+++ Ihre Meinung ist uns wichtig: Wie zufrieden sind Sie mit finanzen.at? - Hier an unserer Umfrage teilnehmen! +++ -w-
09.08.2017 13:03:44

UPDATE/Eon erholt sich stärker als erwartet

   --Bereinigtes EBIT steigt im zweiten Quartal um 25 Prozent

   --Verschuldung im ersten Halbjahr um 18 Prozent gesenkt

   --Eon will für 2018 mindestens 65 Prozent Dividende zahlen

   --Keine Details zu Uniper-Verkauf

   (NEU: Aussagen aus der Telefonkonferenz, Details, Marktreaktionen)

   Von Olaf Ridder

   FRANKFURT (Dow Jones)--Nach einem Milliardenverlust im Vorjahr hat der Energieversorger Eon im ersten Halbjahr nun wieder einen Milliardengewinn abgeliefert. Das kam nicht überraschend, ist in den jüngsten Zahlen doch die milliardenschwere Rückzahlung der Brennelementesteuer nebst Zinsen enthalten, die Karlsruhe kürzlich für verfassungswidrig erklärt hat. Im Vorjahr hatten dagegen noch höhere Wertberichtigungen und Rückstellungen das Ergebnis belastet.

   Den warmen Geldregen aus der Steuerrückzahlung von knapp 3 Milliarden Euro hat Eon zum verstärkten Abbau von Verbindlichkeiten eingesetzt. So fiel die Nettoverschuldung in den ersten sechs Monaten um knapp ein Fünftel auf 21,5 Milliarden Euro. Zudem überwies Eon Anfang Juli 10 Milliarden Euro an den Bund, um sich dauerhaft von der Zwischen- und Endlagerung der radioaktiver Abfälle freizukaufen.

   Vom teuren Rückbau der Kernkraftwerke nach der Stilllegung abgesehen hat Eon mit den Lasten des Atomausstiegs nun nichts mehr zu tun. Konzernchef Johannes Teyssen will die Entschuldung fortsetzen, ist sich aber bereits jetzt sicher, dass das Ziel übererfüllt werden wird, wie er in einer Telefonkonferenz sagte.

   Mittelfristig soll die Verschuldung bis auf das Vierfache des EBITDA sinken. Gegenwärtig liegt der Faktor bei 4,5. In einer Präsentation sind Abbauoptionen mit einem Gesamtvolumen von gut 6 Milliarden Euro aufgelistet.

Anfang 2018 will Teyssen eine Investitionsstrategie vorstellen Die gesenkte Verschuldung will Eon nutzen, um in Zukunftsfeldern zu wachsen. Anfang nächsten Jahres will Teyssen deshalb eine Wachstums- und Investitionsstrategie vorstellen, wobei es nach seinen Angaben weniger um große Zukäufe als um Voraussetzungen für organisches Wachstum gehen dürfte. Zum Volumen wollte sich Teyssen nicht äußern, nannte aber beispielhaft Investitionen ins deutsche und europäische Stromnetz.

   Auch die Aktionäre sollen von der gestärkten Bilanz und dem Cashflow des Konzerns profitieren. Vom Geschäftsjahr 2018 an sollen mindestens 65 Prozent des Gewinns als Dividende gezahlt werden - deutlich mehr als bisher angekündigt. Überdies soll die Dividende künftig auch absolut steigen. Eon will sich bei der Quote an den Wettbewerbern orientieren.

Ergebniskennziffern besser als erwartet Ohne den Sonderertrag aus der Brennelementesteuer schrieb der DAX-Konzern im ersten Halbjahr einen Nettogewinn von 881 Millionen Euro. Das sind 46 Prozent mehr als auf vergleichbarer Basis im Vorjahr und deutlich mehr als von Beobachtern erwartet. Geringere Steuerzahlungen und ein besseres Zinsergebnis sind dafür verantwortlich.

   Operativ schlug im Halbjahr das äußerst schwache Auftaktquartal durch, Verbesserungen im zweiten Quartal sowohl im Kerngeschäft (EBIT plus 25 Prozent) und bei der Atomkraft konnten dies jedoch teilweise kompensieren. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank im Halbjahr um knapp 12 Prozent auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Analysten hatten mit gut 200 Millionen Euro weniger gerechnet. Der Umsatz ging um 3 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro zurück.

   Besonders stark entwickelte sich zuletzt das Netzgeschäft, und zwar in allen Regionen. Hier stieg das bereinigte EBIT allein im zweiten Quartal um 31 Prozent. Das Vertriebsgeschäft stabilisierte sich, nachdem zu Jahresbeginn stark gestiegene Netzentgelte der deutschen Transportnetzbetreiber das Ergebnis belastet hatten. Erst ab Mai konnte dieser Effekt an die Kunden weitergegeben werden.

"Aufholjagd im zweiten Quartal gelungen" Im Geschäftsfeld Erneuerbare Energien sank das bereinigte EBIT im Halbjahr um knapp 50 Millionen Euro. Zwar blies der Wind anders als zu Jahresbeginn wieder ordentlich und die Stromerzeugung stieg, doch fehlte ein Buchgewinn aus dem Vorjahr, der beim Verkauf eines Windparks angefallen war.

   Das Atomkraftwerk Brokdorf, das im Winter einer längeren Revision unterzogen worden war, ist seit Ende Juli wieder am Netz. Zeitnah sei hier wieder normaler Betrieb geplant, sagte Teyssen.

   Den Ausblick bekräftigte Eon. Die angekündigte Aufholjagd nach dem mäßigen Jahresauftakt sei bereits weitgehend im zweiten Quartal gelungen, erklärte Finanzvorstand Marc Spieker. So will Eon den bereinigten Überschuss auf 1,2 bis 1,45 Milliarden Euro steigern.

   Operativ werden zwischen 2,8 und 3,1 Milliarden Euro Gewinn angepeilt. Etwas unter der Mitte der Spanne erwartet Spieker diesen Wert zum Jahresende, wie er in der Telefonkonferenz auf Nachfrage sagte. Hintergrund dafür ist, dass ein in die Prognose eingerechneter Sondereffekt von 250 Millionen Euro mit einer Gesetzesnovelle ausfällt.

   Eon hat sich im vergangenen Jahr von den konventionellen Kraftwerken sowie dem globalen Energiehandel getrennt und konzentriert sich seither auf das zukunftsträchtige Geschäft mit Netzen, Wind- und Solarparks sowie das Endkundengeschäft. Zum Portfolio gehören allerdings auch die deutschen Atomkraftwerke, die in wenigen Jahren abgeschaltet werden.

Optionen zum Komplettausstieg bei Uniper werden geprüft An der Uniper SE, die das ausgegliederte Geschäft übernommen hat, ist Eon noch mit knapp 47 Prozent beteiligt. Ab 2018 will Teyssen aber zügig aussteigen. Derzeit würden hier alle Möglichkeiten geprüft, wie man sich von den Aktien trennen könnte, bestätigte der Konzernchef, wollte sich darüber hinaus aber nicht zu Details äußern.

   Nach unbestätigten Berichten soll der finnische Energiekonzern Fortum Interesse haben, das Gesamtpaket von Eon zu kaufen, dessen Wert aktuell mit 3,1 Milliarden Euro taxiert wird.

   Beim laufenden Sparprogramm über 400 Millionen Euro sieht sich Teyssen im Plan. Bis zum Jahresende sollen alle Maßnahmen umgesetzt sein, so dass ab 2018 das komplette Einsparvolumen wirksam wird. Zwischen 1.000 und 1.300 Stellen werden dabei abgebaut. In diesem Jahr dürften zusätzlich Einsparungen von 100 Millionen Euro realisiert werden, so Teyssen.

   Von Marktteilnehmern werden die Zahlen zwar positiv gewertet, doch geht es für die Eon-Aktie an der Börse trotzdem abwärts - um 1,6 Prozent am frühen Mittag. Als Grund wird genannt, dass die Aktie in Erwartung guter Zahlen und nach der Dividendenankündigung am Dienstag bereits gut gelaufen ist.

   Kontakt zum Autor: olaf.ridder@wsj.com

   DJG/rio/sha/bam

   (END) Dow Jones Newswires

   August 09, 2017 06:33 ET (10:33 GMT)

   Copyright (c) 2017 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 33 AM EDT 08-09-17