Mehr Geld für Aktionäre 26.03.2020 18:01:00

United Internet stockt Dividende auf - United Internet-Aktien und 1&1-Aktien legen zu

United Internet stockt Dividende auf - United Internet-Aktien und 1&1-Aktien legen zu

Die Ausschüttung für das vergangene Jahr soll 0,50 Euro je Aktie betragen, wie der MDAX-Konzern am Mittwoch in Montabaur mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte es nur 5 Cent Dividende gegeben, weil United Internet mit seiner Telekommunikationstochter 1&1 Drillisch 2019 teure Mobilfunkfrequenzen für den neuen 5G-Datenfunk ersteigert hat.

Konzernchef Ralph Dommermuth besitzt rund 42,5 Prozent der United-Internet-Aktien. Die Ausschüttungsquote liege bei der vorgeschlagenen Dividendenhöhe noch im unteren Bereich der Dividendenpolitik - auch vor dem Hintergrund der der anstehenden Investitionen in ein 5G-Mobilfunknetz bei 1&1 Drillisch, hieß es.

Umsatz und Ergebnis von United Internet sollen sich in diesem Jahr etwa auf dem Niveau von 2019 bewegen. Da stieg der Erlös um 1,8 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. United Internet macht derzeit ein schleppendes Hardware-Geschäft bei Smartphones und Tablets der Tochter 1&1 Drillisch zu schaffen, zudem reduziert das Unternehmen die Online-Werbeflächen bei den Privatkundenangeboten wie GMX und Web.de.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte um 5,4 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro. Das war allerdings der geänderten Rechnungslegung bei Leasingverhältnissen zu verdanken, ohne diese wäre das operative Ergebnis um knapp 2 Prozent gesunken. Der Konzern gab unter anderem mehr Geld für Werbung für seine Privatkundenangebote aus, steckte aber auch Geld in die Gewerbekundenmarke Ionos. Auch Regulierungseffekte bremsten.

Unter dem Strich stand ein auf die Aktionäre entfallender Gewinn von 396,4 Millionen Euro. Je Aktie stieg er auf 2,13 Euro nach 94 Cent ein Jahr zuvor. Vor allem die schwache Aktienkursentwicklung bei der Beteiligung Tele Columbus hatte United Internet 2018 hohe Wertminderungen eingebrockt. Sonderfaktoren herausgerechnet wäre der Gewinn um 3 Cent auf 1,99 Euro je Aktie geklettert, hieß es.

Die Telekommunikationstochter 1&1 Drillisch, mit der United-Internet-Chef Ralph Dommermuth die etablierten Netzanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland angreifen will, steigerte die Zahl der Kundenverträge auf Jahressicht um 790 000. Drillisch ist weiter an der Börse notiert und hat sich für sein Geschäft ebenfalls eine stabile Umsatz- und Ergebnisentwicklung vorgenommen. Die Dividende der Drillisch-Aktionäre bleibt bei 5 Cent wie im Vorjahr. United Internet hält nach der Übernahme rund 75 Prozent der Anteile.

United Internet litt im vergangenen Jahr darunter, dass sich eine eingeplante rückwirkende Preissenkung für den Zugang von 1&1 Drillisch ins Netz von O2-Mutter Telefonica in einem Gutachterschiedsspruch zerschlug - das fiel mit gut 83 Millionen Euro negativ ins Gewicht. Deswegen hatte das Unternehmen im Oktober seine Ergebnisprognose gesenkt. Bei 1&1 Drillisch allein stieg der Umsatz um 1,1 Prozent auf 3,67 Milliarden Euro, das operative Ergebnis sank um mehr als 5 Prozent auf 683,5 Millionen Euro.

1&1 Drillisch ist bislang als sogenannter virtueller Netzanbieter tätig und nutzt dabei die Mobilfunktechnik von Telefonica und Vodafone Das eigene Mobilfunknetz für die fünfte Generation (5G) der Telekommunikationstechnik soll 2021 starten.

Die 1&1-Aktie hatte 2019 kräftig Federn gelassen und sich in ihrer Bewertung nahezu halbiert. Ende Dezember flog das Papier dann aus dem MDax für mittelgroße Werte und landete im Nebenwertindex SDAX. Der Kursrutsch bei United Internet fiel mit gut 23 Prozent in dem Zeitraum zwar etwas geringer aus.

Dem jüngsten Verfall an den Börsen infolge der Corona-Pandemie konnten sich beide Papiere aber nicht entziehen. Zeitweilig waren sie so billig wie seit 2013 nicht mehr. Seit Mitte März haben sie sich mit dem gesamten Markt wieder etwas erholt. Nach den Zahlen und der neuen Prognose waren die Titel von United Internet kaum bewegt, diejenigen von 1&1 Drillisch legten leicht zu.

Der konkrete Termin für die eigentlich am 20. Mai 2020 geplante Hauptversammlung ist vor dem Hintergrund der Corona-Krise derzeit noch offen.

1&1 Drillisch will trotz Corona-Krise Kurs halten

Trotz der Corona-Krise will das Telekommunikationsunternehmen 1&1 Drillisch Umsatz und Ergebnis 2020 auf dem Niveau des Vorjahres halten. "Mobilfunk und Festnetzanschlüsse werden in dieser schwierigen Zeit überall gebraucht", sagte Firmenchef Ralph Dommermuth am Donnerstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2019.

Allerdings war das Ergebnis zuletzt deutlich gesunken: Das Unternehmen musste ein rückläufiges operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 638,5 Millionen Euro ausweisen, 2018 waren es noch 721,9 Millionen Euro. Hauptgrund dafür war ein Streit mit der Branchengröße Telefónica Deutschland über rückwirkende Preissenkungen für den Zugang von 1&1 zum Netz der Tochter des spanischen Telekomkonzerns Telefónica.

Das Konzernergebnis lag bei 373,6 Millionen Euro und damit ebenfalls klar unter dem Vorjahreswert von 406 Millionen Euro. Der Service-Umsatz von 1&1 stieg hingegen um rund drei Prozent.

Aktien von United Internet und 1&1 Drillisch steigen im schwachen Umfeld

Die Aktien von United Internet und der Mobilfunktochter 1&1 Drillisch entwickeln sich in schwachem Marktumfeld uneinheitlich. Die Zahlenvorlagen der beiden Konzerne und Begleitaussagen stießen am Markt durchwachsenes Feedback. Für die United-Papiere ging es bis zum XETRA-Handelsende 0,63 Prozent ins Plus auf 25,62 Euro. Für jene von 1&1 im SDAX kletterten unterdessen um 6,63 Prozent auf 19,13 Euro nach oben.

Die erste Enttäuschung bei 1&1 wurde am Markt relativiert. Laut dem UBS-Analysten Polo Tang ist das vierte Quartal für den Mobilfunker besser verlaufen als es die auf den ersten Blick enttäuschenden Kennziffern suggerierten. Ein Sondereffekt bei der Verbuchung von Service-Erlösen verzerre den Trend, urteilte der Experte. Bei United lobten Händler derweil eine überraschende Dividendenanhebung. Die Ausschüttung für das vergangene Jahr soll 0,50 Euro je Aktie betragen, ein Jahr zuvor hatte es nur 5 Cent gegeben.

MONTABAUR (dpa-AFX)

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Bildquelle: A. Hesse