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Steigende Energiepreise 28.07.2022 17:48:00

Verbund-Aktie verliert letztlich dennoch deutlich: Verbund erhöht Nettogewinn - Prognose angehoben

Verbund-Aktie verliert letztlich dennoch deutlich: Verbund erhöht Nettogewinn - Prognose angehoben

Der Chef des Verbund-Stromkonzerns, Michael Strugl, hält die Entkopplung von Strom- und Gaspreis für eine sinnvolle Maßnahme um die Auswirkungen der stark gestiegenen Großhandelspreise für Strom abzudämpfen. Dafür spreche "tatsächlich einiges", sie könne aber nur im "europäischen Gleichklang" passieren, sagte er am Donnerstag. Der Verbund profitierte im ersten Halbjahr deutlich von den hohen Preisen im Großhandel für Strom.

Der Nettogewinn stieg bis Juni um 151,8 Prozent auf 817,1 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kletterte um 110,5 Prozent auf 1,38 Mrd. Euro. Nach dem guten ersten Halbjahr hat der Verbund außerdem seine Erwartungen für das Gesamtjahr nach oben geschraubt. 2022 soll der Nettogewinn 1,68 bis 2,03 Mrd. Euro erreichen, beim operativen Ergebnis (EBITDA) 3,9 bis 3,5 Mrd. Euro. Bisher war das Unternehmen von einem EBITDA von 2,8 bis 3,5 Mrd. Euro und einem Nettogewinn von 1,55 bis 2,00 Mrd. Euro ausgegangen.

Der Erzeugungskoeffizient der Laufwasserkraftwerke lag mit 0,90 um 6 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahres und um 10 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt von 1,0. Die Erzeugung der Jahresspeicherkraftwerke erhöhte sich um 18,7 Prozent. Somit sank die Stromerzeugung aus Wasserkraft um insgesamt 455 Gigawattstunden (GWh).

Geopolitische Spannungen und der Krieg in der Ukraine, hohe Inflation und steigende Zinsen hätten im ersten Halbjahr 2022 starke Auswirkungen auf die Energiewirtschaft gehabt. "Wir erleben auf den Energiemärkten eine wirklich sehr volatile Entwicklung", sagte Strugl im Online-Pressegespräch zum Halbjahresergebnis. Das sei vor allem durch eine Versorgungskrise bei Gas ausgelöst worden. Aber auch bei anderen Primärenergieträgern und bei CO2-Zertifikaten hätten sich die Preise nach oben entwickelt, sodass die europäischen Großhandelspreise bei Strom sehr stark gestiegen seien.

Der durchschnittlich erzielte Absatzpreis auf den Termin- und Spotmärkten im Bereich der Eigenerzeugung aus Wasserkraft verdoppelte sich fast von 65,9 Euro auf 112,5 Euro pro Megawattstunde (MWh).

Hier seien die Regierung in ganz Europa aufgefordert, Gegenmaßnahmen zu setzen. "Dort wo Energiearmut Existenzen bedroht, wo steigende Energiepreise bei allen Energieträgern auch eine Herausforderung für die Wirtschaft darstellen, ist es wichtig, dass entsprechende Maßnahmen gesetzt werden", so Strugl. Die Wahl der Mittel sei dabei allerdings entscheidend. Markteingriffe, etwa die Abschöpfung der sogenannten Übergewinne, die durch die stark gestiegenen Großhandelspreise erzielt wurden, sieht der Verbund-Chef "sehr kritisch" und warnt vor Verzerrungen der Preissignale und potenziellen Verknappungen.

Die Entkoppelung des Strompreises vom Gaspreis sei hingegen "durchaus sinnvoll", aber nur "im europäischen Gleichklang möglich". Für eine solche Abschaffung des Merit-Order-Prinzips spreche "tatsächlich einiges", sagte Strugl. Das Unternehmen positioniere sich in diesem Kontext in Gesprächen mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern auch entsprechend.

Der Verbund will von 2022 bis 2024 insgesamt rund 3,1 Mrd. Euro investieren. Davon fließen rund 1,27 Mrd. Euro in den Ausbau des österreichischen Stromnetzes. Neue Umspannwerke seien etwa notwendig, um den Strom aus erneuerbarer Erzeugung zu integrieren. Rund 1,0 Mrd. Euro will der Stromkonzern für den Ausbau und die Instandhaltung von Wasserkraft ausgeben, rund 550 Mio. sollen in den Ausbau von Wind- und PV-Anlagen gesteckt werden. Mehr Strom aus erneuerbaren Energieträgern führe auch zu niedrigeren Preisen im Großhandel, weil die Stunden, in denen fossile Energie gebraucht werde, weniger werden und so der Tagesdurchschnittspreis für Strom sinke, erklärte Strugl.

Eine Abschöpfung von Übergewinnen würde die Investitionen hingegen belasten, so der Verbund-Chef. Die Republik Österreich hält rund 51 Prozent der Verbund-Aktien, 30 Prozent befinden sind im Besitz der Landesversorger EVN, Wiener Stadtwerke und Tiwag. "Am Beispiel Verbund kann man sehr gut erklären, was mit den Gewinnen geschieht", sagte Strugl. Insgesamt werde der Konzern für heuer 1,2 Mrd. Euro an Dividenden auszahlen, darin enthalten sei eine Sonderdividende in Höhe von 400 Mio. Euro. An den Staat Österreich würden somit rund 600 Mio. Euro ausgezahlt. Zusammen mit den Steuern, die das Unternehmen abführt, kommt Strugl auf rund 1,0 Mrd. Euro, die für 2022 an die Republik fließen.

Die von der Regierung geplante Strompreisbremse, die die Grundversorgung mit Energie zu einem gesicherten, günstigeren Preis auf Vorkriegsniveau für jeden Haushalt vorsieht, hält Strugl für einen "vernünftigen Kompromiss". Abschließend bewerten könne der Verbund die Maßnahme aber erst, wenn die konkrete Ausgestaltung feststeht. Auch die UVP-Novelle, die diese Woche in Begutachtung geschickt wurde, begrüßt der Verbund-Chef.

Die Verbund-Aktie verlor an der Wiener Börse deutliche 3,53 Prozent und schloss bei 106,70 Euro.

APA

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Bildquelle: ALEXANDER KLEIN/AFP/GettyImages,Verbund

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