USA dynamischer als Europa 25.04.2019 12:45:00

Raiffeisen-Chefanalyst: Börsenaufschwung geht weiter

Raiffeisen-Chefanalyst: Börsenaufschwung geht weiter

Auch über die Jahresmitte hinaus - im dritten Quartal - dürfte diese Entwicklung anhalten, sofern dies nicht politisch konterkariert wird. Die Dynamik sei dabei in den USA stärker als in Europa, erklärte der Experte am Donnerstag vor Journalisten.

Freigemacht worden dafür sei der Weg ja durch die März-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB), aber auch Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell, der am 20. März den Zinserhöhungszyklus für die USA de facto für beendet erklärt habe. Amerika weise aktuell mehr Dynamik auf. Dort jage ein Rekord den anderen, in Europa noch nicht. Bei uns sei der Finanzsektor stärker, leide aber jetzt und wohl auch 2020 unter der Geldpolitik.

Die Eurozonen-Banken müssten derzeit um die 8 Mrd. Euro an negativen Einlagezinsen zahlen, diese Belastung könnte sich durch neue Langfristdarlehen (TLTRO III) auf 4 bis 5 Mrd. Euro im Jahr reduzieren, schätzt Brezinschek. Die neuen Kredite könnten zu Null- oder sogar Negativzinsen bereitgestellt werden, näheres dazu könnte man im Juni wissen. Sollte es beim Einlagesatz (von 0,4 Prozent) unter bestimmten Bedingungen Erleichterungen bzw. Refundierungen für bestimmte Institute geben - also einen gespaltenen Einlagesatz -, so würden davon Banken aus Frankreich, Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden am meisten profitieren.

Von der IWF/Weltbank-Jahrestagung mitgebracht hat der RBI-Experte die Einschätzung von Spitzennotenbankern aus dem Euroraum, dass es "keine Rezession" gebe und dass sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr "leicht beleben" könnte. Die Kritik an Details von Prognosen der EZB-Ökonomen teilt Brezinschek nicht, denn letztlich sei es egal, ob irgendein Anstieg ein oder nur 0,8 Prozent ausmache - das hänge vom jeweiligen Basiseffekt ab, "weil wir 2018 ein schlechtes zweites Halbjahr hatten". Wichtig sei, wie hoch in den nächsten Vierteljahren bis ins Jahr 2020 hinein das jeweilige Wachstum im Quartalsabstand ausmache, betont der Analyst.

Auch den jüngsten vermeintlichen Stimmungs-Dämpfer durch den Rücksetzer beim viel beachteten deutschen ifo-Geschäftsklimaindex diese Woche - und auch die Einkaufsmanagerindex-Daten (PMI) aus der Vorwoche - relativiert Brezinschek. An Schwung verloren habe lediglich die Industrie, nicht aber die Dienstleistungen. Die Industrie stelle aber nur 15 bis 23 Prozent Anteil, der 2 bis 2 1/2 Prozent wachsende Servicesektor jedoch 70 Prozent. "Da komme ich insgesamt dann trotzdem noch auf ein Wachstum."

Die am Freitag in den USA anstehende Erstschätzung des BIP-Anstiegs im Erstquartal werde mit vermutlich 2,2 oder 2,3 Prozent "gar nicht so schlecht" ausfallen - vor allem, wenn man den Government Shutdown mitberücksichtigt, also den Stillstand vieler US-Behörden wegen des Budgetstreits. Der Außenhandel dürfte bis März sehr gut gelaufen sein, auch die Investitionen. Ein Zinssenkungsbedarf sei für die US-Notenbank nicht gegeben, auch die Diskussion dazu dürfte sich hinauszögern, vermutet Brezinschek nach der IWF-Tagung. Dort habe Vize-Notenbankchef Richard Clarida von einem ausgezeichneten Umfeld für die US-Konjunktur gesprochen und davon, dass die Geldpolitik das unterstützen werde. Beim nächsten Fed-Meeting am 1. Mai werde wohl die Angemessenheit der US-Geldpolitik betont. Auch die nicht mehr weiter gesunkenen Renditen zeigten, dass die Fed ein ruhigeres Fahrwasser beschreiten wolle.

Zu den Handelsthemen Europas mit den USA müssten sich vor allem Deutschland und Frankreich noch einigen - insbesondere sollte Paris bereit sein, an den Verhandlungstisch mit den USA zu gehen, so Brezinschek. Derzeit erhebe Europa keine Stimme und finde keine einheitliche Linie, was etwa Intellectual Property Rights (Geistiges Eigentum) und Zollabbau betreffe. Sollten die USA weitere Fortschritte mit China erzielen, werde Europa nächste Stoßrichtung sein. US-Finanzminister Steven Mnuchin und der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer wollen ab 30. April in Peking mit ihren Verhandlungspartnern über eine mögliche Handelsvereinbarung beider Länder beraten.

Die aktuelle US-Berichtssaison ist aus Raiffeisen-Research-Sicht recht gut verlaufen, selbst wenn man die positiven Effekte für die Firmen durch die US-Steuerreform außer acht lässt. Bis dato hätten rund 27 Prozent der S&P-500-Unternehmen Quartalszahlen vorgelegt - rund 81 Prozent hätten die in sie gestellten Gewinnerwartungen übertroffen. Zudem liege der Saldo der Gewinnüberraschungen mit 54 Prozentpunkten über dem 5-Jahres-Median.

Die Gewinn- und Umsatzwachstumsprognosen würden, nach den sehr guten Resultaten von 2018, etwas schwächer ausfallen. So liege das erwartete Gewinnwachstum für 2019 deutlich unter 5 Prozent, wobei der Trend ganz klar Richtung Süden gehe. Letzteres zeige auch der Saldo aus den positiven und negativen Gewinnrevisionen für den S&P 500 für die nächsten 12 Monate, wobei zuletzt klar die negativen Revisionen überwogen hätten. Allerdings, betonte Brezinschek ausdrücklich, könnte der Saldo es zur Jahresmitte 2019 wieder in den positiven Bereich gehen.

(Schluss) sp/itz

APA

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