Prämien gestiegen 17.11.2022 18:00:00

UNIQA Insurance-Aktie im Minus: Nach neun Monaten sinkt Vorsteuer-Gewinn bei UNIQA Insurance

UNIQA Insurance-Aktie im Minus: Nach neun Monaten sinkt Vorsteuer-Gewinn bei UNIQA Insurance

Bis September wurde ein EGT von 275 Mio. Euro erzielt, das waren 7,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Konzernchef Andreas Brandstetter sieht dennoch ein solides Ergebnis "trotz komplexer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen," hießt es in der Aussendung vom Donnerstag.

Positiv entwickelten sich die verrechneten Prämien, diese stiegen um 4,3 Prozent auf 5,033 Mrd. Euro, wobei es in allen Sparten ein Wachstum zu verzeichnen gab. In der Schaden- und Unfallversicherung stiegen die Prämien um 5,5 Prozent auf 2,832 Mrd. Euro an, in der Krankenversicherung um 4,9 Prozent auf 963,6 Millionen Euro und in der Division Lebensversicherung um 1,2 Prozent auf 1,237 Mrd. Euro.

Die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) stieg leicht von 94,2 auf 94,4 Prozent an. Das versicherungstechnische Ergebnis sank wegen höherer Abschlusskosten um 10,8 Prozent auf 168,8 Mio. Euro. Unterm Strich stand dennoch ein Konzerngewinn von 242,9 Mio. Euro, das ist ein Plus von 3 Prozent zur Vorjahresperiode.

"Unser Kerngeschäft ist robust und vital, sowohl in Österreich als auch in den internationalen Märkten. Die Auswirkungen der Inflation konnten wir durch hohe Kostendisziplin größtenteils abfedern", so Brandstetter. Durch die Inflation hätten sich für die UNIQA beispielsweise höhere Ausgaben für Personal, aber auch Mehrausgaben auf der Schadenseite ergeben, etwa für Reparaturkosten. Das Problem der Preissteigerungen betreffe nicht nur Österreich, sondern auch die CEE-Märkte, in denen die UNIQA tätig ist. Dort sei die Inflation teils deutlich höher als in Österreich. Eine Entspannung ist im ersten Halbjahr 2023 laut Brandstetter nicht in Sicht. Es sei daher möglich, dass man künftig mit Kostenprogrammen gegensteuern müsse, so der UNIQA-Chef.

Aber auch auf der Einnahmenseite wird geschraubt werden müssen, den Kunden stehen also wohl Prämienerhöhungen ins Haus - ohne die werde es nicht gehen, sagte Brandstetter. In Österreich seien automatische Prämienanpassungen an die Inflation im Vertrag meist enthalten, in den Verträgen vieler CEE-Ländern sei das dagegen nicht der Fall. Allerdings seien dort die Verträge oft nur auf ein Jahr ausgelegt, man könne also im Rahmen einer Erneuerung die Preise anpassen.

Dass die Kunden dann abspringen und zu einem anderen Anbieter wechseln, glaubt Brandstetter nicht. Die UNIQA genieße eine große Kundenloyalität, und auch beim Stornoverhalten gebe es bisher keine Auffälligkeiten. Beim Neukundengeschäft müsse dagegen durchaus mit einem Dämpfer gerechnet werden.

Die Belastungen durch Großschäden und Naturkatastrophen nähmen im Zuge des Klimawandels "von Jahr zu Jahr zu", sagte Brandstetter zur APA. In den ersten neun Monaten seien sie bei rund 300 Mio. Euro gelegen, das sei eine "sehr signifikante Erhöhung" im Vergleich zum Niveau von vor einigen Jahren. Vor allem kleine Unwetter würden sich häufen und auch die Heftigkeit der Schäden nehme zu. "Der Klimawandel schlägt sich direkt in den Schadens- und Leistungsquoten der Versicherungen nieder", so der Konzernchef.

Im Gegensatz zum Kerngeschäft, das man aber kontrollieren könne und das trotz der Krisen laut Brandstetter robust sei, gebe es bei der Kapitalanlage große Unsicherheitsfaktoren aufgrund der Volatilität am Markt. In den ersten drei Quartalen hat sich das Kapitalanlageergebnis um 11,7 Prozent auf 368,8 Mio. Euro verringert. Belastet hatten vor allem die Russland-Abschreibungen. Bereits im Juli hatte das Unternehmen Wertminderungen auf russische Anleihen in der Höhe von 127 Mio. Euro bekanntgegeben. Dabei wurden alle jene Assets abgeschrieben, die außerhalb von Russland gehalten werden. Die Anschaffungskosten für die Bonds lagen bei 156 Mio. Euro.

Die UNIQA ist in Russland noch im Rahmen eines Joint Ventures mit der Russland-Tochter der Raiffeisen Bank International (RBI) tätig. Das Neugeschäft ist dort seit Kriegsbeginn eingestellt, man prüfe derzeit alle Optionen, wie es strategisch weitergehen soll. Es gebe noch keine endgültige Entscheidung, weil es einige rechtliche und regulatorische Konsequenzen abzuwägen gebe. Für Brandstetter ist aber "ganz klar, wir wollen uns aus diesem Land zurückziehen" - wie und wann genau, das sei noch offen. Eine Entscheidung könnte aber Anfang des ersten Quartals 2023 - also in den kommenden beiden Monaten - fallen. Für die UNIQA macht das Geschäft in Russland nur einen sehr kleinen Teil aus, rund ein Prozent der Konzernprämien komme von dort.

Zum Geschäft in der Ukraine, wo die UNIQA der zweitgrößte Versicherer ist, gebe es dagegen weiterhin ein klares Commitment. Seit gut neun Monaten sei man dort trotz Krieg "up and running", zahle Schäden aus und schließe sogar Neuverträge ab.

Eine Prognose wie sich das Kapitalanlageergebnis bis Ende des Jahres weiterentwickelt, könne man aufgrund der anhaltenden Volatilität an den Kapitalmärkten nicht abgeben. Für das versicherungstechnische Kerngeschäft wird jedoch mit einer soliden Entwicklung gerechnet, das Management erwartet steigende Prämieneinnahmen.

UNIQA-Brandstetter: Klimawandel sorgt jährlich für mehr Umweltschäden

Der Klimawandel trifft die Versicherungsbranche hart und sorgt bei der UNIQA jährlich für steigende Belastungen durch Großschäden und Naturkatastrophen, sagte UNIQA-Chef Andreas Brandstetter. In den ersten neun Monaten lagen sie bei rund 300 Mio. Euro, in seiner Zeit im Vorstand habe sich der Wert bereits vervielfacht. "Wir sind drauf und dran, dass wir wirklich mit diesem Planeten krachend an die Wand fahren", so der CEO am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Österreich sei von Umweltschäden stark betroffen, ein "Löwenanteil" der bei der UNIQA gemeldeten Schäden entfalle jährlich auf das Land. Jedes Jahr gebe es mehr und mehr Hitzetage in Österreich, heuer seien es laut Hagelversicherung 39 gewesen. Das habe eine direkte Auswirkung auf die Feuerschäden, denn bei Hitzetagen nähmen auch die Blitzschläge zu.

Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht, eher im Gegenteil. Es gebe bereits Annahmen, dass die Pariser Klimaziele nicht nur verfehlt würden, sondern dass bereits 2023 die Klimaerwärmung von 1,5 Grad erreicht sei, zeichnet Brandstetter ein düsteres Bild. Für die Zukunft rechnet der Versicherungschef dementsprechend mit weiter steigenden Schadenszahlungen. Das bedeute in weiterer Folge für die Kunden höhere Prämien, für die UNIQA selbst aber auch höhere Kosten gegenüber ihren Rückversicherern, denn diese würden bei höheren Schäden ebenfalls mit Preiserhöhungen reagieren.

Angesprochen auf eine Mindestpflichtversicherung gegen Umweltschäden, sprach sich Brandstetter in diesem Zusammenhang für einen Einschluss in die Feuerversicherung aus. Das würde bedeuten, dass Hausbesitzer in einen Topf einzahlen und aus diesem dann allfällige Schäden beglichen werden würden. Solche Modelle gebe es bereits in der Schweiz oder in Belgien. Warum das Thema in Österreich nicht vorangetrieben wird, sei laut Brandstetter absolut unverständlich.

Beim Thema Klimawandel sei die Versicherungsbranche aber nicht nur Leidtragende, sondern als großer Investor auch ein wichtiger Hebel im Kampf gegen ebendiesen. In Europa halte die Branche 11 Billionen Euro an 'Assets under Management'. Je nachdem wohin die Versicherer diese 11 Billionen lenken würden, "ist erfolgsentscheidend ob in Europa die grüne Transformation gelingt oder nicht," so Brandstetter.

Die UNIQA habe von ihren Assets im Wert von rund 20 Mrd. Euro derzeit etwa 2 Mrd. Euro in grüne Anlagen investiert. Der Anteil soll künftig weiter ausgebaut werden, ein mangelndes Angebot an geeigneten Investitionsmöglichkeiten verlangsame die Umschichtung in grüne Assets jedoch. Einerseits sei das zu lang laufenden Genehmigungsverfahren für grüne Projekte in Österreich geschuldet, andererseits gebe es ein in Österreich das "Syndrom", grüne Energie zwar theoretisch zu wollen, aber nicht in der eigenen Umgebung.

Hier brauche es einen gesellschaftlichen Diskurs um den Ausbau der Erneuerbaren besser unterstützen zu können. Weiters plädiert Brandstetter für schnellere Genehmigungsverfahren, damit mehr Angebot für grüne Investitionen geschaffen werden könne. Auch von den Kunden gebe es immer mehr die klare Erwartung, dass ihr Versicherungsanbieter nachhaltig investiert.

UNIQA will weiter stark in Pflege und Gesundheit investieren

Im Zuge der Coronakrise aber auch in Anbetracht der in Österreich immer stärker alternden Bevölkerung rückt das Thema Gesundheit und Pflege bei Versicherern immer stärker in den Fokus. Die UNIQA ist der größte private Krankenversicherer in Österreich und investiert bereits seit einigen Jahren in diesem Bereich - auch abseits der klassischen Krankenversicherung. In den kommenden Jahren soll das Standbein weiter ausgebaut werden.

Die aktuelle Lage zeigt sich laut UNIQA-Chef Andreas Brandstetter eher trüb. Seit 20 Jahren seien die Gesundheitsausgaben in Österreich um 150 Prozent auf 52 Mrd. Euro gestiegen. "Und es ist kein Ende abzusehen", so der Konzernchef am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Auffällig sei, dass von dieser Summe nur 2 Prozent in die Prävention und 98 Prozent in die Reparatur - also in Spitäler, Pflegeheime und andere Einrichtungen - fließen. "Für uns als Versicherung ist das ein alarmierend geringer Prozentsatz", so Brandstetter.

Hinzu komme eine alternde Bevölkerung. Bis 2040 werden rund 2,6 Millionen Menschen in Österreich mindestens 65 Jahre alt sein, bereits bis 2030 braucht es im Zuge dessen 75.000 zusätzliche Pflegekräfte in Österreich.

Die UNIQA baut sich im Bereich Pflege und Gesundheit bereits seit längerem ein zweites Standbein auf - jenseits des klassischen Versicherungsgeschäfts. Der Versicherer betreibt fünf Privatspitäler in Österreich, drei davon in Wien, jeweils eines in Graz und Salzburg. Auch mit Zukäufen wurde der Bereich ausgeweitet. So hat sich die UNIQA vor zwei Jahren an dem 24-Stunden-Heimpflegeagentur Cura Domo beteiligt. Vor zwei Jahren wurde weiters eine Plattform für mentale Gesundheit, Mavie, gekauft. Diese soll sogar zu einer zweiten eigenständige Marke neben UNIQA werden.

"Wir sehen in diesem Bereich der Gesundheit einen riesigen Wachstumsmarkt", so Brandstetter. Dementsprechend will die UNIQA das Geschäft in dem Bereich in den kommenden Jahren weiter ausbauen und auch weitere Agenturen wie Cura Domo zukaufen - begonnen in Österreich aber auch in den Ländern in Osteuropa, wo die UNIQA bereits tätig ist.

Wie viel in den kommenden Jahren in den Bereich genau investiert werden soll, könne man nicht genau sagen, da das vom Markt und von den Zukäufen abhänge. Noch sei der Anteil am Umsatz dieses im Aufbau befindlichen Segments aber eher gering. Bis 2025 soll der Bereich rund 100 Mio. Euro Umsatz bringen. Heuer werde die UNIQA insgesamt etwa 6,5 Mrd. Euro Umsatz erzielen, so Brandstetter.

Neben Investitionen in Gesundheit und Pflege brauche es aber auch dringend eine gezielte Migrationsstrategie, appelliert Brandstetter an die Politik. Noch immer sei Pflege in Österreich nicht als Mangelberuf gelistet. Das schränke die Suche nach Pflegekräften außerhalb der EU massiv ein. In anderen Ländern - beispielsweise Frankreich - gebe es dagegen bereits Programme, mit denen Menschen in Indien für die Pflege ausgebildet und ins Land eingeladen werden.

Die UNIQA-Aktie sank im Wiener Handel letztlich um 0,84 Prozent auf 7,08 Euro.

bel/itz

APA

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