20.10.2014 13:53:30

USA unterstützen Kurden in Kobane erstmals aus der Luft mit Waffen

   WASHINGTON (AFP)--Bei der Verteidigung der von der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) belagerten syrischen Stadt Kobane erhalten die Kurdenkämpfer neue Unterstützung: Die US-Armee versorgte die Kurdenkämpfer erstmals aus der Luft mit Waffen, wie das US-Militärkommando Centcom am Sonntag (Ortszeit) mitteilte. Die Türkei kündigte an, Peschmerga-Kämpfer aus dem Irak könnten künftig über die Türkei zur Unterstützung der Kurdenkämpfer nach Kobane einreisen.

   Neben Waffen und Munition versorgte das US-Militär die Kurden rund um die umkämpfte syrische Grenzstadt nach eigenen Angaben auch mit medizinischem Material. Demnach wurde das Material, darunter auch Kleinwaffen, von den kurdischen Behörden im Irak bereitgestellt.

   Ein Sprecher der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), Redur Xelil, bezeichnete die Waffenlieferungen als große Hilfe. Diese hätten positive Auswirkungen auf den Kampf gegen die IS-Kämpfer. Er danke den USA für die Unterstützung und hoffe auf weitere Lieferungen.

   Die Versorgung der Kurden durch die USA drohte zunächst die Türkei zu verärgern. Noch am Sonntag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Bewaffnung der kurdischen Kämpfer in Syrien erneut abgelehnt. Die syrische Kurdenpartei PYD, deren bewaffneter Arm in Kobane gegen den IS kämpft, sei ebenso eine "Terrorgruppe" wie die PKK, sagte Erdogan. Ein US-Regierungsvertreter sagte dazu, er könne die Bedenken der Türkei verstehen. Allerdings sei der IS ein "gemeinsamer Feind" der Türkei und der USA.

   Am Montag jedoch kündigte die türkische Regierung einen Kurswechsel an, indem sie erklärte, kurdische Peschmerga-Kämpfer aus dem Irak könnten künftig zur Unterstützung der YPG in die Stadt unmittelbar an der türkischen Grenze einreisen. "Wir unterstützen die Peschmerga-Truppen beim Grenzübertritt nach Kobane", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu. Die Türkei habe kein Interesse daran, dass Kobane in die Hand von Dschihadisten falle.

   Bislang hatte Ankara den Grenzübertritt von Kurdenkämpfern nach Kobane untersagt. Die Einreise türkischer Kämpfer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nach Syrien soll offenbar weiter untersagt bleiben. Während sich die türkische Regierung in einem jahrzehntelangen Konflikt mit der PKK befindet, hat sie in den vergangenen Jahren engere Verbindungen zu den Kurden im Nordirak aufgebaut.

   Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Montag beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg, noch könne von einer "Wende des Kriegsgeschehens" in Kobane keine Rede sein. "Aber es scheint sich in den letzten Tagen so darzustellen, dass die Abwehrfähigkeit der Kurden in Kobane erhöht worden ist."

   Die Kurdenstadt an der syrisch-türkischen Grenze ist seit Wochen schwer umkämpft. Eine US-geführte Militärallianz bombardiert dort bereits seit längerem mutmaßliche IS-Stellungen. Am Wochenende gab es Centcom zufolge erneut elf Luftangriffe.

   Die IS-Miliz hatte zuletzt weite Teile im Norden Syriens sowie im Irak erobert und dort ein "Kalifat" ausgerufen. An der Bekämpfung der Dschihadistengruppe beteiligen sich zahlreiche Länder. Am Sonntag kündigte Australien an, den Weg für einen Einsatz von 200 australischen Spezialkräften im Kampf gegen den IS im Irak freigemacht zu haben. Die Aufgabe der Spezialkräfte ist es demnach, der irakischen Regierung bei der Stärkung ihres Militärs zu helfen.

   Unterdessen beschlossen die EU-Außenminister am Montag eine Verschärfung der Sanktionen gegen die syrische Führung um Präsident Baschar al-Assad. EU-Diplomaten zufolge sind 16 weitere Mitglieder der syrischen Führung und ihres Umfelds von Vermögenssperren und EU-Einreiseverboten betroffen. Zudem seien zwei Organisationen beziehungsweise Unternehmen mit Strafmaßnahmen belegt worden. Obwohl zuletzt der IS-Vormarsch in Syrien im Vordergrund stand, ist aus EU-Sicht eine nachhaltige Lösung des Syrien-Konflikts mit Assad nicht denkbar.

   Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

   DJG/smh

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   October 20, 2014 07:22 ET (11:22 GMT)- - 07 22 AM EDT 10-20-14

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