BIP 03.06.2024 15:02:00

Rückgang: Österreichs Wirtschaft schrumpft im ersten Quartal

Rückgang: Österreichs Wirtschaft schrumpft im ersten Quartal

Im ersten Quartal 2024 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zur Vorjahresperiode real um 1,1 Prozent, was vor allem auf die Entwicklung in Industrie und Großhandel zurückzuführen sei, wie die Statistik Austria am Montag mitteilte. Im Vergleich zu den Vorquartalen schwächte sich der Rückgang der Wirtschaftsleistung ab. Durch das Bevölkerungswachstum sank das BIP pro Kopf um 1,7 Prozent des Vorjahreswertes.

Im vierten Quartal des Vorjahres lag das Minus beim BIP noch bei 1,6 Prozent, nach Rückgängen von 2,0 Prozent und 1,7 Prozent in den beiden Quartalen davor. Dämpfend wirkten für die Entwicklung in den ersten drei Monaten des Jahres 2024 die Bereiche Warenherstellung (minus 5,9 Prozent) sowie der Handel und insbesondere der Großhandel (minus 4,8 Prozent). Aber auch die wirtschaftlichen Dienstleistungen wie etwa Arbeitskräfteüberlassung wiesen einen Rückgang um 2 Prozent auf.

Der produzierende Bereich verzeichnet seit März 2023 Monat für Monat Umsatzeinbußen, wie Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas vor Journalisten erklärte. Allerdings fiel im April der Rückgang mit Minus 2 Prozent bereits etwas moderater aus. Während der Umsatz in der Industrie um 2,6 Prozent gesunken ist, verzeichnete der Bau gegenüber dem April des Vorjahres ein Plus von 1,8 Prozent.

Gestützt wurde die Wirtschaft hingegen von Beherbergung und Gastronomie: Dieser Bereich verzeichnete erstmals nach den Corona-Aufholeffekten und dem darauf folgendem inflationsbedingten Rückgang ein leichtes Wachstum von 0,7 Prozent. So stiegen in der Wintersaison 2023/24 die Nächtigungen um 2,6 Prozent, die Zahl der Gäste um 5,5 Prozent.

Positiv entwickelte sich auch der Export: Während die Importe in den Monaten Jänner und Februar gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent zurückgegangen sind, stiegen die Exporte um 3,1 Prozent. Im Vergleich mit dem Vor-Corona-Niveau lagen heuer im Februar die Importe um 16,3 Prozent höher, die Exporte um 28,5 Prozent.

Die Inflation ging im April auf 3,5 Prozent und im Mai auf 3,3 Prozent zurück. Auch wenn der Trend durchaus positiv ist, hat Österreich innerhalb der EU noch immer die fünfthöchste Inflationsrate. Allerdings zählen Restaurants und Hotels zu den Inflationstreibern in Österreich. Im April stiegen im Jahresvergleich die Preise für Bewirtung um 7,9 Prozent und für Beherbergung um 5,9 Prozent. Ein Schnitzel kostete im April um 7,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, der Wein verteuerte sich 7,5 Prozent. Und der Tourismus hat hierzulande einen wesentlich größeren Anteil am Verbraucherpreisindex als in anderen Ländern.

Für Wohnen, Wasser, Energie musste man im April um 3,2 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor. Bei Bestandsmieten stiegen die Kosten um 7,7 Prozent, bei Neumieten sogar um 10,3 Prozent. Dafür sanken die Preise für Fernwärme um 16,3 Prozent, Erdgas um 13,1 Prozent und feste Brennstoffe um 16,7 Prozent. Die Teuerungsrate für verschiedene Waren und Dienstleistungen belief sich auf 5,4 Prozent - Versicherungen verteuerten sich um 7,5 Prozent, Körperpflege kostete um 4,1 Prozent mehr.

Während Energie und Nahrungsmittel im April 0,5 Prozentpunkte zur Inflation beitrugen, entfielen auf die Kerninflation (Dienstleistungen und Güter) 3 Prozentpunkte.

Budget: Defizit steigt wegen höherer Ausgaben

Das Budget hat sich im ersten Jahresdrittel ungünstig entwickelt. Das geht aus am Montag vom Finanzministerium veröffentlichten Zahlen hervor. Während die Einnahmen-Situation stabil blieb, haben sich die Ausgaben deutlich gesteigert. Schlagend werden Mehrausgaben für die Landesverteidigung, die grüne Transformation, Familienleistungen sowie den Gesundheitsschwerpunkt.

Die Einzahlungen in das Budget waren von Jänner bis inklusive April mit 26,1 Mrd. Euro auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. Die Auszahlungen betrugen in den ersten vier Monaten 38,7 Mrd. Euro und waren somit um 3,9 Mrd. Euro höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Maßgeblich waren Mehrauszahlungen im Zusammenhang mit der Konjunktur und der demografischen Entwicklung in der Höhe von 1,7 Mrd. Euro sowie mit der Aufstockung des Finanzausgleichs im Ausmaß von 0,9 Mrd. Euro.

Weitere Mehrauszahlungen von kumulativ 1,7 Mrd. Euro gab es unter anderem für Sicherheit, Bildung und Mobilität. Dem stehen Minderauszahlungen für Zinsen und sonstige Finanzaufwendungen in der Höhe von 0,3 Mrd. Euro sowie für die Bewältigung der Corona- und Energiekrise mit einem Volumen von 0,1 Mrd. Euro gegenüber.

Deutlich sichtbar ist für den Finanzminister bereits der Gesundheitsschwerpunkt im neuen Finanzausgleich mit einem Plus von 851 Mio. Euro für die Stärkung des niedergelassenen und spitalsambulanten Bereichs sowie der besseren Versorgung mit Medikamenten. Ebenfalls Faktor sind die Indexierung der Sozialleistungen und die Abschaffung der kalten Progression.

Die Valorisierung der Familienleistungen und das Maßnahmenpaket für vulnerable Familien sind ebenfalls budgetär sichtbar: Die Auszahlungen für Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld und Schülerfreifahrten stiegen um 0,1 Mrd. Euro (plus 4,5 Prozent), die Sonderzuwendungen belaufen sich ebenfalls auf 0,1 Mrd. Euro.

Brunner betont, dass die Teuerung für viele Menschen eine Belastung gewesen sei. Die Bundesregierung gebe aber über Hilfsmaßnahmen mehr zurück, als die Inflation nehme. Laut Schnellschätzung liegt die Inflation im Mai bei 3,3 Prozent und sinke damit weiter kontinuierlich.

tpo/fel

(APA)

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