09.02.2015 11:03:00

Österreichs Großbanken verloren in Ungarn mehr als sie verdienten

Dass jetzt die Erste Group einen Teil ihrer Ungarn-Tochter an den ungarischen Staat und an die Osteuropabank EBRD abtritt, kam für den Markt durchaus überraschend. Verkaufsgelüste für die Ungarnbank gab es seit eineinhalb Jahren ganz konkret bei Raiffeisen: Im ersten Anlauf passte aber weder der Preis noch der Interessentenkreis. Ein Verkauf wurde vorläufig auf Eis gelegt.

Fakt ist, dass sowohl die Erste als auch Raiffeisen in Ungarn bisher mehr Geld verloren als an Gewinnen eingefahren haben und dass ein Ende der Verlustreihe vorerst nicht abzusehen ist. Erste-Chef Andreas Treichl hat dennoch immer wieder erklärt, an Ungarn festhalten zu wollen. "Es wird eine Zeit geben, wo sich die Aktionäre freuen, dass wir in Rumänien und Ungarn sind", hatte er erst im Herbst 2014 erklärt. Heute unterschreibt er in Budapest einen Deal mit dem ungarischen Staat, in dem die Bank auch neue Finanzierungsprogramme auflegen wird.

In Branchenkreisen wird aber davon ausgegangen, dass sich Raiffeisen über kurz oder lang aus Ungarn zurückziehen dürfte. Schon bevor sich im Herbst weitere Lasten aus Fremdwährungskonvertierungen niederschlugen, war bekannt gewesen, dass die Raiffeisen Bank International (RBI) in Ungarn in Summe bereits 600 bis 700 Millionen Euro in den Sand gesetzt hat.

Spätestens als Ungarns Premier Viktor Orban öffentlich erklärt hatte, er würde die Mehrheit bzw. einen maßgeblichen Teil des ungarischen Bankgeschäfts wieder gern in ungarischer Hand sehen, standen ausländische (österreichische) Bankanteile in dem Land im Feuer. Die heimischen Banker taten Orbans Aussage nach außen als "politische" Ansage ab, sahen "missverständliche Interpretationen", zumindest aber einen unfreundlichen Akt - neben den ganzen Bankensteuern und teuren Kreditgesetzen.

Mit der Verstaatlichung der früheren BayernLB-Tochter MKB voriges Jahr schien die Regierung Orban dem Ziel, im Bankgeschäft stärkeren Einfluss zu haben, schon nahe gekommen. Davor hatte die MKB der BayernLB Milliardenverluste eingebrockt. Die Bayern haben beim "Verkauf" der Krisenbank MKB an den ungarischen Staat sogar noch etwas drauflegen müssen. Der ungarische Staat kündigte damals an, in ein bis zwei Jahren wieder dort aussteigen zu wollen. Dem ungarischen Staat wird nachgesagt, mit vermehrtem Staatseinfluss aufs Bankgeschäft die Kreditvergabe ankurbeln zu wollen, aktuell wird auch ein Abtausch gegen Erleichterungen bei der Bankensteuer vermutet.

An der MKB war lange Jahre auch die BAWAG Zehntel-Aktionärin, sie ist aber schon seit 2013 nicht mehr beteiligt gewesen.

Von den großen Banken aus Österreich ist auch die Bank Austria in Ungarn tätig. Relativ spät in diesem Markt begonnen hat die Linzer Oberbank.

(Schluss) rf/snu

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