15.08.2019 12:16:41

ROUNDUP: SGL schockt mit Chefrücktritt und gekappten Zielen - Aktie stürzt ab

WIESBADEN (dpa-AFX) - Der Kohlefaserspezialist SGL Carbon (SGL Carbon SE) muss sich wegen der enttäuschenden Geschäftsentwicklung einen neuen Chef suchen. Jürgen Köhler werde mit Wirkung zum 31. August 2019 zurücktreten, teilte das Unternehmen am Mittwochabend in Wiesbaden mit. Gleichzeitig senkte der Konzern seine Jahresprognosen, den Ausblick für die darauffolgenden Jahre kassierte SGL gleich ganz ein. Anleger reagierten entsetzt - der Kurs der im SDAX notierten Aktien rutschte um rund ein Drittel ab. Die Papiere kosteten damit erstmals weniger als 4 Euro - vor einem Jahr hatte der Kurs noch bei knapp 12 Euro gelegen.

Wegen der deutlich schlechter als erwartet eingetretenen Entwicklung im Geschäftsbereich Composites - Fibers & Materials (CFM) rechnet SGL nun für 2019 beim um Sondereinflüsse bereinigten Konzern-Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) mit einem Rückgang um 10 Millionen Euro zum Vorjahr. Zuletzt hatte das Unternehmen noch ein stabiles Ebit auf dem Vorjahresniveau von 65 Millionen Euro erwartet. Beim Konzernergebnis wird nun statt des erhofften ausgeglichenen Ergebnisses mit einem Verlust im hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich gerechnet.

Die bisherigen Konzernprognosen für 2020 bis 2022 stricht SGL gleich komplett. Einen neuen Ausblick will das Unternehmen spätestens zu Anfang des kommenden Jahres veröffentlichen. Begründet wurde die schlechte Entwicklung bei CFM mit Planungsfehlern bei einem großen Windenergie-Geschäft. Außerdem würden die erwartete Erholung im Marktsegment Industrielle Anwendungen sowie die geplanten Ergebnisverbesserungsmaßnahmen nicht in dem erwarteten Ausmaß das Ergebnis im zweiten Halbjahr 2019 stützen.

Zum Gegensteuern würden nun unter anderem Restrukturierungsmaßnahmen geprüft. An dem Unternehmen, dessen Börsenwert mit dem Kursrutsch auf 450 Millionen Euro gefallen ist, sind die Autobauer BMW (18,4 Prozent) und VW (Volkswagen (VW) vz) (7 Prozent) sowie die Aufsichtsratschefin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Skion (27,5 Prozent) beteiligt. Die Autobauer sind seit vielen Jahren an dem Konzern beteiligt, weil sie vor einiger Zeit darauf gesetzt hatten, dass Carbonfasern in der Autobranche als Rohstoff an Bedeutung gewinnen. Inzwischen ist diese Euphorie wieder verflogen./he/tih/zb/fba

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