14.11.2018 14:59:00

ÖHT-Bank dürfte mehrheitlich verkauft werden

Bei der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) steht offenbar ein Mehrheitseigentümer-Wechsel an. Die kleine Spezialbank, die die staatlichen Tourismusförderungen in Österreich abwickelt, gehört derzeit drei Banken - Bank Austria, Raiffeisen und Erste Bank. Es sollen Verkaufsgespräche laufen.

Als möglicher Interessent für einen maßgeblichen Anteil an der ÖHT böte sich die ebenfalls in der Abwicklung staatlicher Förderungen und Haftungen tätige Kontrollbank an, heißt es zur APA. Alle Beteiligten halten sich bedenkt.

Dass der Rückzug zweier Banken aus der ÖHT im Raum steht, hat Dienstagabend Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) über die Parlamentskorrespondenz ventiliert. Sie sei sich der Sensibilität der Situation bewusst, wird die Ministerin zitiert. Aus den drei beteiligten ÖHT-Eigentümerbanken gab es am Mittwoch auf Nachfragen keine Kommentare.

Im Markt ist allerdings davon die Rede, dass UniCredit Bank Austria und Erste ihre Anteile verkaufen könnten. Verhandlungen dazu stünden aber offenbar ganz am Anfang. Würden Bank Austria, zur Zeit Hälfte-Eigentümerin der ÖHT, und Erste (18,75 Prozent) aussteigen, käme ein neuer Mehrheitseigentümer an Bord. Raiffeisen ist derzeit über eine Beteiligungsgesellschaft mit 31,25 Prozent an der ÖHT beteiligt.

Die ÖHT (Gründungsjahr 1947) hatte als vergleichsweise kleine Bank, aber in der Tourismus- und Freizeitbranche als Finanzierungs- und Förderinstitut etablierte Spezialgesellschaft Ende 2017 eine Bilanzsumme von 1,56 Mrd. Euro (inklusive ERP-Treuhandkrediten und Haftungen). Das Stammkapital wurde mit 11,6 Mio. Euro beziffert, das Eigenkapital per Ende 2017 mit knapp 32 Mio. Euro.

In ihrem Tätigkeitsbericht 2018 beschreibt sich die ÖHT als die wahrscheinlich erste Public Private Partnership in Österreich im Dienst der Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Man befinde sich im Eigentum von Bank Austria UniCredit, Raiffeisensektor und Erste Bank Group und agiere durch die Neuregelung der Zuständigkeiten der Bundesministerien künftig als "verlängerter Arm" des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, schreibt die Bank über sich selbst.

Seit dem Jahr 2000 sei die Summe der über die ÖHT geförderten Gesamtinvestitionskosten von etwa 230 Mio. Euro auf mehr als eine Milliarde (2017) gestiegen - mit Zuschüssen, geförderten Krediten und/oder Haftungsübernahmen, schreibt die ÖHT auf ihrer Homepage. Mit rund 30 Beschäftigten betreue die Bank Kredite über mehr als 1,7 Md. Euro.

Ein Sprecher von Tourismusministerin Köstinger äußerte sich am Mittwoch nicht näher zum Stand der Dinge im Eigentümerkreis der ÖHT, er bekräftige nur, "wir brauchen wie bisher ein funktionierendes Instrument zur Abwicklung der Tourismusförderungen".

(Schluss) rf/sp

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