18.02.2015 18:47:00

Griechenland - Brezinschek: Syriza macht bisherige Reformen zunichte

Auf Unverständnis stößt Griechenlands Haltung bei RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek. "Syriza macht die bisherigen Reformen zunichte." Es sei eine Zumutung und Frechheit, ohne Konzepte um Geld zu bitten und dann noch zu verlangen "mischt euch nicht ein, was wir damit machen", kritisiert der Experte der Raiffeisen Bank International (RBI) in Wien laut "Kurier" (Donnerstag).

Dies sei auch ungerecht gegenüber jenen Ländern wie Spanien, die die Regeln einhalten und ihre Sparvorlagen erfüllen. Das Problem sei, dass Athen die Auflagen bisher nur ungenügend umgesetzt habe. So sei bei Pensions- und Gesundheitsreformen noch nichts passiert, die Privatisierungen hätten erst fünf von ursprünglich 50 Mrd. Euro erzielt, und es gebe noch immer 120.000 Beamte zu viel.

Die Probleme des Landes liegen dem Experten zufolge weit in der Vergangenheit. Der Industrieanteil betrage unter zehn Prozent, die Löhne seien nominell um neun Prozent im Jahr gestiegen. "Es gab die höchsten Gehälter bei gleichzeitig niedrigster Produktivität", sagt Brezinschek. Ein Zu-Tode-Sparen erkennt er nicht. "Die Griechen liegen jetzt auf dem Niveau von 2005 und verdienen mit 72 Prozent des EU-Schnitts ungefähr so viel wie die Portugiesen."

Die Fiskalpolitik sei auch nicht mehr Schuld an konjunkturellen Rückgängen, im Gegenteil, so Brezinschek laut "WirtschaftsBlatt" (online) am Mittwoch: "Bei der Budgetkonsolidierung wurde schon wahnsinnig viel erreicht, seit 2014 gibt es dadurch bereits einen positiven Impuls - aus Gegenwind wurde Rückenwind für die Konjunktur."

Einen Grexit, also ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, hält der Raiffeisen-Chefanalyst zwar immer noch für wenig wahrscheinlich, die Gefahr nehme aber zu. Brezinschek beziffert die Wahrscheinlichkeit derzeit mit etwa 30 Prozent. "Besser ein Ende mit Schrecken", ist er dem Szenario nicht abgeneigt, sollten die Griechen weiter stur bleiben. Lob gibt es vom RBI-Experten hingegen für die Deutschen: "Sie sind die einzigen Vernünftigen."

Griechenland selbst sieht er für die Eurozone nicht als großes Problem, eher ein Übergreifen der dortigen Tendenzen auf wichtigere Volkswirtschaften wie Spanien. Brezinschek: ""Das ist gefährlicher Populismus. Das Ganze entwickelt sich zu einem Wertestreit zwischen einem marktwirtschaftlichen System und einer staatlich dominierten Wirtschaft." Die griechische Regierung wäre besser beraten, Wachstumsmaßnahmen zu beschließen anstatt mit leeren Händen über Finanzhilfen zu pokern.

(Schluss) sp/

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