16.03.2019 03:03:45

NOZ: Arbeitgeberpräsident sieht durch Brexit-Chaos Nachteile für EU-Kritiker und Nationalisten

Osnabrück (ots) - Arbeitgeberpräsident sieht durch Brexit-Chaos Nachteile für EU-Kritiker und Nationalisten

Plädoyer für mehr statt weniger Europa

Osnabrück. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer erwartet, dass das Brexit-Chaos bei der Europawahl zu Lasten von EU-Kritikern und Nationalisten geht, und setzt langfristig auf mehr statt weniger Europa. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Kramer: "Ich glaube, dass das Brexit-Chaos in Großbritannien abschreckend wirken wird. Viele Menschen, die damit geliebäugelt haben, Populisten und Nationalisten zu wählen, werden es sich jetzt sicher anders überlegen." Denn es zeige sich, dass Nationalismus und Rückzug hinter die eigenen Deiche keine Probleme lösen, sondern neue schaffen würden. Er glaube deshalb, dass die Gefahr einer nationalistischen Welle im Europaparlament nicht mehr so groß sei, wie vielleicht im vergangenen Jahr. "Voraussetzung ist natürlich, dass alle, die an Europa glauben, auch zur Wahl gehen. Je höher die Wahlbeteiligung ist, desto weniger müssen wir uns Sorgen machen."

Kramer sprach sich zudem für mehr Gemeinsamkeit in Europa aus. Er betonte: "Die Menschen brauchen ein Ziel. Wenn beispielsweise der französische Staatspräsident Emmanuel Macron fulminant für ein Zusammenwachsen Europas wirbt und dabei das Beispiel des europäischen Finanzministers nennt, dann sage ich: Das kann durchaus richtig sein." Damit meine er nicht, dass wir diesen Minister morgen brauchen, "aber in vielleicht zehn Jahren, wenn sich die Volkswirtschaften hinsichtlich ihrer Stabilität in einem deutlich engeren Korridor befinden". Das Ziel sei richtig, mehr Projekte gemeinsam umzusetzen. "Wir können in der Europäischen Union rund 500 Millionen Menschen auf die Waage bringen. Doch müssen wir dazu noch enger zusammenarbeiten."

Kramer appellierte zudem an alle Unternehmen in Deutschland Flagge für Europa zu zeigen. "Es hat ja nicht jeder einen Flaggenmast vor seinem Haus. Aber wer einen freien Platz hat, der sollte in den nächsten Wochen Flagge für Europa zeigen. Das wäre ein starkes Signal. Ja, Flaggen können helfen - besonders dann, wenn es ganz viele sind."

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Arbeitgeber: Auch in Zeiten der Digitalisierung an Tarifpartnerschaft festhalten

Kramer: System hat sich bewährt, muss aber immer wieder angepasst werden

Osnabrück. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat eine Lanze für die Tarifpartnerschaft gebrochen. Kramer sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung: "Digitalisierung und Plattform-Ökonomie stellen uns vor neue Herausforderungen - und da suchen wir noch nach dem besten Weg. Aber ich glaube, die bewährte Tarifautonomie kann auch für neue Unternehmens- und Beschäftigungsarten in angepasster Form ein wichtiger Vorteil sein."

Kramer betonte, er sei ein Freund von Tarifstrukturen, weil sie bei sinnvoller Gestaltung für den Unternehmer das Leben einfacher machen könnten. Zudem habe das in den vergangenen 70 Jahren meist gut funktioniert: "Sonst wären wir heute auch kaum so leistungsfähig wie wir es sind."

Das Tarifsystem muss nach den Worten von Kramer allerdings immer wieder veränderten Bedingungen angepasst werden. So seien Ende der 1990er Jahre Öffnungsklauseln eingeführt worden. "Wir haben damals erkannt: Es muss - etwa wegen stark unterschiedlicher Lohnkostenanteile - Ausnahmen von den Tarifregeln der Branchen geben." Anpassungen seien schon bisher wichtig gewesen. Und sie seien es auch heute.

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