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06.08.2020 11:20:38

ROUNDUP: Compugroup kaum von Covid-19-Krise betroffen - Prognose angehoben

KOBLENZ (dpa-AFX) - Der auf Arztpraxen und Apotheken spezialisierte Softwareanbieter Compugroup (CompuGroup Medical SE) kommt weiter gut durch die Corona-Krise. Zwar ging der Umsatz im zweiten Quartal wie erwartet etwas zurück. Das lag aber vorwiegend an der Sonderkonjunktur für das Unternehmen im Vorjahr, als in starkem Maße technische Hardware für die Datenvernetzung im Gesundheitssystem in den Arztpraxen installiert wurde. Dank einer vollzogenen Übernahme setzen sich die Koblenzer nun sogar mitten in der Pandemie höhere Ziele, wie sie am Donnerstag mitteilten.

Die Aktie gewann zunächst und stieg auf 78,55 und damit etwas höher als das Rekordhoch von 78,50 Euro aus dem Mai. Dann gab der Kurs allerdings wieder nach und sank wieder unter die Marke von 75 Euro. Vom Corona-Crash mit einem Kursrückgang auf 46,50 Euro im März hatte sich der Kurs ohnehin schnell erholt. Die Compugroup profitiert als Softwareanbieter für das Gesundheitssystem vor allem von der - in Teilen auch gesetzlich vorgeschriebenen - stärkeren Datennutzung in Praxen, Apotheken und Krankenhäusern.

Beim Umsatz rechnet der Konzern in diesem Jahr nun mit Erlösen zwischen 820 und 860 Millionen Euro. Vorher standen 765 bis 815 Millionen Euro im Plan. Auch beim bereinigten operativen Ergebnis (ber. Ebitda) legt das Unternehmen die Latte höher, hier will es nun zwischen 205 und 220 Millionen verdienen statt nur 195 bis 215. Anfang Juli hatte die Compugroup die Übernahme von Geschäftsteilen des US-Rivalen Cerner in Deutschland und Spanien abgeschlossen, darunter vor allem Krankenhausinformationssysteme.

Mit der Covid-19-Pandemie hätten die angehobenen Prognosen nichts zu tun, hieß es. Vor allem der Zukauf sei der Grund, hieß es. Der Ausblick stehe aber wegen der Krise unter größerer Unsicherheit als üblich, auch wenn sich Auswirkungen auf die strategische Ausrichtung des Konzerns aktuell nicht abzeichneten. Mittelfristig rechnen sich die Koblenzer aber durchaus deutlich gestiegene Wachstumschancen aus, weil die Pandemie die Bereitschaft zur Nutzung digitaler Vernetzung im Gesundheitswesen nachhaltig steigere.

"Wir haben gerade in dieser Zeit gesehen, dass vielen Menschen der Nutzen der Digitalisierung im Gesundheitswesen unmittelbar bewusst wird", sagte Vorstandschef und Gründer Frank Gotthardt. Notfalldaten und elektronische Medikationspläne auf der Gesundheitskarte würden genauso wie die digitale Kommunikation zwischen Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäusern zur Normalität werden. Im Juli war ein weiteres Verbindungsgerät des Unternehmens zugelassen worden. "All dies bestärkt uns darin, unseren konsequenten Wachstumskurs der vergangenen Jahre weiter fortzuführen", sagte Gotthardt.

Die Erlöse fielen zwischen April und Ende Juni im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 179,9 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte mit dem Ausrollen von technischer Hardware - sogenannten Konnektoren - dem Unternehmen im Geschäft mit Arztpraxen einen Boom beschert. Ohne diese Effekte im Vorjahr wäre der Umsatz nun um 6 Prozent gestiegen, rechnete die Compugroup vor.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um ein Prozent auf 44,6 Millionen Euro zu. Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf rund 43 Millionen Euro gerechnet. Beim Umsatz habe das Unternehmen wie am Markt erwartet abgeschnitten und beim operativen Gewinn etwas besser, hieß es von Baader-Bank-Analyst Knut Woller. Mit der Anhebung der Prognose hatte er gerechnet.

Unter dem Strich stieg der Nettogewinn um 17 Prozent auf 16,3 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatten vorgezogene Zahlungen an ein ausgeschiedenes Vorstandsmitglied die Zahlen belastet.

Mittlerweile ist das seit September 2019 im MDax gelistete Unternehmen an der Börse 4 Milliarden Euro wert. Ungeachtet des langfristigen Trends nach oben müssen Anleger zwischendurch aber auch des öfteren mit schmerzlichen Kursrückschlägen zurecht kommen. So sackte das Papier zum Beispiel auch im August des Vorjahres deutlich ab, weil Quartalszahlen enttäuscht hatten./men/knd/stk

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