28.02.2019 15:44:00

Treichl: "Brauchen nichts von der EZB" - Offen für Ungarn-Zukauf

Die Erste hat seit 2009 ihr Kapital um die Hälfte gestärkt, die Kernkapitalquote legte von 8,3 auf 13,5 Prozent zu. Auch sonst sieht sie sich gut bei Kassa. Der Kreditmotor brummt, bei wenig Ausfällen. Um Kredite anzuheizen, prüft die EZB, langfristige Geldspritzen (TLTRO) neu aufzulegen. "Wir brauchen nichts von der EZB, sind völlig eigenfinanziert", sagt Erste-Chef Andreas Treichl.

2018 sind in der börsennotierten Erste Group die Kredite um 10 Milliarden auf knapp 150 Mrd. Euro angestiegen. Leicht rückläufig war in der Region nur das Hypothekenkreditneugeschäft; dennoch entsprachen laut Vorstand die neu vergebenen Hypothekarkredite an 95.500 Haushalte in Zentral/Osteuropa der Einwohnerzahl einer Stadt wie Klagenfurt. Im Schnitt sind zur Zeit nur 3,2 Prozent aller Kredite notleidend. Am höchsten ist diese Quote noch in Kroatien (knapp 10 Prozent).

Für 2019 erwartet Risikovorstand Willibald Cernko konzernweit weiter ein moderates Kreditrisiko. Von den strammen Wachstumsraten im Kreditgeschäft wolle man sich nicht verleiten lassen, bei jeder Hochzeit dabei sein zu wollen.

In fast allen Märkten der Bank im Osten wachse die Wirtschaft stärker als erwartet, ebenso die Finanzvermögen der dortigen Haushalte. Damit sieht Treichl den "unfassbaren Topfen" widerlegt, den Paul Krugman vor zehn Jahren verzapft habe: Der US-Nobelpreisträger hatte wegen der starken Ost-Verflechtung die Gefahr einer österreichischen Staatspleite gesehen, von einem neuen "Argentinien" gesprochen. Osteuropa beschere den österreichischen Banken indes weiter ein Wachstum, das andere Banken in Europa nicht hätten, ist die Erste Group überzeugt.

Von 47.400 Konzern-Beschäftigten sind 31.300 in den Osttöchtern. In Ungarn ist die Bank mit der Erste Bank Hungary vertreten. An dieser ist auch der ungarische Staat minderheitlich beteiligt. In nächster Zeit will die ungarische Regierung die 2015 verstaatlichte Budapest Bank reprivatisieren. Dafür anstellen werde sich die Erste sicher nicht, sagte Treichl. Sollte man von offizieller Seite gebeten werden, wäre man offen. Gespräche gab es bisher keine. In Rumänien droht eine neue Bankensteuer gerade, weite Teile des Gewinns der Tochter BCR zu verzehren.

Mit der Internetbankplattform George wird die Erste in weiteren Osttöchtern aktiv. Eine Expansion über diese Plattform und in der Folge allenfalls mit dazugehörenden "Stores" prüft der Vorstand in Westeuropa, in nächster Umgebung - also etwa in der Schweiz oder auch in Teilen Deutschlands.

Den Aktionären winkt für das laufende Jahr 2019 eine höhere Ausschüttung. Wenn die Dividende für 2019 im Frühjahr 2020 ausbezahlt wird, wird Treichl hauptsächlich Dividendenbezieher sein. Er geht heuer zu Jahresende als Vorstandschef in Pension und wechselt dann an die Spitze der Stiftung, also zum Hauptaktionär.

Schon für 2018 wird dank eines Rekordgewinns von knapp 1,8 Mrd. Euro die Dividende von 1,20 auf 1,40 Euro je Aktie angehoben. Das vierte Quartal hatte beim Nettogewinn ebenfalls einen Rekordwert (565 Mio. Euro) gebracht. Beim Betriebsergebnis (2018: 2,73 Mrd. Euro) will die Bank 2019 weiter zulegen. Ein US-Austritt der Briten berge wegen der begrenzten Präsenz in UK keine materiellen Gefahren, so die Erste.

(Schluss) rf/tsk

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