Bestes Ergebnis der Bank 28.02.2019 18:04:00

Ruhe an Kreditfront verhilft der Erste Group zu Gewinnrekord - Aktie dreht ins Plus

Ruhe an Kreditfront verhilft der Erste Group zu Gewinnrekord - Aktie dreht ins Plus

Weil infolge der starken Wirtschaftsdaten in Osteuropa viele schon abgeschriebene Kredite zurückgezahlt wurden, konnten Vorsorgen dafür aufgelöst werden, was netto sogar ein Plus von 59 Mio. Euro brachte. Im Jahr davor mussten per Saldo 132 Mio. Euro für faule Kredite zur Seite gelegt werden.

Nur mehr 3,2 Prozent des Kreditbestands gelten als problematisch (Vorjahr: 4 Prozent). Das ist der tiefste Stand seit vielen Jahren. Für 2019 wird mit einem Anstieg der Kreditrisikokosten gerechnet, allerdings auf niedrigem Niveau, teilte die Bank am Donnerstag mit. Auch die Entlastung von der Bankensteuer, von der sich die Banken in Österreich "freigekauft" haben, schlug in der Bilanz 2018 positiv zu Buche. Das Kreditgeschäft brummt, vor allem bei Wohn- und Konsumkrediten. Zugelegt haben auch die Einlagen.

Der Jahresgewinn ist um mehr als ein Drittel auf knapp 1,8 Mrd. Euro angewachsen. Das war nicht nur das beste Ergebnis in der Geschichte der Bank. Konzernchef Andreas Treichl sprach heute von einem "Geburtstagsgeschenk an unsere Gründer". Die Erste ist heuer 200 Jahre alt. Auf der "Passivseite" der Region Zentral/Osteuropa stand 2018, dass "für uns als Unternehmen das politische Risiko im Moment stärker wiegt als das wirtschaftliche", gab der Banker zu bedenken. Das treffe aber nicht nur auf diese Region zu.

Die Bank meldete für 2018 einen Zuwachs beim Zinsüberschuss von 5,3 Prozent, das Provisionsergebnis legte um 3,1 Prozent zu - bei de facto unveränderten Kosten. Damit gab es beim Betriebsgewinn einen Anstieg um knapp 9 Prozent auf 2,73 Mrd. Euro. Der Nettogewinn lag bei 1,79 (Vorjahr: 1,32) Mrd. Euro, ein Zuwachs um 36,3 Prozent.

Treichl: "Brauchen nichts von der EZB"

Die Erste hat seit 2009 ihr Kapital um die Hälfte gestärkt, die Kernkapitalquote legte von 8,3 auf 13,5 Prozent zu. Auch sonst sieht sie sich gut bei Kassa. Der Kreditmotor brummt, bei wenig Ausfällen. Um Kredite anzuheizen, prüft die EZB, langfristige Geldspritzen (TLTRO) neu aufzulegen. "Wir brauchen nichts von der EZB, sind völlig eigenfinanziert", sagt Erste-Chef Andreas Treichl.

2018 sind in der börsennotierten Erste Group die Kredite um 10 Milliarden auf knapp 150 Mrd. Euro angestiegen. Leicht rückläufig war in der Region nur das Hypothekenkreditneugeschäft; dennoch entsprachen laut Vorstand die neu vergebenen Hypothekarkredite an 95.500 Haushalte in Zentral/Osteuropa der Einwohnerzahl einer Stadt wie Klagenfurt. Im Schnitt sind zur Zeit nur 3,2 Prozent aller Kredite notleidend. Am höchsten ist diese Quote noch in Kroatien (knapp 10 Prozent).

Für 2019 erwartet Risikovorstand Willibald Cernko konzernweit weiter ein moderates Kreditrisiko. Von den strammen Wachstumsraten im Kreditgeschäft wolle man sich nicht verleiten lassen, bei jeder Hochzeit dabei sein zu wollen.

In fast allen Märkten der Bank im Osten wachse die Wirtschaft stärker als erwartet, ebenso die Finanzvermögen der dortigen Haushalte. Damit sieht Treichl den "unfassbaren Topfen" widerlegt, den Paul Krugman vor zehn Jahren verzapft habe: Der US-Nobelpreisträger hatte wegen der starken Ost-Verflechtung die Gefahr einer österreichischen Staatspleite gesehen, von einem neuen "Argentinien" gesprochen. Osteuropa beschere den österreichischen Banken indes weiter ein Wachstum, das andere Banken in Europa nicht hätten, ist die Erste Group überzeugt.

Von 47.400 Konzern-Beschäftigten sind 31.300 in den Osttöchtern. In Ungarn ist die Bank mit der Erste Bank Hungary vertreten. An dieser ist auch der ungarische Staat minderheitlich beteiligt. In nächster Zeit will die ungarische Regierung die 2015 verstaatlichte Budapest Bank reprivatisieren. Dafür anstellen werde sich die Erste sicher nicht, sagte Treichl. Sollte man von offizieller Seite gebeten werden, wäre man offen. Gespräche gab es bisher keine. In Rumänien droht eine neue Bankensteuer gerade, weite Teile des Gewinns der Tochter BCR zu verzehren.

Mit der Internetbankplattform George wird die Erste in weiteren Osttöchtern aktiv. Eine Expansion über diese Plattform und in der Folge allenfalls mit dazugehörenden "Stores" prüft der Vorstand in Westeuropa, in nächster Umgebung - also etwa in der Schweiz oder auch in Teilen Deutschlands.

Höhere Dividende

Den Aktionären der börsennotierten Erste Group winkt auch für das laufende Jahr 2019 eine höhere Ausschüttung. Das Kreditgeschäft soll im mittleren einstelligen Bereich zulegen, die Erträge sollten wieder stärker wachsen als die Kosten, heißt es im Ausblick. Ein belastender Faktor ist die Bankensteuer in Rumänien. Die Eigenkapitalrentabilität (ROTE) wird bei mehr als 11 Prozent erwartet.

Wenn die Dividende für 2019 im Frühjahr 2020 ausbezahlt wird, wird Erste-Chef Treichl hauptsächlich Dividendenbezieher sein, weil er heuer zu Jahresende als Vorstandschef in Pension geht und dann an die Spitze der Stiftung wechselt.

Für 2018 wird dank eines Rekordgewinns von knapp 1,8 Mrd. Euro die Dividende von 1,20 auf 1,40 Euro je Aktie angehoben. Zu Fragen nach den Aussichten für heuer sagte der Bankchef bei der Jahrespressekonferenz am Donnerstag, "wir wären sehr überrascht, wenn die Dividende für 2019 nicht höher sein wird als 2018. Wir glauben, dass sie höher sein wird."

In den vergangenen zehn Jahren ist die harte Kernkapitalquote der Ersten von 8,3 Prozent (2009) auf 13,5 Prozent (Ende 2018) angestiegen. Diese Quote war ursprünglich für nächstes Jahr das Ziel, nun wurde es entsprechend früher erreicht. Von den Regulatoren wünscht sich die Erste, nun einen Schlussstrich unter neue zusätzliche Anforderungen zu ziehen. Für ihr Geschäftsmodell sei die Bank absolut ausreichend kapitalisiert.

Trotz der Rekordzahlen gaben Erste Group-Aktien am Donnerstagmorgen zunächst ab. Die Papiere konnte jedoch deutlich ins Plus drehen und notierten zuletzt mit einem Zuschlag von 3,94 Prozent bei 33,25 Euro.

(Schluss) rf/cri/cs

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