21.02.2020 13:14:42

ROUNDUP 2: Allianz federt Probleme in Industrieversicherung ab - Aktie legt zu

(neu: Aussagen aus Pressekonferenz zu Gewinnprognose, Konzernumbau, Coronavirus, Übernahmen und China-Plänen; aktualisierter Aktienkurs)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Gute Geschäfte mit Altersvorsorge und Fonds haben Europas größten Versicherer Allianz 2019 vor einem Gewinnrückgang bewahrt. Probleme in der Industrieversicherung kamen den Dax-Konzern teuer zu stehen. Bei seinen Zielen für das neue Jahr gab sich das Management um Konzernchef Oliver Bäte gewohnt vorsichtig. "Wir müssen den Zinsrückgang an anderer Stelle rausholen", sagte Finanzvorstand Giulio Terzariol am Freitag in München. Derweil versucht Bäte den Versicherungsriesen weiter zu entschlacken - und mit digitalen Angeboten Marktanteile zu gewinnen.

An der Börse wurden die Nachrichten nach anfänglichen Kursverlusten positiv aufgenommen. Zur Mittagszeit notierte die Allianz-Aktie 0,83 Prozent im Plus bei 229,90 Euro und war damit einer der stärksten Werte im Dax (DAX 30).

Im abgelaufenen Jahr steigerte der Versicherer seinen operativen Gewinn um drei Prozent auf knapp 11,9 Milliarden Euro - obwohl die Sanierung der Industrieversicherung und hohe Großschäden am Ergebnis zehrten. Damit übertraf der Versicherer die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten, die Terzariol noch im November gedämpft hatte. Für 2020 peilt der Vorstand ein operatives Ergebnis zwischen 11,5 und 12,5 Milliarden Euro an - während Analysten im Schnitt schon von 12,4 Milliarden ausgehen.

Unterdessen sollen die Aktionäre nicht zu kurz kommen. Die Dividende für 2019 soll überraschend stark von 9 Euro auf 9,60 Euro steigen. Zudem will der Konzern bis Ende 2020 weitere 1,5 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien stecken.

"Wir liefern", fasste Bäte die Jahreszahlen zusammen. Allerdings lief es noch nicht überall rund. Zwar stieg der Umsatz um fast acht Prozent auf 142,4 Milliarden Euro, und der Nettogewinn legte um sechs Prozent auf 7,9 Milliarden Euro zu.

Doch in ihrer Kernsparte, der Schaden- und Unfallversicherung, musste die Allianz einen Gewinneinbruch hinnehmen. Das operative Ergebnis sank dort um 12 Prozent auf nur noch gut 5 Milliarden Euro. Hauptgrund war die Industrieversicherungstochter AGCS. Deren Schadenreserven reichten nach einem jahrelangen Preiskampf nicht aus, die Allianz musste 600 Millionen Euro nachschießen.

Zudem zehrten hohe Großschäden am Ergebnis, darunter der Absturz der Boeing 737 Max von Ethiopian Airlines und das seitdem geltende weltweite Startverbot für den Flugzeugtyp mit insgesamt 82 Millionen Euro. Während Naturkatastrophen die Allianz weniger teuer zu stehen kamen als im Vorjahr, stiegen die von Menschen gemachten Großschäden um fast die Hälfte auf fast 1,3 Milliarden Euro. Dennoch reichten die Prämieneinnahmen aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken.

Für 2020 rechnet der Vorstand 2020 in dem Segment allerdings nur mit einem Anstieg des operativen Gewinns von 5 auf 5,6 Milliarden Euro. Die jüngste Sonderbelastung bei AGCS herausgerechnet, würde das Ergebnis damit stagnieren. Terzariol begründete dies mit den verschärften Niedrigzinsen, die auch in dieser Sparte 2020 aufs Ergebnis drückten. Hoffnung bereitet ihm und Bäte, dass die Preise in der Industrieversicherung zuletzt gestiegen seien.

Nach dem gelungenen Umbau der Lebensversicherung und der Vermögensverwaltung arbeitet die Allianz-Spitze seit 2018 daran, im Schaden- und Unfallgeschäft wieder nach vorn zu kommen. Bäte will Strukturen straffen und Management-Ebenen streichen. Vor allem will er Versicherungsprodukte im Kern zentral entwickeln statt für jeden Markt einzeln.

"Am Ende wollen wir Produkte haben, die für unsere Kunden und Mitarbeiter viel leichter zu bedienen und zu verstehen sind." Allerdings sei eine solche Umstellung gar nicht so einfach. Wenn man versuche, bestehende Systeme in neue zu überführen, "geht auch mal was in die Hose".

Angesichts der Schwierigkeiten in der größten Sparte kam es der Allianz 2019 gelegen, dass es in den anderen Bereichen deutlich besser lief. So stieg der Neugeschäftswert in der Lebens- und Krankenversicherung trotz der Niedrigzinsen um 3,8 Prozent. Das operative Ergebnis des Segments legte sogar um rund gut 13 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zu. Allerdings lag dies auch an einem bilanziellen Sondereffekt in den USA. Daher erwartet die Allianz in der Sparte 2020 sogar einen Gewinnrückgang.

In der Vermögensverwaltung, zu der die Fondsgesellschaften Pimco und Allianz Global Investors (AGI) gehören, legte der operative Gewinn 2019 um rund sieben Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Das verdankte die Allianz vor allem den Anlegern bei Pimco, die binnen zwölf Monaten netto mehr als 83 Milliarden Euro in die Fonds der US-Tochter einzahlten. Bei der Schwestergesellschaft AGI flossen hingegen auf Jahressicht netto 7,5 Milliarden Euro ab. Im vierten Quartal drehte sich der Trend jedoch auch dort ins Positive.

Unterdessen richtet die Allianz-Führung ihren Blick nach China - allerdings nicht so sehr wegen des Coronavirus. Dessen Folgen dürften den Konzern im Kerngeschäft allenfalls bei der Reiseversicherung treffen, nicht aber bei der Versicherung gegen Betriebsunterbrechungen, sagte Terzariol.

Allerdings besitzt der Konzern seit Herbst als erster ausländischer Versicherer die Lizenz, in China ohne örtlichen Partner Versicherungsverträge anzubieten. Der dortige Markt habe sich in den vergangenen Jahren verdreifacht, sagte Bäte. Für die Allianz gebe es dort ein riesiges Wachstumspotenzial. Er hat dabei vor allem die Lebensversicherung und Kreditversicherungen im Blick.

Weiteren größeren Übernahmen im In- oder Ausland erteilte der Allianz-Chef vorerst eine Absage. Der "Megadeal" komme weder morgen noch übermorgen, sagte er. Mit den jüngsten Zukäufen Liverpool Victoria und Legal & General (LegalGeneral) in Großbritannien sowie von Teilen des brasilianischen Versicherers Sul America sei die Allianz dort jeweils zu einem der größten Anbieter aufgestiegen. Diese Vorteile will der Vorstand nun nutzen./stw/ag/mis

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