26.10.2014 17:57:39

Großbanken kommen heil durch den Stresstest - aber oft nur knapp

   Von Max Colchester

   LONDON--Nun ist es offiziell: Keine der europäischen Großbanken ist durch den Stresstest gefallen. Allerdings hat manch ein großes Institut den Gesundheitscheck nur knapp bestanden. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat unter anderem geprüft, wie sich Europas systemrelevante Banken unter schwierigen konjunkturellen Bedingungen und im Falle eines erneuten Einbruchs des Wohnimmobilienmarktes schlagen würden. Banken, die es bei solch einem Rezessionsszenario nicht auf eine harte Kernkapitalquote von mindestens 5,5 Prozent gebracht haben, müssen Kapital nachschießen.

   Von den 123 Banken, die die EBA geprüft hat, haben 24 diese Mindestanforderung nicht erfüllt - bei der EZB-Prüfung waren es 25. Die anderen haben zwar bestanden, doch bei 14 dieser Kreditinstitute war es ziemlich knapp: Ihre harten Kernkapitalquoten bewegten sich zwischen 5,5 und 7 Prozent. Das deutet darauf hin, dass sich diese Banken unter bestimmten Bedingungen durchaus genötigt fühlen könnten, ihre Kapitalbasis zu verbessern, obwohl sie es offiziell nicht tun müssten.

   In Italien, wo neun Banken durch den Stresstest gefallen sind, haben sich auch diverse Großbanken, die den Test offiziell bestanden haben, nicht mit Ruhm bekleckert. So wies die Mediobanca, immerhin eine führende Investmentbank, unter dem adversen Szenario eine Kernkapitalquote von gerade mal 6,2 Prozent aus. UniCredit, Italiens größte Bank, brachte eine Kernkapitalquote von 6,8 Prozent nach Hause.

   In Großbritannien kamen die beiden Großbanken Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking Group, die einst vom Staat gerettet werden mussten, zwar ebenfalls heil durch den Stresstest. Doch auch sie kamen nicht über Kernkapitalquoten von 6,7 Prozent bzw 6,2 Prozent hinaus.

   Noch ist nicht klar, was die Stresstestergebnisse im Einzelnen für Folgen haben werden. Die britische Bank Lloyds beispielsweise, die sich immer noch zu 25 Prozent in Staatsbesitz befindet, hatte gehofft, nach dem Stresstest wieder eine Dividende zahlen zu können. Doch Bankenaufseher könnten angesichts des nicht sonderlich beeindruckenden Abschneidens der Bank beim Gesundheitscheck alles andere als angetan sein von dieser Idee.

   Laut Analysten liegt die Tatsache, dass manche Banken den Stresstest nur knapp bestanden haben, auch darin begründet, dass die EBA Restrukturierungsmaßnahmen, die in diesem Jahr durchgeführt wurden, teilweise nicht berücksichtigt hat. Lloyds und die Royal Bank of Scotland beispielsweise haben ihre Bilanzen heftig bereinigt und unter anderem Geschäftsteile verkauft.

   Für RBS und Lloyds ist die Sache ohnehin noch nicht ganz ausgestanden. Sie werden sich einem weiteren Stresstest unterziehen müssen - und zwar durch die Bank of England. Die Ergebnisse sollen am 16. Dezember veröffentlicht werden. Großbritanniens Zentralbank hat vorsichtshalber schon einmal darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse des EBA-Stresstests nicht als wegweisend betrachtet werden sollten. Der Grund: Die Bank of England legt teilweise andere Maßstäbe zugrunde.

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