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Vager Ausblick 05.08.2020 17:54:00

Lenzing rutscht im ersten Halbjahr in die Verlustzone - Lenzing-Aktie dreht in die Gewinnzone

Lenzing rutscht im ersten Halbjahr in die Verlustzone - Lenzing-Aktie dreht in die Gewinnzone

Die Talsohle dürfte für heuer aber bereits durchschritten sein, sagte CEO Stefan Doboczky am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz. "Q2 war das schwierigste Quartal", so der Lenzing Chef.

Belastet von niedrigeren Viskosepreisen gingen die Umsätze im zweiten Jahresviertel um knapp 35 Prozent auf 344 Mio. Euro zurück. Vor allem bei Standardfasern habe man einen Preis- sowie einen Mengenrückgang verzeichnet, während Spezialfasern trotz eines Preisrückgangs ihren relativen Aufschlag gegenüber Standardfasern weitgehend beibehalten hätten können, so der Finanzchef Thomas Obendrauf.

Erstmals übertraf der Umsatz im Hygienebereich den Umsatz im Textilbereich. "Das haben wir vorher noch nicht gesehen", sagte der Lenzing-CEO am Mittwoch. Vliesfasern hätten im zweiten Quartal im Zuge der Coronakrise mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausgemacht. Die Fasern werden hauptsächlich für Hygieneartikel wie Gesichtsmasken, Wischtücher, feuchtes Toilettenpapier oder Tücher für Babypflege verwendet. Nach den Panikkäufen von Hygieneprodukten zu Beginn der Coronakrise normalisiere sich die Nachfrage mittlerweile wieder.

Im Zuge der Coronakrise hat Lenzing mit dem Wäschekonzern Palmers das Joint Venture Hygiene Austria gegründet. Dieses kann aktuell 12 Millionen Masken pro Monat produzieren. An dem Ziel, diese Kapazität auf 25 Millionen Masken auszuweiten, halte man weiterhin fest. Lenzing müsse sich aber erst als Lieferant in diesem Bereich positionieren. Man sei außerdem bestrebt, dass das Gemeinschaftsunternehmen einen positiven Konzernbeitrag leiste, es werde aber in Anbetracht der Größe des gesamten Konzerns voraussichtlich kein großer Ergebnisbeitrag sein.

Der schwachen Umsatzentwicklung waren in Folge auch Rückgänge bei den operativen Kennzahlen im zweiten Quartal geschuldet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) brach um knapp 70 Prozent auf 27 Mio. Euro ein und das operative Ergebnis (EBIT) drehte mit minus 12,8 Mio. Euro in den roten Bereich, nach einem Plus von rund 51 Mio. im Vorjahr. Unterm Strich blieb ein Verlust von 32,1 Mio. Euro stehen; im gesamten ersten Halbjahr blieb eine "schwarze Null" von 1,5 Mio. Euro übrig.

Für die kommenden beiden Quartale sollte es beim Umsatz und auch auf operativer Seite aber wieder etwas bergauf gehen, zeigte sich der Lenzing-CEO vorsichtig zuversichtlich. Mit einer "dramatischen Verbesserung" rechnet er aber nicht. "Die Krise wird uns noch länger weiter verfolgen", so Doboczky. Die Sicht für die weiteren Monate sei weiterhin sehr eingeschränkt, von Region zu Region unterschiedlich und hänge stark von der weiteren Entwicklung der Preise und der Nachfrage ab.

Dementsprechend gab sich der Konzernchef auch beim Thema Kurzarbeit zurückhaltend. Man habe dieses Instrument ab Mai genutzt und bis Ende Juli rund 1.500 Mitarbeiter in Kurzarbeit gehabt. Im August und September wolle man nur noch eine "hohe dreistellige Anzahl" an Mitarbeitern in Kurzarbeit haben, danach werde neu evaluiert.

"Wir haben noch keine finale Entscheidung getroffen, wie lange wir dieses Werkzeug noch verwenden werden", sagte Doboczky am Mittwoch. Derzeit sei die Dynamik des Geschäfts extrem schwierig vorherzusagen, daher müssten Entscheidungen rund um die Kurzarbeit sehr kurzfristig gefällt werden. Es sei aber ein gutes Werkzeug, das auch geholfen habe, in der Krise Kosten einzusparen. Neben der Kurzarbeit nehme Lenzing derzeit keine weiteren staatlichen Coronahilfen in Anspruch.

Um die Kosten weiter zu senken, seien neben der Kurzarbeit auch Initiativen und Projekte, die konzernexterne Berater benötigen, hintangestellt worden, um Beraterkosten zu sparen. Darüber hinaus sei man bei der Lieferung von Rohmaterialien "höchst erfolgreich" und wolle Lieferverträge neu verhandeln.

Gut laufe es indessen bei den beiden Großprojekten in Thailand und Brasilien. Sowohl bei dem Bau des Zellstoffwerks in Brasilien als auch bei der Lyocellfaseranlage in Thailand gebe es keine Verzögerungen. "Beide Projekte gehen trotz der Herausforderungen rund um Covid-19 gut voran" und seien auch im Rahmen des dafür geplanten Budgets, so der Lenzing-Chef. Als Produktionsstart für die Lyocellanlage in Thailand wird das zweite Halbjahr 2021 anvisiert, das Zellstoffwerk in Brasilien soll in der ersten Jahreshälfte 2022 in Betrieb genommen werden.

Im frühen Wiener Börsenhandel ging es für die Lenzing-Aktie zeitweise 1,1 Prozent auf 40,30 Euro nach unten. Im Verlauf wechselte die Aktie aber das Vorzeichen und konnte schließlich um 5,15 Prozent auf 42,85 Euro zulegen.

(Schluss) bel/kre

APA

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Bildquelle: Lenzing Mitarbeiter,Markus Kirchgatterer / Lenzing AG