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Corona-Krise 29.10.2020 11:30:00

OMV-Aktie leichter: OMV leidet unter Ölpreisverfall - Gewinneinbruch im 3. Quartal - Borealis-Übernahme abgeschlossen

OMV-Aktie leichter: OMV leidet unter Ölpreisverfall - Gewinneinbruch im 3. Quartal - Borealis-Übernahme abgeschlossen

Das um Lagerhaltungseffekte bereinigte CCS-Nettoergebnis vor Sondereffekten brach um 83 Prozent auf 80 Mio. Euro ein, wie die OMV am Donnerstag mitteilte.

Über neun Monate betrachtet betrug der Rückgang beim CCS Nettoergebnis 65 Prozent (auf 460 Mio. Euro), das operative Konzernergebnis war mit 463 Mio. Euro negativ und der Verlust je Aktie betrug 1,90 Euro (nach einem Gewinn von 4,05 Euro vor einem Jahr). Unterm Strich musste für die ersten drei Quartale ein Periodenverlust von 468 Mio. Euro verbucht werden, nach einem Überschuss von 1,689 Mrd. Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Schwer zu schaffen macht der OMV der Ölpreisverfall durch die Coronakrise. Für heuer erwartet man einen durchschnittlichen Brent-Rohölpreis von 40 Dollar pro Fass, 2019 waren es noch 64 Dollar gewesen. Der durchschnittlich realisierte Gaspreis wird für 2020 unterhalb von 10 Euro je Megawattstunde (MWh) erwartet (2019: 11,9 Euro/MWh).

Die Gesamtproduktion wird heuer zwischen 450.000 und 470.000 Fass (boe) pro Tag erwartet, nach im Schnitt 487.000 Fass täglich im Vorjahr - abhängig von der Sicherheitslage in Libyen.

Die OMV reagiert darauf mit einer Kürzung der organischen Investitionen von 2,3 Mrd. Euro im Vorjahr auf heuer 1,7 Mrd. Euro.

Die Prognose für die Referenz-Raffineriemarge der OMV wird von rund 3 Dollar pro Fass auf rund 2,5 Dollar zurückgenommen. Im Vorjahr lag sie bei 4,4 Dollar. Die Petrochemiemargen dürften geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres liegen (2019: 433 Euro/t). Auch die Gesamtverkaufsmenge an Raffinerieprodukten wird 2020 unter jener von 2019 prognostiziert (2019: 20,9 Mio. Tonnen).

OMV schließt Borealis-Übernahme ab, hält nun 75 Prozent

Die OMV hat die im März angekündigte Aufstockung ihrer Beteiligung am Chemiekonzern Borealis von 36 auf nunmehr 75 Prozent heute, Donnerstag, abgeschlossen. Verkäufer ist der OMV-Kernaktionär Mubadala, die Investmentgesellschaft von Abu Dhabi, die nun 25 Prozent der Borealis-Anteile hält. Der Erwerb der zusätzlichen 39 Prozent an Boraelis kostet die OMV 3,8 Mrd. Euro - der Kaufpreis sei bereits vollständig bezahlt, teilte die OMV mit.

Der Kaufpreis war in den vergangenen Wochen von einigen Analysten und auch von den Oppositionsparteien als weit überhöht kritisiert worden, weil der Gewinn von Borealis im Sog der Coronakrise eingebrochen sei, was schon im März absehbar gewesen sei.

2019 erzielte Borealis einen Gesamtumsatz von 9,8 Mrd. Euro und einen Nettogewinn von 872 Mio. Euro. Die OMV wird die Ergebnisse der Borealis in ihren Finanzberichten voll konsolidieren und hat vertragsgemäß Anspruch auf alle Dividenden in Bezug auf die zusätzlichen Aktien der Borealis, die nach dem 31. Dezember 2019 ausgeschüttet wurden.

Der operative Cashflow von Borealis - einschließlich der Dividenden aus dem Joint Venture Borouge - belief sich 2019 auf 1,5 Mrd. Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 erzielte Borealis einen operativen Cashflow einschließlich der Dividenden von Borouge von 1,1 Mrd. Euro und lag damit 6 Prozent über den ersten neun Monaten des Vorjahres.

"Diese Transaktion ist ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung unserer Strategie", sagte OMV-Chef Rainer Seele laut Mitteilung. "Wir schaffen damit ein integriertes und nachhaltiges Geschäftsmodell, das die Wertschöpfungskette der OMV in Richtung höherwertiger chemischer Produkte und Recycling erweitert und den Konzern damit für eine kohlenstoffärmere Zukunft neu positioniert."

Die Borealis hat ihren Hauptsitz in Wien, beschäftigt derzeit mehr als 6.800 Leute und ist in über 120 Ländern tätig.

OMV-Chef: Nicht Corona, Klimawandel bestimmt langfristige Strategie

Die OMV hat wegen des Ölpreisverfalls im Zuge der Coronakrise auch im dritten Quartal einen massiven Umsatz- und Gewinneinbruch erlitten - allerdings habe sich das Geschäft bereits etwas erholt und operativ sei man gut unterwegs und generiere einen hohen Cashflow, betonte OMV-Chef Rainer Seele am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Langfristig werde nicht Covid die Strategie der OMV bestimmen, "ich glaube der Klimawandel wird in unseren Strategiediskussionen vorrangig sein".

Der Umsatz der OMV brach im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 38 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro ein, das operative Ergebnis der Gruppe drehte auf 607 Mio. Euro in die Verlustzone. Das um Lagerhaltungseffekte bereinigte CCS-Nettoergebnis vor Sondereffekten schmolz um 83 Prozent auf 80 Mio. Euro zusammen - über neun Monate betrachtet betrug der Rückgang beim CCS-Nettoergebnis vor Sondereffekten 65 Prozent (auf 460 Mio. Euro), das operative Konzernergebnis war mit 463 Mio. Euro negativ. Unterm Strich musste für die ersten drei Quartale ein Periodenverlust von 468 Mio. Euro verbucht werden, nach einem Überschuss von 1,689 Mrd. Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

"Im dritten Quartal haben wir eine deutliche Belebung unseres Geschäfts gesehen", sagte Seele. Der Umsatz sei gegenüber dem Vorquartal deutlich gestiegen, "das reflektiert eine Erholung insbesondere der Ölpreise. "Wir haben ja 29 Dollar im zweiten Quartal gesehen und 43 Dollar im dritten Quartal."

Das Gasgeschäft, das Petrochemiegeschäft, die Tankstellen und das Borealis-Geschäft würden sehr stabil laufen. "Das operative Ergebnis im Upstream-Geschäft war in Q3 nur noch leicht negativ." Das um Lagerbewertungseffekte bereinigte operative Ergebnis habe sich von 145 Mio. Euro im zweiten Quartal nun auf 317 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Der operative Cashflow habe im zweiten Quartal knapp 500 Mio. Euro betragen, im dritten Quartal sei er auf 800 Mio. Euro gestiegen. Wegen Corona habe man in beiden Quartalen die Investitionen zurückgefahren und den Verschuldungsgrad (Gearing) von 21 Prozent im zweiten Quartal auf nun 11 Prozent gesenkt. "Unser Cashflow-Management funktioniert gut, das ist für mich auch die Entscheidungsgröße."

Dass die OMV cashmäßig gut aufgestellt ist, zeigt sich auch daran, dass die heute abgeschlossene mehrheitliche Übernahme des Chemiekonzerns Borealis um 3,8 Mrd. Euro entgegen früheren Plänen bereits jetzt vollständig bezahlt wurde. Finanziert wurde der Deal über die Emission von Anleihen in Höhe von 4,5 Mrd. Euro.

Erst im kommenden Jahr wird der Verkauf der 51-Prozent-Mehrheit der OMV an der Gas Connect Austria (GCA) abgeschlossen, durch den sich die Verschuldung der OMV um 570 Mio. Euro reduzieren wird.

Mit der Wertberichtigung in Höhe von 600 Mio. Euro dritten Quartal habe die OMV nachgeholt, was die Mitbewerber in der Branche bereits im zweiten Quartal getan hätten, nämlich dem langfristig niedriger erwarteten Ölpreis Rechnung zu tragen. Während man früher den Ölpreis langfristig bei 75 Dollar gesehen habe, rechne man nun mit 60 bis 65 Dollar. Für heuer erwartet die OMV einen durchschnittlichen Ölpreis von 40 Dollar und für das nächste Jahr von 50 Dollar - das habe man schon im ersten Quartal berücksichtigt. Die Wertberichtigung gebe es "rein auf dem Papier, die wirkt sich dann natürlich so stark auf das berichtete Nettoergebnis aus". Sie betreffe auch nur den Upstream-Bereich, bei den Raffinerien und beim Chemiegeschäft gebe es keinen Wertberichtigungsbedarf.

Gute Nachrichten gab es für die OMV zuletzt aus Libyen. "Wir haben seit 11. Oktober die Produktion in Libyen langsam wieder hochgefahren." Am Mittwoch sei bereits eine erste Öllieferung verkauft worden. "Die Sicherheitslage in Libyen ist aber nach wie vor fragil und wir müssen abwarten, ob wir dort eine längerfristig stabile Produktion aufbauen können."

Über die auch gegen die OMV verhängte Geldstrafe der polnischen Wettbewerbsbehörde im Zusammenhang mit dem Bau der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 zeigte sich Seele "erstaunt", man werde dagegen Einspruch einlegen. Da die Strafe "keine rechtliche Grundlage" habe, werde man auch keine Rückstellung dafür bilden.

Auch wenn das OMV-Geschäft derzeit stark von der Corona-Situation beeinflusst wird, werde langfristig nicht Corona, sondern der Klimawandel die Strategie des Konzerns bestimmen, ist Seele überzeugt. "Covid wird die Ölnachfrage kurz- und mittelfristig beeinflussen." Die Luftfahrtbranche werde sich nur langsam erholen, allerdings habe in Europa der Kraftstoffverbrauch bereits im September das Niveau von vor der Coronakrise erreicht. Insbesondere nach der jüngsten Lockdown-Entscheidung in Deutschland müssten im vierten Quartal die Absatzvolumina etwas nach unten korrigiert werden, sowohl der Individualverkehr als auch der Flugverkehr dürften sich reduzieren.

Die OMV-Aktie gerät im Wiener Handel unter Druck und fällt zeitweise um 0,91 Prozent auf 19,66 Euro.

(APA) ivn/sp

(APA)

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Bildquelle: OMV,Manfred Segerer/OMV

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