26.02.2020 09:08:41

ROUNDUP: Aareal Bank erwartet nach Gewinnrückgang keinen Aufwind für 2020

WIESBADEN (dpa-AFX) - Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank rechnet nach einem Gewinnrückgang im vergangenen Jahr auch 2020 mit keiner Erholung. Betriebsergebnis und Überschuss dürften in etwa stabil bleiben, teilte das im MDAX gelistete Geldhaus am Mittwoch in Wiesbaden mit. Die Unsicherheiten in der Weltwirtschaft und die verschärften Niedrigzinsen fordern ihren Tribut. Die Aktionäre sollen zwar bei der Dividende einen Einschnitt hinnehmen, aber immer noch mehr erhalten als von Experten erwartet.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten zunächst positiv aufgenommen. Der Kurs der Aareal-Aktie stieg kurz nach dem Handelsstart in einem schwachen Gesamtmarkt um ein halbes Prozent, nachdem das Papier seit dem Jahreswechsel fast sieben Prozent an Wert verloren hatte. So verdiente die Bank 2019 mehr als von Analysten errechnet. Für 2020 hatten die Experten im Schnitt aber eine etwas mutigere Prognose erwartet.

Das gilt umso mehr, als Bankchef Hermann Merkens bei seinem Ziel, den Betriebsgewinn 2020 stabil zu halten, die möglichen Folgen einer Trennung von weiteren faulen Darlehen ausklammert. Im abgelaufenen Jahr hatte die Bank sich von Kreditrisiken in Italien getrennt, was den Betriebsgewinn mit rund 50 Millionen Euro belastete. In der Regel verkauft die Bank die Forderung in solchen Fällen an einen Abwickler. Dieser übernimmt das Kreditrisiko, überweist der Bank dafür aber nur einen Teil der noch ausstehenden Darlehenssumme.

Dennoch verdiente die Aareal Bank 2019 im laufenden Geschäft fast so viel wie ein Jahr zuvor. Der Betriebsergebnis sank zwar um 22 Prozent auf 248 Millionen Euro. Allerdings hatte das Institut bei der Übernahme der Düsseldorfer Hypothekenbank (DHB) im Vorjahr einen Sondergewinn verbucht. Ohne diesen Posten belief sich der Rückgang nur auf fünf Prozent. Zudem übertraf die Bank nun ihre im Sommer gedämpfte Gewinnprognose von rund 240 Millionen Euro und schnitt auch besser ab als von Analysten erwartet.

Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn sank um 30 Prozent auf 145 Millionen Euro zurück. Die Dividende soll um 10 Cent auf zwei Euro sinken. Analysten hatten jedoch mit einem noch stärkeren Abschlag gerechnet.

Im neuen Jahr will Bankchef Hermann Merkens Betriebsergebnis und Nettogewinn in etwa auf dem Niveau von 2019 halten. Beim Nettogewinn soll dies auch gelingen, wenn man weitere Belastungen infolge der Trennung von schwächelnden Kreditbeständen einrechnet.

Dazu sollen Zins- und Provisionsüberschuss insgesamt stabil bleiben, nachdem die Bank schon im Vorjahr nur bei den Provisionen zulegen konnte. Der Vorstand begründete seine Prognose mit einem harten Wettbewerb und den weltweiten politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. "Dabei ist weder regulatorisch noch auf der Zinsseite mit einer Entlastung zu rechnen."

Unterdessen versucht das Management die Gewinne der IT-Tochter Aareon in die Höhe zu treiben. Die Sparte soll ihr Wachstumstempo deutlich erhöhen und "als eigenständig am Markt positioniertes Software-Unternehmen eine starke, von der Mutter unabhängige Wert-Perspektive entwickeln". Der Betriebsgewinn soll sich mittelfristig auf rund 70 Millionen Euro verdoppeln. 2019 stieg er leicht auf 37 Millionen Euro. Der Vorstand fasst in diesem Segment inzwischen auch Fusionen und Übernahmen ins Auge.

Forderungen nach einem Verkauf von Aareon war der Vorstand im November klar entgegengetreten. Der IT-Tochter komme wegen ihrer "exzellenten Wachstumsperspektiven und der starken Verflechtungen mit dem Bankgeschäft" bei der Weiterentwicklung des Konzerns eine "wesentliche Rolle" zu, hatte Merkens gesagt. Sie sei ein "integraler Bestandteil" der Bank./stw/mne/mis