10.02.2015 08:00:00

Griechisches Wirtschaftswachstum steht auf tönernen Füßen

Griechenland steckt tief im Schuldensumpf. Die Regierung will die Last - rund 320 Mrd. Euro - verringern. So sollen etwa Finanzhilfen der europäischen Partner durch "BIP-Bonds" ersetzt werden - das sind Anleihen, die an das Wirtschaftswachstum gekoppelt sind. "Aber wo das Wachstum herkommen soll, wird nicht spezifiziert", sagte Gerd Dückelmann-Dublany, Wirtschaftsdelegierter in Athen, zur APA.

Die einfache Formel: Wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP), wollen die Griechen zahlen. Bisher wurde das Land bereits mit internationalen Geldern in Höhe von rund 240 Mrd. Euro vor der Staatspleite bewahrt, die 2009 unmittelbar bevorstand.

Die griechische Wirtschaft befindet sich "auf sehr niedrigem Niveau", fasste der Handelsdelegierte der Wirtschaftskammer Österreich die aktuelle Lage zusammen. Zwar fand Griechenland 2014 aus einer sechsjährigen Rezession heraus und schaffte einen BIP-Anstieg von rund 1 Prozent, doch bereits die Ankündigung der Neuwahlen im Dezember 2014, die Alexis Tsipras vom linksorientierten Bündnis Syriza an die Regierungsspitze brachten, bremste den aufkeimenden Optimismus der Wirtschaftstreibenden schlagartig.

In der zweiten Hälfte des abgelaufenen Jahres hatten die griechischen Exporte laut Dückelmann-Dublany eben erst begonnen erstmals seit 2009 zu wachsen. Auch in der Industrieproduktion habe es - ebenfalls erstmals seit sechs Jahren - ein Plus gegeben. Wie es mit dem Wirtschaftswachstum 2015 weitergeht, "das traut sich jetzt keiner zu sagen", meinte er. Weitaus optimistischer klingt da schon die EU-Kommission, die Griechenland in ihrer aktuellen Winterprognose heuer einen BIP-Anstieg von 2,5 Prozent zutraut.

"Alles hängt jetzt von der Stabilität ab, wie man im griechischen Bankensektor, der am Tropf der griechischen Zentralbank hängt, durch die Krise kommt - und das hängt wiederum an der Politik", so der Wirtschaftsdelegierte. Es herrscht allgemeine Verunsicherung. Derzeit räumen viele Griechen jedenfalls vorsichtshalber ihre Bankkonten. Seit Dezember haben sich die Barabhebungen dem Handelsdelegierten zufolge bereits auf 16 Mrd. Euro summiert. "Das ist bedenklich."

Der Schuldenberg Griechenlands ist mittlerweile auf rund 180 Prozent des BIP angewachsen. Im Griff habe man die Verschuldung aber erst bei 120 Prozent des BIP - davon sei Griechenland noch weit entfernt: 2022 soll es so weit sein, hatte der langjährige Wirtschaftsdelegierte in Athen und Vorgänger von Dückelmann-Dublany, Bruno Freytag, erst vor wenigen Wochen relativiert.

Wachstumschancen für die griechische Wirtschaft birgt etwa der Tourismus. Doch dieser schwächelt derzeit leider. "Im Moment sind die Buchungszahlen laut Chef des Hotelierverbands gegenüber dem Vorjahr rückläufig - also auch hier eine gewisse Verunsicherung", stellte Dückelmann-Dublany im Gespräch mit der APA fest. 2014 hatte sich der griechische Tourismus noch deutlich erholt - mit Zuwachsraten bei den Urlauberzahlen von 22 Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Neben den Tourismuseinnahmen könnten auch Exporte eine Stütze für die Wirtschaft sein. Punkten könnten die Griechen hier dem Handelsdelegierten zufolge vor allem mit Milchprodukten und Olivenöl sowie im Kunststoffbereich. Im landwirtschaftlichen Sektor habe Griechenland große Fortschritte gemacht - im abgelaufenen Jahr seien hier Steigerungsraten erzielt worden.

"Ich gehe davon aus, dass das Wachstum der griechischen Wirtschaft umso schneller an die Situation vor dem Dezember anknüpft, je schneller sich die Lage beruhigt", meinte der Länderexperte der Wirtschaftskammer.

(GRAFIK 0175-15, Format 88 x 84 mm) (Schluss) kre/ade

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