01.09.2020 13:30:00

Krise verschärft Probleme am Arbeitsmarkt für Ältere und Jugendliche

Die Coronakrise verschärft die Probleme am Arbeitsmarkt für Ältere und Jugendliche. Im August waren fast 62.000 Personen zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job, um ein Fünftel mehr als noch vor einem Jahr. Bei über 50-Jährigen stieg die Zahl der Arbeitslosen (inklusive Schulungsteilnehmer) sogar um mehr als ein Viertel auf fast 120.000. Arbeitsmarktexperten fordern gezielte Maßnahmen zur Eindämmung.

Die Coronakrise habe alte Probleme deutlicher sichtbar gemacht. Gruppen, die es schon vorher schwierig hatten, würden jetzt noch größere Schwierigkeiten haben, warnte Johann Bacher, Professor für Soziologie und empirische Sozialforschung an der Johannes Kepler Universität Linz mit Schwerpunkt Jugendarbeitslosigkeit, am Dienstag bei einem virtuellen Pressegespräch.

Bacher sprach sich für eine Arbeitszeitreduktion insbesondere in Branchen aus, die stark von Digitalisierung und Rationalisierung betroffen sind, sowie in Bereichen, die nicht so attraktiv sind. "Durch Arbeitszeitverkürzung werden manche Tätigkeiten attraktiver, etwa die Pflege oder Gesundheitsberufe", räumte Bacher ein.

"Wir dürfen nicht warten, bis die Pandemie überstanden ist, sonst sind die Integrationsmöglichkeiten noch geringer", sagte die Chefin von "Prospect Unternehmensberatung", Trude Hausegger. Hausegger leitete unter anderem die Evaluation der Jobinitiative "Aktion 20.000" zur Förderung älterer Arbeitsloser. Die Aktion war im Juli 2017 von der damaligen SPÖ-ÖVP-Regierung ins Leben gerufen worden. Unter Türkis-Blau wurde sie abgeschafft - kritisiert wurden zu hohe Kosten bei fehlender Nachhaltigkeit.

Selbst wenn die Konjunktur wieder anzieht, sei es ohne gezielte Interventionen schwierig, Ältere wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. "Ich denke es gibt ganz viele Tätigkeitsbereiche, etwa Administrationsaufgaben in der Justiz oder in Schulen", so Hausegger. Gemeinden müssten einerseits Lehrstellen schaffen, aber auch Angebote für Personen ab 55. Öffentliche Investitionen seien notwendig, um dadurch neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Für Jugendliche müsste es mehr Weiterbildungsangebote geben, eine Verlängerung der Kurzarbeit und eine Ausdehnung der Angebote über das 18. Lebensjahr hinaus. "Viele Maßnahmen laufen mit 18 Jahren aus", sagte Bacher. Zuletzt sei es aber insbesondere bei 20- bis 24-Jährigen zu einem Anstieg der Arbeitslosen gekommen. Wünschenswert wären etwa mehr Angebote von Meisterausbildungen, der Ausbau von Stipendien oder die Förderung der Selbstständigkeit.

(Schluss) kan/gru

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