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Mehr Risikovorsorgen 04.05.2022 17:53:00

RBI-Aktie schließt klar im Minus: RBI macht zum Jahresstart mehr Gewinn

RBI-Aktie schließt klar im Minus: RBI macht zum Jahresstart mehr Gewinn

Der Nettogewinn der RBI lag bis März mit 442 Mio. Euro höher als im vierten Quartal 2021 mit 317 Mio. Euro und doppelt so hoch wie Anfang 2021 mit damals 216 Mio. Euro. Getrieben wurde der Anstieg des Konzernergebnisses durch Zuwächse beim Zins- und beim Provisionsüberschuss sowie dem Handelsergebnis.

Der Zinsüberschuss legte auf 986 Mio. Euro zu, ein Prozent über dem Vorquartal und rund 250 Mio. Euro mehr als vor Jahresfrist. Unterstützt wurde dies durch volumsbedingte Zuwächse und die Zinsanstiege in Russland und der Ukraine. Der Provisionsüberschuss war mit 683 Mio. Euro ebenfalls deutlich höher, hier wirkte nach Angaben von Mittwoch neben dem Volumen die vom russischen Staat angeordnete Zwangskonvertierung von Devisen in russische Rubel. Das Handelsergebnis von diesmal 184 Mio. Euro (nach 24 Mio. Ende in Q4 bzw. 4 Mio. in Q1) resultierte aus Fremdwährungspositionen gegenüber dem Rubel und der Entwicklung des eigenen Credit-Spread im Bereich des Zertifikatgeschäfts.

Dem stand mit 319 Mio. Euro eine Vervierfachung der Risikovorsorgen (Wertminderungen auf finanzielle Vermögenswerte) gegenüber, die mit 316 Mio. Euro fast zur Gänze auf Osteuropa entfielen. Im Vorjahresvergleich waren sie mit 76 Mio. noch sehr moderat ausgefallen. In Russland erhöhte die RBI die Wertberichtigungen um 209 Mio. Euro, in der Ukraine wurden 92 Mio. Vorsorgen getroffen, in Weißrussland waren es 14 Mio. Euro.

Andererseits kamen trotz der erschwerten Bedingungen durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine von den 442 Mio. Euro Konzernergebnis 96 Mio. Euro Gewinnbeitrag aus Russland und 23 Mio. aus Weißrussland; in der Ukraine dagegen fielen 41 Mio. Euro Verlust an. In Summe steuerte die aus diesen drei Ländern bestehende RBI-Region Osteuropa somit 78 Mio. oder rund ein Sechstel zum Nettoergebnis bei.

In Russland hatte die RBI per Ende März rund 2,3 Mrd. Euro an Eigenkapital stecken (Kern- und Hybridkapital), wobei der Rückgang um rund 100 Mio. Euro seit Ultimo 2021 aus Währungseffekten resultiert. Das Eigenkapital im engeren Sinn ging von 2,074 Mrd. auf 1,927 Mrd. Euro zurück. In der Ukraine, wo die RBI nicht zu 100 Prozent, sondern nur zu 75 Prozent beteiligt ist, verringerte sich das Eigenkapital verlustbedingt von 320 auf 300 Mio. Euro.

Das Kundengeschäft in Russland und damit das Kreditgeschäft dort hat die RBI weiter verringert. Das Kreditvolumen in dem Land ging von 11,6 Mrd. Euro zu Jahresende 2021 auf 10,6 Mrd. Euro Ende März zurück, andererseits könnte sich der Betrag durch die mittlerweile erfolgte Rubel-Festigung wieder etwas erhöht haben. Einlagen, die von Kunden gebracht werden, müssen angenommen werden, wenn nicht rechtliche Hindernisse entgegenstehen. Das Geld wird entweder bei der Zentralbank hinterlegt oder als Euro oder Dollar an europäische Banken transferiert.

Die Harte Kernkapitalquote der gesamten RBI hat sich binnen Jahresfrist von 13,1 auf 12,3 Prozent verringert. Das spiegle den Anstieg der Risikogewichteten Aktiva (RWA) durch die Rating-Herabstufungen in Russland, der Ukraine und Belarus wider, heißt es im Quartalsbericht. Durch dieses Downgrading der Ratingagenturen hat die RBI um 13 Prozent mehr Kapitalbedarf, also von knapp einer Milliarde Euro zusätzlich. Umgekehrt gesagt: Ohne Russland hätte die RBI eine Kapitalquote von 13,3 Prozent und nur 346 Mio. statt 442 Mio. Euro Ergebnis im Quartal gehabt.

Zu Russland heißt es im Quartalsbericht, derzeit würden - weiterhin - alle strategischen Optionen für die Zukunft der Raiffeisenbank Russland bis hin zu einem sorgfältig gesteuerten Ausstieg aus dieser Tochterbank geprüft. Im Vorjahr hat die russische Tochterbank etwa ein Drittel zum Konzerngewinn von 1,4 Mrd. Euro beigetragen.

In der Ukraine versucht man aktuell, trotz der Kriegsereignisse den Bankbetrieb weiter aufrecht zu erhalten.

Die Verwaltungsaufwendungen der RBI insgesamt stiegen im Jahresabstand auf 792 Mio. Euro, lagen aber unter dem vierten Quartal. Das Betriebsergebnis war mit 1,089 Mrd. Euro deutlich höher als im Vorquartal (763 Mio.) bzw. zu Jahresanfang 2021 (543 Mio.). Staatliche Pflichtabgaben schlugen sich mit 159 Mio. Euro etwas stärker nieder, weil sich diese am - gestiegenen - Bruttoertrag bemessen. Das Vorsteuerergebnis war mit 508 Mio. Euro um 100 Mio. Euro höher als im vierten bzw. um 200 Mio. Euro höher als im ersten Quartal 2021.

Die gesamten Forderungen an Kunden betrugen Ende März 102,0 Mrd. Euro, etwas mehr als Ende 2021. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden sanken leicht auf 113,7 Mrd. Euro, die Bilanzsumme wuchs auf 192,6 Mrd. Euro. Die Risikogewichteten Aktiva der gesamten RBI wuchsen von Ende 2021 bis Ende März von 89,9 auf 104,0 Mrd. Euro.

Ende März zählte man 46.621 Beschäftigte (Vollzeitäquivalente). Mit 1.775 Geschäftsstellen wurden 18,4 Mio. Kunden betreut.

Den Ausblick für 2022 hat die RBI wegen eines geringeren Kreditwachstums und höherer Risikokosten gesenkt. Erwartet wird nun ein stabiles Kreditvolumen mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Der Zinsüberschuss dürfte im oberen und der Provisionsüberschuss im mittleren einstelligen Prozentbereich zunehmen, heißt es.

Im frühen Wiener Handel konnte die Raiffeisen-Aktie noch zulegen, doch bis Handelsende rutschten die Papiere ab. Sie schlossen 4,03 Prozent schwächer bei 11,20 Euro.

sp/cgh

(APA)

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Bildquelle: Raiffeisen Bank International AG