22.04.2021 13:19:00

Finanzsektor wird nicht von sich aus "grün" - Normen nötig

Viel ist die Rede von "Grüner" Finanzwirtschaft oder grünen Anleihen. Der Finanzsektor wird allerdings nicht plötzlich ein Antreiber der Ökologisierung, sagt Johannes Jäger, Fachbereichsleiter für Volkswirtschaftslehre an der FH des BFI Wien. Vielmehr brauche es klare umweltpolitische Vorgaben, um mehr Geld in Umweltinvestitionen umzuleiten. Denn die Finanzwirtschaft bleibe an der Gewinnerzielung orientiert und dafür optimiert.

Die Wissenschaft sei sich einig, dass Maßnahmen mit negativer Auswirkung auf die Performance in der Regel nicht getätigt werden, so Jäger. Studien zeigen ganz klar, dass die Finanzwirtschaft nur dann versuche Umweltziele zu erreichen, wenn sie dazu beitragen, die Gewinne zu erhöhen. Dazu zählen auch "Reputationsgewinne", also ein besserer Ruf, der sich positiv auf den Gewinn auswirkt.

Anlegerinnen und Anleger haben dabei nur "äußerst beschränkte" Möglichkeiten, die Investitionen der Unternehmen zu steuern. Solange die Finanzmärkte weitgehend effizient sind und andere Investoren bereit sind, weniger ökologische Maßnahmen zu finanzieren, hänge der Preis einer Finanzanlage nur am künftigen Ertrag. Das Verhalten ökologisch bewusster Anleger mache daher keinen Unterschied, "solange noch irgendjemand in den Finanzmärkten in sogenannte Braune Investments investiert, wird sich an der gesamten Struktur der Wirtschaft nicht wirklich etwas ändern", so Jäger. Es ändere sich dadurch nur die Eigentümerstruktur der Unternehmen oder Finanzprodukte. Das sei ganz anders als bei Konsumgütern, wo die Nachfrage nach ökologisch Produziertem auch die Produktion verändern könne.

Jäger weist darauf hin, dass es grundsätzlich genug Geld im privaten Sektor gäbe, um den sehr teuren Umbau der Wirtschaft zu finanzieren. Da diese Aktivitäten aber nicht gewinnbringend seien, müsse die öffentliche Hand eingreifen. Jäger hält wenig davon, mit Steuererleichterungen zu arbeiten, da dies für den Staat sehr kostspielig sei. Viel sinnvoller wäre es, unerwünschtes Verhalten zu verteuern, etwa durch eine CO2-Steuer. Damit könnte neben den Lenkungseffekt Geld generiert werden für andere ökologische Projekte.

"Wir dürfen bei aller Hoffnung, die wir mit Green Finance verbinden, nicht vergessen, auch eine solide Umweltpolitik zu machen", formuliert es Jäger. Auch die Autoindustrie habe nur wegen strengen Normen die Abgaswerte gesenkt.

Da der Finanzsektor auf Gewinnerzielung optimiert sei, könne er sich nur "im Korsett der politischen Vorgaben bewegen. Aber aus sich heraus ist die Veränderungsdynamik auf realökonomischer Ebene sehr gering, wenn überhaupt vorhanden".

(Schluss) tsk/gru

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