01.07.2020 15:06:44

Merkel offen für Frauenquote bei börsennotierten Unternehmen

Von Andrea Thomas

BERLIN (Dow Jones)--Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Mittwoch offen gezeigt für eine Frauenquote in den Vorständen von börsennotierten Unternehmen, wie es der Koalitionspartner SPD fordert. "Ich halte es für absolut unzureichend, dass es immer noch börsennotierte Unternehmen gibt, in denen nicht eine einzige Frau im Vorstand ist. Das ist ein Zustand, den kann man nicht vernünftig finden", sagte Merkel am Mittwoch in der Regierungsbefragung im Bundestag auf die Frage einer Abgeordneten. "Wir haben gesehen, dass bei unserer Quotenregelung in den Aufsichtsräten sich plötzlich ausreichend und genügend Frauen gefunden haben. Jetzt geben Sie mir noch ein bisschen Zeit, mit der Ministerin weiter zu beraten."

Die Justizministerin und die Familienministerin haben wiederholt gefordert, dass es einen gesetzlich vorgeschriebenen Frauenanteil in Vorständen von großen Börsenunternehmen geben sollte. Mit Freiwilligkeit alleine komme man nicht weiter, argumentieren sie. Beide legten im Juni einen Bericht vor über die Frauen und Männeranteile an Führungsebenen.

Im Bereich der Privatwirtschaft ist demnach der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Unternehmen, die unter die feste Quote fallen, weiter gewachsen. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes 2015 stieg er von 25 Prozent auf 32,5 Prozent im Jahr 2017 und in diesem Jahr sogar auf 35,2 Prozent. Im Vergleich dazu seien es bei Unternehmen, die nicht unter die feste Quote fallen, allerdings nur 19,9 Prozent.

Ernüchternd sei jedoch die Entwicklung in den Vorständen deutscher Unternehmen, wo Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert seien. Ihr Anteil erhöhte sich seit 2015 lediglich von 6,3 Prozent auf 7,7 Prozent im Geschäftsjahr 2017. 80 Prozent der Unternehmen haben keine Frau im Vorstand. Etwa 70 Prozent der Unternehmen, die sich Zielgrößen für den Vorstand setzten, meldeten Zielgröße 0 Prozent, so der gemeinsame Bericht.

Auf die Frage, ob sie sich für ein gesetzgeberische Mindestvorgabe einsetze, sagte Merkel: "Ich setze mich dafür ein, dass wir für gute Lösungen gute Mehrheiten bekommen."

Kontakt zur Autorin: andrea.thomas@wsj.com

DJG/aat/jhe

(END) Dow Jones Newswires

July 01, 2020 09:07 ET (13:07 GMT)

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