Schwache Entwicklung 15.08.2019 17:55:00

SGL-Aktie bricht ein - Börsenwert um ein Drittel verringert: Chefrücktritt und Gewinnwarnung belasten SGL

SGL-Aktie bricht ein - Börsenwert um ein Drittel verringert: Chefrücktritt und Gewinnwarnung belasten SGL

Jürgen Köhler werde mit Wirkung zum 31. August 2019 zurücktreten, teilte das Unternehmen am Mittwochabend in Wiesbaden mit. Gleichzeitig senkte der Konzern seine Jahresprognosen, den Ausblick für die darauffolgenden Jahre kassierte SGL gleich ganz ein.

Wegen der deutlich schlechter als erwartet eingetretenen Entwicklung im Geschäftsbereich Composites - Fibers & Materials (CFM) rechnet SGL nun für 2019 beim um Sondereinflüsse bereinigten Konzern-Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) mit einem Rückgang um 10 Millionen Euro zum Vorjahr. Zuletzt hatte das Unternehmen noch ein stabiles Ebit auf dem Vorjahresniveau von 65 Millionen Euro erwartet. Beim Konzernergebnis wird nun statt des erhofften ausgeglichenen Ergebnisses mit einem Verlust im hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich gerechnet.

Die bisherigen Konzernprognosen für 2020 bis 2022 stricht SGL gleich komplett. Einen neuen Ausblick will das Unternehmen spätestens zu Anfang des kommenden Jahres veröffentlichen.

Begründet wurde die schlechte Entwicklung bei CFM mit Planungsfehlern bei einem großen Windenergie-Geschäft. Außerdem würden die erwartete Erholung im Marktsegment Industrielle Anwendungen sowie die geplanten Ergebnisverbesserungsmaßnahmen nicht in dem erwarteten Ausmaß das Ergebnis im zweiten Halbjahr 2019 stützen. Zum Gegensteuern würden nun unter anderem Restrukturierungsmaßnahmen geprüft.

An SGL Carbon sind die Autobauer BMW und VW sowie die Aufsichtsratschefin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Skion beteiligt.

SGL-Aktie bricht ein

Verheerende Entwicklung bei der SGL Group: Nach der Gewinnwarnung und dem Rücktritt des Vorstandschefs sind die Papiere des Kohlenfaserspezialisten am Donnerstag um 29,54 Prozent auf 3,81 Euro eingebrochen. Damit rutschten die Papiere unter ihr bisheriges Rekordtief aus dem Jahr 2002 und notieren erstmals überhaupt unter 4 Euro. Im SDAX sind sie in diesem Jahr unter den größten Verlierern mit einem Abschlag von fast 40 Prozent.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Management um Vorstandschef Jürgen Köhler die Ziele für 2019 bestätigt. Anleger wurden daher an diesem Donnerstag von der Gewinnwarnung auf dem falschen Fuß erwischt, reagierten entsprechend entsetzt und sprachen von Vertrauensverlust.

Die Gewinnwarnung komme überraschend, nachdem das Unternehmen erst Anfang August seinen Jahresausblick bestätigt habe, monierte ein Händler am Morgen.

Auch Analyst Christian Obst von der Baader Bank reagierte, änderte seine Kauf- in eine Verkaufsempfehlung für die SGL-Aktien und drittelte das Kursziel von 9 auf 3 Euro. Die Hiobsbotschaften von SGL könnten bedeuten, dass die komplette Zukunft des Unternehmens - zumindest die derzeitige Struktur - überarbeitet werden wird, schrieb er in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Er schloss auch nicht aus, dass Hauptaktionär Skion SGL von der Börse nehmen könnte, was für die Aktionäre die bessere Option wäre.

Matthias Pfeifenberger, Analyst bei der Deutschen Bank, blieb bei seinem "Hold"-Votum, senkte das Kursziel aber von 7,50 auf 5,30 Euro.

Vor allem im Geschäftsbereich Composites - Fibers & Materials (CFM) läuft es für SGL derzeit schlecht. Das Unternehmen begründete dies mit Planungsfehlern bei einem großen Windenergie-Geschäft. Außerdem würden die erwartete Erholung im Marktsegment Industrielle Anwendungen sowie die geplanten Maßnahmen zu Besserung der Ergebnisse nicht in dem erwarteten Ausmaß das Ergebnis im zweiten Halbjahr 2019 stützen.

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WIESBADEN (dpa-AFX)

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Bildquelle: 2010 © SGL Group

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