betrug der Umsatz noch 800 Mio. Euro.

Der Vorstand reagierte auf die Krise, die FACC mehr als fünf Jahre zurückgeworfen hat, mit einem Stellenabbau von 650 Mitarbeitern, für den zunächst Kosten anfielen. Insgesamt reduzierte sich der Personalstand um über 700 Mitarbeiter, konkret von 3.371 Ende 2019 auf 2.655 Ende 2020. Auch Wertminderungen und Schätzungsänderungen belasteten das Ergebnis. Alles zusammen beziffert der Vorstand den Coronaeffekt mit 47,6 Mio. Euro. Zieht man diese Einmaleffekte ab, beläuft sich das bereinigte Ebit auf minus 26,8 Mio. Euro.

Am Auftragsstand von FACC zeigt der Einbruch der Luftfahrtindustrie nicht sein volles Ausmaß. Zum 31. Dezember 2019 waren 13.106 nicht ausgelieferte Flugzeuge bestellt - dieser Wert hat sich zum Stichtag 31. Dezember 2020 auf 12.171 fix bestellte Flugzeuge reduziert. Um gut durch die Krise zu kommen, hat FACC im Juni 2020 mit einer speziellen Covid-19-Finanzierungslinie der Österreichischen Kontrollbank (OeKB) 60 Mio. Euro aufgenommen und so die Liquidität auf 150 Mio. Euro erhöht.

Für 2021 erwartet der FACC-Vorstand ein ausgeglichenes Ebit und einen Umsatz auf Niveau des Jahres 2020, also ungefähr eine halbe Milliarde Euro. Voraussetzung dafür sei eine stabilisierte Weltwirtschaft ohne weitere Krisenrückschläge und ohne weitere globale Lockdowns. Einen weiteren Stellenabbau schloss Machtlinger nicht aus."Ich habe die Kristallkugel nicht gepachtet". Bei unerwarteten Auswirkungen am Markt und, wenn sich diese nicht abfedern lassen, "kann ich das nicht verneinen", so Machtlinger. Aus heutiger Sicht sei aber kein neuerlicher Stellenabbau geplant.

(Schluss) pro/itz

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