Trotz Umsatzplus 22.06.2020 17:56:00

freenet-Chef rechtfertigt Dividendenstreichung - Aktie verlustreich

freenet-Chef rechtfertigt Dividendenstreichung - Aktie verlustreich

freenet-Chef Christoph Vilanek verteidigte im Interview den Zeitungen der Funke Mediengruppe die Entscheidung und sagte, "ohne diesen Schritt wären wir nach unserer Planung im November bei einer Liquidität von knapp unter 200 Millionen Euro angelangt und müssten am 30. November wir einen Kredit in Höhe von 250 Millionen Euro tilgen. Wir wollten uns nicht von Banken erpressbar machen lassen".

Nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden hat freenet die Krise gestemmt, ohne Substanz verloren zu haben. Die Zahl der Vertragskündigungen sei zurückgegangen und die Gravis Computervertriebsgesellschaft, die auf den Vertrieb von Apple-Produkten und deren Zubehör spezialisiert ist, habe in der Krise neue Rekordzahlen eingefahren. "Mit dem Shutdown hat sich der Online-Umsatz bei Gravis versechsfacht", sagte Vilanek. Mit den Lockerungen habe sich das klassische Einzelhandelsgeschäft wieder erholt und befinde sich auf einem Stand wie vor der Krise.

Vilanek erwartet bei Mobilfunkverträgen einen stärken Wettbewerb beim Datenvolumen. "Ich könnte mir schon vorstellen, dass Tarife mit unlimitiertem Volumen noch etwas günstiger werden", so Vilanek. Mit Verträgen mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G rechnet Vilanek nicht in naher Zukunft. "Wir sind in der Schweiz an Sunrise beteiligt, die dort den schnellsten und größten 5G-Ausbau vorantreiben. Dort erleben wir die Marktrealität. 5G braucht aktuell noch kein Endverbraucher - interessant sind heute lediglich Industrie- oder Verkehrsanwendungen", sagte Vilanek weiter.

Zuversichtlich zeigte sich Vilanek im Hinblick auf die Krisen-Entwicklung bei der Beteiligung Ceconomy. freenet übernahm 2018 neun Prozent des Mediamarkt-Saturn-Mutterkonzerns, der in der Corona-Krise einen 1,7 Milliarden Euro KfW-Kredit erhielt, Christoph Vilanek gehört dem Ceconomy-Aufsichtsrat an. "In der Krise überleben tendenziell die Großen besser als die Kleinen. Am Ende wird Mediamarkt-Saturn nicht nur überleben, sondern gestärkt aus der Krise hervorgehen", sagte Vilanek. Er geht davon aus, dass die beantragte Staatshilfe von 1,7 Milliarden Euro "vermutlich in der vollen Höhe nie abgerufen werden." Für freenet sei Ceconomy der strategisch wichtigste Kanal, um Neukunden zu gewinnen.

Am Montag gab die freenet-Aktie im XETRA-Handel zuletzt 2,65 Prozent nach auf 14,53 Euro.

DJG/cbr

FRANKFURT (Dow Jones)

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Bildquelle: freenet