Zuversicht für 2020 17.02.2020 20:13:42

Varta-Aktie im Höhenflug: Varta wächst noch schneller als gedacht

Varta-Aktie im Höhenflug: Varta wächst noch schneller als gedacht

Der Umsatz kletterte vor allem dank der dafür produzierten Batterien im vergangenen Jahr um 34 Prozent auf 364 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Montag in Ellwangen auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg auf rund 98 Millionen Euro und damit fast auf das Doppelte. Mit beiden Werten schnitt Varta besser ab als vom Unternehmen zuletzt selbst in Aussicht gestellt und auch als von Analysten geschätzt.

Optimistisch gab sich die Konzernführung um Herbert Schein für die weiteren Aussichten, die zuletzt bei Anlegern angesichts Berichten um aufstrebende Konkurrenz gedämpft worden waren. Im laufenden Jahr will Varta das Umsatz- und Ergebniswachstum aus eigener Kraft noch steigern - also Zu- wie Verkäufe und Wechselkurseffekte ausgeklammert. Eine genauere Prognose soll es mit den detaillierten Zahlen am 31. März geben.

Weil Varta Marktführer für die Akkus in kabellosen Kopfhörern ist, profitiert das Unternehmen vom rasanten Wachstum bei den beliebten Elektronikgeräten. Auch bei der Technik für Hörgeräte ist Varta stark vertreten.

Um den steigenden Bedarf zu decken baut Varta seine Produktionskapazitäten derzeit stark aus. Bis Ende des Jahres 2021 sollen über 200 Millionen Lithium-Ionen-Zellen jährlich produziert werden. Bis Mitte dieses Jahres will Varta die Produktion bereits auf das Niveau von mindestens 100 Millionen Zellen jährlich hochfahren. Dafür nimmt das Unternehmen viel Geld in die Hand.

Varta will künftig verstärkt gegen Patentverletzungen vorgehen, wie der Konzern jüngst angesichts skeptischer Medienberichte mitteilte. Hintergrund ist, dass laut Unternehmensangaben im Dezember Geräte mit Batterien chinesischer Hersteller auftauchten, die Varta-Patente verletzten. Die Aktie brach im frühen Januar auf erste Berichte hin deutlich ein. Auch mit dem Plus vom Wochenbeginn liegt das Papier auf Jahressicht noch 30 Prozent im Minus.

"Als Innovationsführer werden wir auch dieses Jahr die Energiedichte unserer Lithium-Ionen Zellen um zirka 30 Prozent erhöhen", sagte Vorstandschef Schein. Damit baue Varta seinen Technologievorsprung weiter aus.

Jahreszahlen geben Varta frischen Aufwärtskick

Überraschend starke Eckdaten für 2019 und ein zuversichtlich klingender Ausblick auf das angelaufene Jahr haben den an diesem Montag bereits guten Lauf der Varta-Aktie noch etwas stärker befeuert. Die Aussagen stimmten die zuletzt aus Sorge vor möglicher Konkurrenz ins Grübeln geratenen Anleger wieder optimistischer.

Die Papiere bauten ihren zuvor etwa halb so hohen Gewinn am Nachmittag mit letztlich 84,20 Euro merklich aus. Mit einem Anstieg um 7,7 Prozent waren sie im MDAX zum Handelsschluss unangefochtener Spitzenreiter. Im Hoch erreichten sie mit 85,90 Euro zwischenzeitlich sogar ihren höchsten Stand seit fast vier Wochen.

Anfang Dezember war ihre bis dahin laufende Rekordrally unterbrochen worden. Damals waren sie nach einem grandiosen Lauf im vergangenen Jahr mit 128 Euro so hoch gehandelt worden wie noch nie, im Januar aber hatten aufgekommene Konkurrenzsorgen den Anlegern dann spätestens die Feierlaune verdorben. Der Aktienkurs, der sich 2019 fast verfünffacht hatte, geriet deutlich unter Druck.

Händler lobten die nun vorgelegten Kernziffern als besser als erwartet. Analystin Charlotte Friedrichs von der Berenberg Bank sprach in einer ersten Reaktion von einem "außergewöhnlichen vierten Quartal", in dem der Batteriekonzern mit Blick auf den Umsatz und das bereinigte Ebitda die Erwartungen deutlich um bis zu 30 Prozent übertroffen habe. "Varta feuert auf aus allen Rohren", lobte die Expertin.

"Da waren die Pessimisten wohl doch zu voreilig", kommentierte Marktbeobachter Andreas Lipkow von der comdirect Bank die Zahlen vor dem Hintergrund des jüngsten Kursrutsches. "Die Befürchtungen über eine Verlangsamung der Produktion von Minibatterien für Apple AirPods haben sich nicht bewahrheitet oder sie konnten kompensiert werden." Das belegte das dynamische Umsatz- und Ergebniswachstum des Unternehmens im vergangenen Geschäftsjahr recht eindrucksvoll.

Im Januar hatte der Commerzbank-Experte Stephan Klepp die Varta-Aktie ins Wanken gebracht, indem er sie aus Sorge vor steigendem Konkurrenzdruck zweimal binnen weniger Tage auf "Reduce" abstufte. Die Alleinstellung des Batteriekonzerns bei Micro-Hochleistungsbatterien zum Beispiel für kabellose Kopfhörer sei vorbei, schrieb der Experte damals als Begründung. Spannend dürfte deshalb nun seine Einschätzung der Zahlen werden.

/men/jha/

ELLWANGEN (dpa-AFX)

Weitere Links:


Bildquelle: Mirco Vacca / Shutterstock.com,360b / Shutterstock.com